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Eintracht Frankfurt
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22. Januar 2016

Eintracht Frankfurt: Emil mit dem Helm

 Von Manuel Schubert
Gute Haltungsnoten: Emil Balajev, Nummer drei im Eintracht-Tor.  Foto: imago/Schüler

Der Aserbaischaner Emil Balayev will seinen Traum retten. So richtig angekommen bei der Eintracht ist der Keeper noch nicht. 2015 war für ihn ein Seuchenjahr.

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Am 29. August 2013 wird Emil Balayev das erste Mal hellhörig. Er kommt aus Aserbaidschan, einem Land, in dem der Verein FK Karabach Agdam eine große Nummer ist. Und an jenem Sommerabend müssen die Blau-Weißen in der Europa-League-Qualifikation ran. Der Gegner stammt aus Deutschland, er heißt: Eintracht Frankfurt. Also schaltet der 19-Jährige den Fernseher ein. Es ist das Rückspiel, es geht um alles oder nichts.

Und wie Balayev so in Baku auf dem Sofa sitzt, merkt er: Diese Eintracht, die hat was. Es ist nicht wirklich das Geschehen auf dem Rasen, das ihn begeistert. Die Eintracht siegt relativ mühelos mit 2:1 und zieht in die Hauptrunde des Pokalwettbewerbs ein. Es sind die Fans, die ihn faszinieren. „Eine unglaubliche Atmosphäre“, sagt er. Dass er anderthalb Jahre später selbst das Trikot mit dem Adler auf der Brust tragen wird, ahnt er da noch nicht.

Zeitsprung, 21. Januar 2016. Es ist ein eisig kalter Nachmittag. Emil Balayev sitzt in einer warmen Loge der Frankfurter WM-Arena. Der Tisch ist fein gedeckt, schwarze Servietten, bunte Salz- und Pfefferstreuer. Irgendeine „very important person“ wird hier später Gäste empfangen und versuchen, sie mit dem Ausblick in den Bauch der Arena zu beeindrucken. Auf der anderen Seite der gigantischen Fensterscheibe fegen Putzfrauen über die schwarzen Ledersitze, wischen den grauen Zementboden. Emil Balayev, der Junge aus Aserbaidschan, ist mittlerweile Spieler von Eintracht Frankfurt. Seit einem Jahr schon.

Komplizierte Operation

Der 21-Jährige ist ein wenig in Eile. Er kommt gerade vom Zahnarzt, es hat etwas länger gedauert, und gleich muss er zum Training. Balayev war in den vergangenen Monaten oft beim Zahnarzt, viel öfter als auf dem Rasen. Und genau das ist der Grund, weshalb es ein wenig still geworden ist um diesen Emil Balayev, der zum 1. Januar 2015, als großes Torwarttalent gehandelt, an den Main gewechselt war. Eine äußerst komplizierte Kiefer-Operation hat ihn lange außer Gefecht gesetzt. Es war der traurige Tiefpunkt eines enttäuschenden Jahres für den freundlichen Ballfänger.

Mitte September mussten ihm gleich vier Zähne entfernt werden, es wurde im Kiefer herumgebohrt und -geschnitten. Dann folgte das nächste Problem: Aufgrund der entstandenen Lücke setzten sich die anderen Zähne in Bewegung. Eine Zahnspange soll nun Balayevs Gebiss richten, bevor er Zahnimplantate eingesetzt bekommen kann. Weitere anderthalb Jahre könnte das dauern.

Doch nun geht es langsam, aber sicher wieder aufwärts beim Mann mit den schwarzen Locken. Nachdem ihm drei Monate lang jede kleine Erschütterung Schmerzen bereitet hatte, konnte Balayev Mitte Dezember endlich wieder mit leichten Übungen beginnen. Fitnesstrainer Christian Kolodziej erstellte ihm einen Trainingsplan mit ersten Lauf- und Stabilisationsübungen, die der Goalie brav absolvierte. „Danach war ich bereit für das Trainingslager“, erzählt Balayev stolz. Und in der Tat konnte er am 4. Januar mit der Mannschaft in den Flieger Richtung Abu Dhabi steigen.

Ballfänger-Triumvirat: Emil Balajev (rechts, mit Helm), Heinz Lindner (Mitte) und Stammtorwart Lukas Hradecky.  Foto: imago/Jan Huebner

Mittlerweile trainiert der Aserbaidschaner wieder voll mit. Auch an diesem kalten Januar-Nachmittag. Man erkennt ihn leicht, den eigentlich unscheinbaren Mann mit der Rückennummer 29, denn ein blauer Helm, der ein wenig an eine Bowlingkugel erinnert, ziert sein Haupt. Eine Verlängerung schützt den rechten Unterkiefer, dort fehlen die vier Zähne. Ein wenig hölzern wirkt der 1,89 Meter lange Schlacks beim Trainingsspielchen noch, aber das ist ja auch nur allzu verständlich nach dreieinhalb Monaten Pause. Die Zeit „ohne Training, ohne Spaß haben mit den Teamkollegen“, sei schlimm gewesen, sagt Balayev. Umso mehr freut es ihn, nun wieder mitwirken zu können, nun endlich zeigen zu können, was in ihm steckt.

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Denn so richtig angekommen bei der SGE ist der Keeper noch nicht. 2015 war für ihn ein Seuchenjahr. Über Wolfgang Rolff, seinerzeit sowohl Co-Trainer bei der aserbaidschanischen Nationalmannschaft, als auch des damaligen Eintracht-Übungsleiters Thomas Schaaf, wurden die Hessen auf den Nationalspieler aufmerksam. Mit Kevin Trapp und Felix Wiedwald hatte er jedoch zwei starke Männer vor der Nase. Und unter Schaafs Nachfolger Armin Veh spielte er dann gar keine Rolle mehr, bis ihn zu allem Übel die Kiefer-OP noch weiter zurückwarf. Nun ist er die Nummer drei oder vier im Kader der Frankfurter. So richtig präsentieren konnte er sich bislang eigentlich nur beim Turnier in der Ballsporthalle Anfang des vergangenen Jahres. Da ließ Balayev immerhin seine Stärke und Kompromisslosigkeit im Eins gegen Eins aufblitzen.

Erst mal fit werden

Mit Blick auf die Statur sieht er durch seine langen, dünnen Arme und Beine der Nummer eins der Eintracht, dem Finnen Lukas Hradecky, verblüffend ähnlich. Von seinem Konkurrenten zwischen den Pfosten hält Balayev viel. „Jeder kann sehen, dass er ein wirklich guter Spieler ist“, sagt der Reservist. „Und er ist auch ein anständiger Kerl.“ Solange er nicht spielen kann, versucht der Mann, der auch die russische Staatsbürgerschaft besitzt, die Zeit in Deutschland dennoch zu nutzen, um sich zu verbessern. „Ich lerne viel auf diesem hohen Level, es ist eine tolle Erfahrung“, sagt er.

Schon als Kind träumte der kleine Emil davon, eines Tages in Deutschland oder England die Fußballstiefel schnüren zu dürfen. Er hat es geschafft. „Es ist eine Ehre für mich, hier sein zu dürfen“, sagt der bescheidene 21-Jährige. Jetzt liegt es an ihm, diese Chance zu nutzen. Einen Pflichtspieleinsatz hat er für die Eintracht noch nicht bestritten. Einmal vor der Kulisse im Stadtwald auflaufen, die ihn schon im August 2013 so faszinierte, bleibt das große Ziel. „Das wäre so großartig“, sagt Balayev.

Viel Zeit bleibt ihm nicht. Im Sommer läuft sein Vertrag aus. Die Eintracht besitzt die Option, ihn noch einmal um zwei Jahre zu verlängern. Das hat Emil Nazim Oglu Balayev, wie er mit vollem Namen heißt, aber noch gar nicht im Kopf. Erst einmal, sagt der Torwart, wolle er wieder 100 Prozent fit werden. „Und dann schauen wir weiter.“

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