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Eintracht Frankfurt
Spielberichte und Interviews, News und Hintergründe zu Eintracht Frankfurt

11. Dezember 2012

Eintracht Frankfurt: Ein Falke in seinem Horst

 Von Thomas Kilchenstein
Mit kurzem Haar, aber mit dem Gefühl für den Ball: Ralf Falkenmayer (re.) bei der Traditionself. Foto: Rhode

Ralf Falkenmayer hat einst den modernen Sechser erfunden und freut sich jetzt auf sein Leben als Opa

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Ralf Falkenmayer hat einst den modernen Sechser erfunden und freut sich jetzt auf sein Leben als Opa

Irgendwann in diesem Gespräch kam dann auch die Frage auf, die Ralf Falkenmayer ein bisschen auf dem falschen Fuß erwischte. Wer denn heute bei Eintracht Frankfurt noch so spielen würde wie einst Ralf Falkenmayer gespielt hat. Da wusste er so schnell keine Antwort.
Dabei ist die Antwort so einfach: Es gibt keinen.
So wie Ralf Falkenmayer einst spielte, spielt heute keiner: Falke, der 16 Jahre in der ersten Mannschaft kickte, von 1980 bis 1996 (und einer zweijährigen Unterbrechung bei Bayer Leverkusen), war etwas Besonderes. Er war ein schmächtiger, zierlicher, eher kleiner Spieler, meist waren seine Stutzen bis auf die Knöchel heruntergerollt. Falkenmayer war ein Dauerläufer, er wurde niemals müde, er war bienenfleißig, immer unterwegs auf der Suche nach dem Ball. Und er war zäh. Der Lockenkopf war ein schlauer Spieler, er klaute viele Bälle durch Antizipation oder mit langem Bein, er stand oft richtig, unterband die gegnerischen Aktionen mit klasse Stellungsspiel

Vorläufer auf der Sechs

Ralf Falkenmayer war das, was man heute einen Sechser nennt. Und war damals seiner Zeit ein bisschen voraus. Damals, also eingangs der 80-er Jahre, waren die Sechser reine Zerstörer. Es waren Fußballer vom Schlage der Dieter Eilts, Jens Jeremies, Wolfgang Rolff, Wadenbeißer, Terrier, die alle viel liefen, grätschten, Bälle eroberten und sie dann, weil sie auf Kriegsfuß mit dem Spielgerät standen, den sogenannten Zehnern zuspielten − damit die was Gescheites mit dem Ball anfangen würden.
Ralf Falkenmayer war da anders: Er konnte schon damals einen prima Pass spielen, er hatte einen feinen linken Fuß, wie Fußballer sagen. Seine Technik war beeindruckend, er hatte zudem das Auge für den richtigen Moment, er sah die Gasse. Und konnte den langen Pass schlagen. Vielleicht war Ralf Falkenmayer einer der ersten, die den Wandel auf der Sechs einleiteten. Und die Eintracht hatte, gerade in den 90-er Jahren, ein brillantes Mittelfeld, mit Uwe Bein, Andreas Möller, Jay Jay Okocha, Maurizio Gaudino. „Das war eine wirklich schöne Zeit“, erinnert sich Falkenmayer, der auch noch mit Bernd Nickel, Charly Körbel, Norbert Nachtweih oder Joachim Löw zusammengespielt hat.

Gerade die beiden Jahre unter Trainer Jörg Berger hat der feine Techniker noch in schönster Erinnerung. 337 Spiele in der Bundesliga machte Falke für die Adler, nochmals 48 kamen für Bayer Leverkusen dazu, zu denen er 1987 wechselte. Dort gewann Falkenmayer aus dem Frankfurter Stadtteil Niederursel 1988 zwar den Uefa-Cup, doch in Leverkusen wurde er nicht recht glücklich. Den bodenständigen Jungen zog es nach zwei Jahren zurück nach Frankfurt. Dort lebt der gelernte Schwimmmeistergeselle noch heute mit seiner Familie.
Nach der Karriere, die nach einer Verletzung bei seinem letzten Klub Eintracht Trier 1998 endete, war Falkenmayer weiter am Ball, ein paar Klassen tiefer, und zwar als Spielertrainer beim Bezirksligisten SV Niederursel, seinem Heimatverein. Von 2003 bis 2010 leitete er, zuweilen auf roter Asche, die Freizeitfußballer an und als Not am Mann war, zog er auch noch im Mittelfeld die Fäden.

Kein Drang mehr

Derzeit tritt Falkenmayer, der im Februar auch schon 50 Jahre alt wird, sportlich kürzer. Zwei Operationen nach Leistenbrüchen haben seine Aktivitäten draußen ein wenig geschmälert, ab und an geht er Joggen. Manchmal spielt er noch bei der Eintracht in der Traditionsmannschaft. „Aber so einen richtigen Drang verspüre ich nicht mehr. Vielleicht kommt das ja wieder“, sagt Falkenmayer heute.
Der Nationalspieler (vier Einsätze) ist beruflich angespannt, als Lagerist muss er oft genug schon in aller Herrgottsfrühe aus dem Haus. Auch die Nachwuchsarbeit bei der Eintracht hat er aufgegeben, zwei Jahre lang hat er die U16 trainiert, aber „irgendwann ist der Zeitaufwand zu groß geworden“, sagt Falkenmayer, der den A-Schein besitzt.
Natürlich verfolgt der Frankfurter Bub sehr genau die aktuelle Situation bei der Eintracht. „Das macht im Augenblick richtig Spaß zuzuschauen.“ Mittlerweile ist sein Verhältnis zum Klub auch wieder in der Reihe. Nach seiner aktiven Zeit sollen Absprachen getroffen worden sein, die später nicht eingehalten wurden. Das ist inzwischen Schnee von gestern. „Unser Verhältnis“, sagt Falkenmayer, „ist wieder ganz normal.“
Ralf Falkenmayer ist immer so geblieben wie er ist. Er ist keiner, der das große Wort führen würde, er ist eher still und zurückhaltend. Er ist ein bescheidener, bodenständiger Typ, der sich zu Hause am Wohlsten fühlt. Er ist mit sich im Reinen. Seine beiden erwachsenen Töchter sind aus dem Haus, im April wird der ewig junge Falkenmayer sogar Opa. Tochter Jacqueline wird Mutter. „Da freuen wir uns drauf“, sagt er. Und es ist nicht so unwahrscheinlich, dass im nächsten Frühjahr ein Falke durch Bergen-Enkheim fliegt und einen Kinderwagen schiebt.

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FR-Volltreffer vom 10.12.12

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