Die Augen leuchten, wenn Carlos Zambrano von seinen beiden Söhnen spricht, dem fünfjährigen Luciano Francesco und dem eineinhalb Jahre alten Thiago Valentino. Erst kürzlich, über die Feiertage, war der Eintracht-Verteidiger in der Heimat, in Lima, Peru. Er verbrachte die zwei Wochen mit seinen Jungs, eine schöne, unbeschwerte, federleichte Zeit. Fußball habe er mit Luciano, dem Älteren, gespielt, erzählt Zambrano. Ob der Spross auch mal ein guter Kicker wird? „Ich weiß nicht, er ist noch klein.“
Carlos Augusto Zambrano, 23 Jahre alt, sieht seine Kinder selten, die Beziehung zu seiner Freundin ging in die Brüche, die beiden Jungs leben bei ihrer Mutter in Peru. Der Abschied fiel Zambrano jetzt wieder schwer. „Denn alles, was ich mache, mache ich für die Kinder“, sagte er mal.
Die DFL hat die Bundesliga-Spieltage 22- bis 27 fest terminiert:
Dortmund – Eintracht Sa. 16.2./18.30 * SC Freiburg - Eintracht Fr. 22.2./20:30 * Eintracht – Gladbach Fr. 01.3./20:30 * Hannover – Eintracht So. 10.3./15:30 * Eintracht – Stuttgart So. 17.3./15:30 * Fürth – Eintracht So. 31.3./17:30
Aber er hat sich an den Trennungsschmerz gewöhnt, er spielt ja schon eine ganze Weile im Ausland. Vor sieben Jahren hatte er beschlossen, es als Profifußballer in Europa zu versuchen. Er kam nach Deutschland, in den Ruhrpott zu Schalke 04. Da war Carlos Zambrano fast selbst noch ein Kind, 16 Jahre alt und sehr allein auf der anderen Seite der Welt. „Das war hart. Das war schwer“, sagt er. Natürlich sei er heute auch noch traurig, wenn er Peru wieder verlassen muss. „Aber es ist nicht mehr so schlimm wie früher.“ Zumal die Familie ihn oft besuchen kommt in seiner Wohnung in Frankfurt-Sachsenhausen, vor allem sein Bruder und natürlich viele Freunde. „Ich lebe im Moment zwar alleine, aber es ist immer jemand da“, sagt er. In Abu Dhabi sind seine Mitspieler die Familie.
Im Gespräch macht Zambrano einen aufgeschlossenen, sehr zuvorkommenden Eindruck. Er lacht viel, spricht deutsch, das möchte er so. Nur ab und zu driftet er ins Spanische ab. „Deutsch ist sehr, sehr schwer.“ Aber er spricht es inzwischen gut, hat sich die Sprache selbst angeeignet, hat zugehört, nachgesprochen, immer ein bisschen mehr gelernt. Zambrano hat sich integriert, er ist gut aufgenommen worden in der Mannschaft. Er ist kein Fremdkörper, keine Randfigur, sondern mittendrin. Er ist unkompliziert, pflegeleicht, mit seinem neuen Partner in der Innenverteidigung, Marco Russ, kommt er bestens klar. „Marco ist ein Super-Typ“, sagt Zambrano. „Wir verstehen uns, lachen viel, machen viele Späße.“ Aber auch mit Bamba Anderson, dem noch an den Folgen einer Bauchmuskeloperation leidenden Brasilianer, komme er prächtig aus. Auf dem Feld sowieso. „Wir geben alle Kommandos auf Spanisch. So verstehen uns die Stürmer wenigstens nicht.“
Womöglich nimmt die Stürmersuche noch einmal Fahrt auf. Bruno Hübner bestätigte jedenfalls, dass sich „vielleicht am Freitag noch was tun könnte“. Im Gespräch ist weiterhin der Wolfsburger Srdjan Lakic, die Eintracht hat aber auch noch andere Pfeile im Köcher. Zudem könne es sein, dass ein, zwei Spieler den Verein noch verlassen. Auch da, so Hübner, könne es zu einer schnellen Lösung kommen.
Die Zusammenarbeit hat in der Vorrunde von A bis Z gut geklappt: Mit dem Duo Anderson/Zambrano hat die Eintracht nur ein Spiel verloren. Für Trainer Armin Veh ist Zambrano der uneingeschränkte Abwehrchef, „ein cleverer Hund“ noch dazu. Wie wichtig der Mann aus Callao ist, wurde klar, als er wegen eines Zehenbruchs und seiner fünften Gelben Karte drei Spiele fehlte. Prompt gab es in jenen Partien nur einen (glücklichen) Punkt gegen Fürth und zwei Niederlagen mit insgesamt sechs Gegentoren.
Es ist nicht so, dass Zambrano, den die Eintracht vor dieser Saison für 1,2 Millionen Euro vom FC St. Pauli nach Frankfurt holte, gänzlich ohne Bolzen auskommt. Dann und wann spielt er mit Bruder Leichtfuß Doppelpass, aber im Laufe der Runde ist er immer besser geworden. „Carlos ist einer der besten Innenverteidiger der Bundesliga“, sagt sein früherer Trainer Holger Stanislawski. Der Peruaner besticht durch Schnelligkeit, gute Antizipation und Zweikampfhärte. Zambrano wird als Mann aus Stahl bezeichnet, er ist ein erbarmungsloser Zweikämpfer, einer, der sich furchtlos in die Duelle wirft. Manchmal übertreibt er es, er neigt zum Jähzorn, gilt als Heißsporn, ist unberechenbar. „Mein Temperament war schon immer so. Im Fußball hat mir das sehr geholfen“, sagt er.
Ein Highlight seiner Karriere war das Länderspiel gegen Argentinien im September, als er ein Tor machte und Superstar Lionel Messi an die Kette legte. Wie er das gemacht habe? „Messi ist der Beste der Welt, ich habe schon dreimal gegen ihn gespielt. Du musst hart gegen ihn spielen.“ Dann überlegt er einen Moment. „Wir spielen eigentlich immer hart. Meine Kollegen und ich.“ Dann lacht er, der Eisenmann Carlos Zambrano.
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