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Eintracht Frankfurt
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24. Juli 2014

Eintracht Frankfurt: Endlich weißer Rauch: Lucas Piazón kommt

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Der Beweis: Lucas Piazón trug mal das Trikot des FC Chelsea, nicht oft, aber immerhin: Ab sofort läuft er in Eintracht-Farben auf.  Foto: imago sportfotodienst

Der brasilianische Linksaußen Lucas Piazón kommt vom FC Chelsea auf Leihbasis für ein Jahr zu Eintracht Frankfurt. Nach FR-Informationen hat die Eintracht keine Kaufoption für den begabten Offensivspieler vereinbaren können.

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Vor ein paar Tagen hat der Frankfurter Sportdirektor Bruno Hübner versucht, ein paar Zusammenhänge aufzuzeigen im verworrenen Transfergeschäft der Bundesliga. Viele Abschlüsse, erzählte der Eintracht-Manager, scheiterten nach langen Verhandlungen in letzter Sekunde, weil eine Heerschar an Beratern auf den letzten Metern „immer neue Ideen hat“. Da werden im Pokerspiel dann plötzlich neue Forderungen und Bedingungen gestellt, die vorher nicht Gegenstand der Gespräche waren. So oder so ähnlich könnte es sich auch im Fall von Lucas Piazón zugetragen haben, jenem hoffnungsvollen Fußballprofi des FC Chelsea, den Eintracht Frankfurt am Donnerstag für ein Jahr unter Vertrag nahm. Es war ein hartes Stück für den Eintracht-Macher, ein Lehrstück für das höchst komplizierte Geflecht zwischen Managern, Beratern, Spielern und Vereinen.

Am Ende des turbulenten Tages frohlockte Hübner im Gespräch mit der FR: „Er hat eine Qualität, die uns richtig weiterhelfen kann.“ Und weiter: „Normalerweise ist es unheimlich schwer, so eine Qualität zu bekommen.“ Doch dank seiner Hartnäckigkeit und der Absicht des FC Chelsea, Piazón in einer leistungsstarken Liga zu parken, hat die Eintracht letztlich das Rennen gemacht. Auf Leihbasis nur, aber immerhin.

Eigentlich wollte Eintracht Frankfurt die Verpflichtung des 20 Jahre alten Brasilianers schon am Mittwochabend bekanntgeben, die Pressemitteilung war schon vorbereitet, Piazón hatte vom Flughafen Heathrow in London ein Bild gepostet und es unterschrieben mit den Worten: „Auf dem Weg zu einem neuen Abenteuer.“ Das würde ihn, da gab es keine Zweifel, nach Frankfurt führen. Vereinzelt wurde der Deal am frühen Mittwochabend als perfekt vermeldet. Zu früh.

Denn dann stockten die Verhandlungen auf einmal ganz gewaltig. Hübner, der die Verträge mit dem Spieler und dem FC Chelsea unterschriftsreif ausverhandelt und sich dann ins Trainingslager nach Donaueschingen verabschiedet hatte, befand sich zu dieser Zeit gerade im „Hexenhaus“ beim gemeinsamen Abendessen mit dem Trainerteam und einigen Medienvertretern. Doch je später es wurde, desto unruhiger wurde der 53-Jährige.

Chronologie eines Transfers

Alle paar Minuten trat er vor die Tür, um sich per Handy auf den neusten Stand der in Frankfurt über die Bühne gehenden Verhandlungen bringen zu lassen. Gegen 22 Uhr rief der Sportdirektor dann Trainer Thomas Schaaf zu sich, um ihm zu eröffnen, dass es am Abend nichts mehr würde mit dem Transfer des Linksaußens nach Frankfurt. Hübner verabschiedete sich umgehend, wünschte einen schönen Abend und huschte eilig in sein Hotelzimmer, um seine Sachen zusammenzupacken. Anschließend heizte er in weniger als drei Stunden durch die Nacht und über die Autobahn zurück nach Frankfurt, um den ins Stocken geratenen Deal wieder anzuschieben.

Meldungen, der Transfer sei endgültig geplatzt, widersprach Hübner am Donnerstagmorgen per SMS. „Nein, sind noch in Gesprächen“, ließ er wissen. Dann stürzte er sich wieder hinein in den Verhandlungsmarathon. Und, siehe da, am späten Nachmittag stieg dann tatsächlich weißer Rauch auf. Da gab die Eintracht die Verpflichtung des 20-Jährigen auf Leihbasis bekannt. Das Aufatmen im Frankfurter Stadtwald war fast bis in den Schwarzwald hinein zu hören, wo die Eintracht gestern ihre Zelte abbrach und nach dem Testspiel gegen Aalen (1:1) zurück in heimatliche Gefilde reiste. Am Ende, sagte Hübner etwas umständlich, sei es noch um „Klarstellung in der Vertragsgestaltung“ gegangen.

„Wir sind froh, dass wir nach langen, aber sehr fairen Verhandlungen mit dem FC Chelsea eine Einigung erzielen konnten“, sagte Hübner. Nach FR-Informationen hat die Eintracht keine Kaufoption für den begabten Offensivspieler vereinbaren können. Nach den schlechten Erfahrungen mit Joselu, der von Hoffenheim ausgeliehen war, in Frankfurt überzeugte und dann in diesem Sommer für sechs Millionen Euro nach Hannover wechselte, war dies eigentlich die Vorgabe für Leihgeschäfte, doch in diesem Fall und in der derzeitigen Situation machten die Frankfurter Verantwortlichen eine Ausnahme. Zu angespannt ist die personelle Lage der Hessen, zu groß war die Verlockung, der Mannschaft mit Piazón einen nötigen Qualitätsschub zu verleihen. Da rückt man schon mal von seinen Idealvorstellungen ab und akzeptiert ein temporäres Engagement. „Es wäre sonst nie möglich gewesen, so einen Spieler zu holen – das muss man ganz klar so sagen“, befindet Hübner.

Das ist, zumindest im Moment, absolut nachvollziehbar. Sollte Piazón allerdings nur ansatzweise die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen, darf niemand in Frankfurt so blauäugig sein oder sich große Hoffnungen machen, den Südamerikaner längerfristig an die Eintracht binden zu können. Piazón ist als schnelle Hilfe gedacht. Das kann funktionieren, muss aber nicht.

Wie Kaka, ein Frauenschwarm

Der technisch versierte und schnelle Offensivspieler galt bei Chelsea stets als Versprechen für die Zukunft, der vor drei Jahren vom FC São Paulo auf die Insel gewechselte Spieler konnte sich aber nicht durchsetzen und wurde zweimal ausgeliehen, vor anderthalb Jahren an den FC Malaga, anschließend an den niederländischen Erstligisten Vitesse Arnheim. Dort sorgte der Frauenschwarm, der sehr seinem Idol Kaka ähnelt, gerade im ersten Halbjahr für Furore, erzielte elf Tore und bereitete acht weitere vor. „Da hatte er die Hoffnung, dass er für die Rückrunde zu Chelsea zurückgeholt wird“, sagte Hübner. Doch Verletzungen warfen ihn zurück.

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Piazón, der bei der Eintracht die Rückennummer 19 erhalten wird, gilt als großes Kreativtalent, das auch mal seine Meinung sagt und nicht alles als gegeben hinnimmt. Er kam als 17-Jähriger nach London, er galt in seiner Heimat als absolutes Juwel, als Ausnahmespieler. Der FC Chelsea sicherte sich schließlich die Dienste des in São Paulo geborenen Rechtsfußes. In Frankfurt wird er wohl erst einmal auf links spielen und in Konkurrenz zu Takashi Inui treten. Wobei: Trainer Thomas Schaaf würde Inui gerne zentral hinter den Spitzen spielen lassen. Und: Mitte der kommenden Woche soll mindestens einer der beiden noch fehlenden Stoßstürmer nach Frankfurt kommen. Es soll sich um ziemlich gute Angreifer handeln.

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