Schon bald wird sich in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wieder das Sportgericht zusammenfinden, um in stundenlanger Sitzung darüber zu befinden, welches Strafmaß Eintracht Frankfurt erhält, nachdem ein paar Dutzend Menschen meinten, sich beim Gastspiel in Leverkusen im Stehblock mit dem Zünden von Feuerwerk produzieren zu müssen. Vermutlich wird der Bundesligist wegen dieser Wiederholungstäter später in der Saison nur eine begrenzte Anzahl an Besuchern bei einem Heimspiel begrüßen dürfen, und es wird wieder eine ganze Menge völlig unbeteiligter Fans treffen, die dann keinen Einlass in die Arena im Stadtwald erhalten.
Ganz okay: Carlos Zambrano. Stand relativ sicher in der Abwehr, zweikampfstark, gut in der Luft. Hielt seine Abwehr weitgehend zusammen. Hinkte mit Sprunggelenksblessur vorzeitig vom Feld.
Foto: imago sportfotodienstEs sind dies Sanktionen der puren Ohnmacht. Der Ligaverband hat das erkannt und will die Strafen von Grund auf überarbeitet wissen − weg von der Kollektivstrafe, hin zu mehr persönlicher Haftung der Täter, weg von Geldstrafen für die Klubs, hin zu strengeren Auflagen im Umgang mit Problemfans. Aber das kann frühestens vom kommenden Herbst an passieren, weil erst dann ein DFB-Bundestag stattfindet, bei dem die Satzung entsprechend geändert werden kann.
Man darf getrost davon ausgehen, dass die Unverbesserlichen als Brandstifter mächtig stolz darauf sind, die bunten Bilder in den Montagszeitungen zu betrachten. Der medialen Aufmerksamkeit konnten sie sich von jenem Moment an sicher sein, als das Spiel in Leverkusen unterbrochen wurde, zumal sie ihr Feuerwerk in der nach den Wirren um das Sicherheitspaket der Deutschen Fußball Liga (DFL) von allen Seiten ausgerufenen Friedenszeit zündeten. Die Fanvertreter, die Ganzkörperkontrollen und den Ausschluss von Auswärtsfans bei Risikospielen scharf kritisierten, müssen sich von diesen als Fußballfans verkleideten Pyromanen verhöhnt fühlen. Umso wichtiger erscheint es in der Debatte klarzustellen, dass die Frustrationstoleranz der meisten Anhänger gegenüber dieser verschwindend kleinen Minderheit zunehmend sinkt.
Dass auch 37 Din-A4-Seiten Sicherheit, wie am 12. Dezember vom Gros der Bundesligavereine verabschiedet, die Unbelehrbaren nicht bändigen können, darf dabei niemanden wundern. Die machen sich in dreister Ignoranz einen Spaß aus den verzweifelten Bemühungen von Klubs, Polizei, Politik und Verband, ihnen mal mit Härte, mal mit Güte, mal mit Ausgrenzungsversuchen und mal mit Umarmungsstrategie beizukommen. Das Sicherheitspaket soll dazu beitragen, die unkoordinierte Salamitaktik der Vergangenheit zu überwinden. Wie schwierig das bei einzelnen Anlässen in der Umsetzung werden dürfte, dafür waren die Geschehnisse von Leverkusen leider beispielhaft.
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