Den Montagvormittag verbrachte Sebastian Rode nicht auf angestammtem Terrain, dem Fußballplatz, sondern in einer deutschen Arztpraxis von Abu Dhabi. Das linke Knie schmerzte, es schimmerte blau, der Eintracht-Antreiber humpelte ein wenig. Rode und die Knie – da läuten die Alarmglocken, denn diese Gelenke sind die Schwachstellen des Powerpakets, im rechten Knie rissen einst die Kreuzbänder, links musste er schon am Knorpel operiert werden. Kein Wunder, dass das Eintracht-Lager ein bisschen in Aufregung war; ein Ausfall von Rode wäre nicht zu kompensieren. Um die Mittagszeit folgte jedoch Entwarnung, auf den aufgenommenen Kernspintomographiebildern war keine schwere Verletzung zu erkennen, nur eine Prellung. Rode darf schon wieder joggen. Manch einer will das Aufatmen von Trainer Armin Veh bis nach Frankfurt gehört haben haben.
Womöglich nimmt die Stürmersuche noch einmal Fahrt auf. Bruno Hübner bestätigte jedenfalls, dass sich „vielleicht am Freitag noch was tun könnte“. Im Gespräch ist weiterhin der Wolfsburger Srdjan Lakic, die Eintracht hat aber auch noch andere Pfeile im Köcher. Zudem könne es sein, dass ein, zwei Spieler den Verein noch verlassen. Auch da, so Hübner, könne es zu einer schnellen Lösung kommen.
Am Morgen war Rode zwar mit Beschwerden, aber einem guten Gefühl aus dem Bett gekrabbelt. Die Bundesligaprofis teilten ihm via Kicker ihre Wertschätzung mit. Für 19,5 Prozent der Kollegen ist der 22-Jährige der „Aufsteiger der Hinrunde“. Eine kleine Auszeichnung, die sich der bescheidene Mittelfeldspieler mit herausragenden Leistungen verdient hat. Es gibt kaum einen „Sechser“, der eine derartige Dynamik und Willensstärke an den Tag legt wie der Semmelblonde aus Alsbach-Hähnlein, am Abschluss muss er noch hart arbeiten, sonst kann er schon fast alles. Den Eintracht-Triumph im Kicker machten Alexander Meier, Sebastian Jung und Kevin Trapp perfekt, die auf den Rängen zwei bis vier landeten. Natürlich wurde die Eintracht auch zum Überraschungsteam der Liga gewählt.
Hübner: „Selbst in der Hand“
Sportdirektor Bruno Hübner kommt die schwere Aufgabe zu, dieses Ensemble beisammenzuhalten. Da geht es in erster Linie wieder um Rode und Jung. „Sie werden von der halben Liga gejagt“, sagt der Manager. Aber für ihn ist das kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. „Wir haben es ja ein Stück weit selbst in der Hand.“ Hübner spricht von den oft geforderten Perspektiven, die sich die Mannschaft ja selbst aufzeigen könne – indem sie einfach so weiterspielt wie bisher. Der Erfolg komme dann von alleine. Monetär könne die Eintracht mit den anderen Klubs sowieso nicht mithalten, die Spieler müssten erkennen, was sie an der Eintracht haben und welche Chancen mit ihr verbunden sind. „Wenn sie sich fürs Geld entscheiden, haben wir eh keine Chance“, bekundet er. „Wir konkurrieren da mit Vereinen wie Borussia Dortmund.“
Gerade Jung habe aber häufiger seine „Affinität zum Verein“ kundgetan, und schließlich hat er es auch schon bei der Eintracht in den Dunstkreis der Nationalmannschaft geschafft. Auch Rode will hoch hinaus − DFB-Elf, Europapokal, Champions League. Hübner will Rode nicht unter Druck setzen, hat den Kampf um den Rohdiamanten aber längst nicht aufgegeben. „Ich glaube, er ist noch nicht so weit, sich zu entscheiden.“ Den Beratern macht er keinen Vorwurf: „Sie haben die Aufgabe, den besten Vertrag für die Spieler herauszuholen. Und das ist legitim.“
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