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Eintracht Frankfurt
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13. August 2014

Eintracht Frankfurt: Hellmann öffnet leicht die Tür

 Von 
Eintracht-Finanzvorstand Axel Hellmann überreicht Scheich Nahyan bin Mubarak Al Nahyan ein Eintracht-Trikot.  Foto: Heiko Rhode

Eintracht Frankfurt denkt über Investoren nach und kalkuliert nach dem Rekordjahr nun mit sechs Millionen Euro Verlust.

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Auf eine Feststellung legte Axel Hellmann großen Wert: „Ich jammere und klage nicht“, sagte der Finanzchef der Frankfurter Eintracht während der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch. „Ich stelle nur fest, wie die Begebenheiten in der Bundesliga sind.“ Und die seien nun einmal so, dass es ein Traditionsverein wie Eintracht Frankfurt im Verdrängungswettbewerb Bundesliga immer schwerer habe, auf dem Spielfeld zu reüssieren, wenn man fernab des Spielfeldes immer weiter abgehängt werde. Axel Hellmann, ab morgen 43 Jahre alt, spricht von „Kapitalisierungsmaßnahmen von Dritten, die den Wettbewerb verzerren“. Was er meint: Millionenschwere Zuwendungen von außen – sei es durch einen Mäzen, durch ein potentes Werk im Hintergrund, ein Brauseunternehmen oder „eine private Person von den Balearen, die ein Darlehen gewährt.“ Gemeint ist Klaus-Michael Kühne, der 25 Millionen Euro in den Hamburger SV gepumpt hat.

Die Zahl der fremdfinanzierten oder bezuschussten Klubs nimmt zu. Eine Entwicklung, die Hellmann „nicht gesund“ findet. „Wenn die Menschen das Gefühl haben, es ist kein fairer Wettbewerb mehr, dann sind wir auf dem falschen Weg.“ Und doch sei die Realität nun mal so, und da Eintracht Frankfurt keinesfalls die Entwicklung verschlafen möchte, „stellt sich für uns die Status-Quo-Frage“, wie der Finanzvorstand berichtet. Und die lautet: „Bleiben wir bei der eigenen Betriebsleistung oder beschäftigen wir uns entgegen der Zurückhaltung der letzten zehn, zwölf Jahre auch mit der Frage, ob wir uns im Markt Kapitalisierungspartner suchen.“ Das wäre fürwahr ein Paradigmenwechsel. Er sage dies, betonte er, ergebnisoffen. „Aber wir müssen unsere Strategie danach ausrichten. Es macht keinen Sinn, wenn 17 vereine so agieren und am Ende steigen wir ab und haben wieder einen 30 Millionen Schaden.“ Sucht Eintracht Frankfurt also zukünftig offensiv einen strategischen Partner? So weit will Hellmann nicht gehen. „Ich habe kein Modell im Kopf“, sagte er. Er sei auch überzeugt davon, dass die viel diskutierte 50+1-Regel „Sinn macht“, aber die Eintracht müsse auf die neuen Gegebenheiten reagieren – in welcher Form auch immer. Der Klub sei sexy für potente Partner. „Interessenten am Markt, die gibt es“, sagte der Jurist. Und auch in der Arabischen Welt habe er nicht nur einmal die Frage gehört: „Kann man die Eintracht kaufen?“ Doch da stellte er klar: „Kann man nicht.“

99 Millionen Euro Umsatz

Und doch ist der Klub aus dem Hessischen an seine Grenzen gestoßen, in vielen Bereichen kommt er nicht weiter, weil viele Parameter am Anschlag sind. Im Ticketing und Marketing seien kaum noch Steigerungen möglich. Und das, obwohl die Eintracht „ein Wachstum deutlich über Markt“ vorweisen kann. Gerade die abgelaufene Saison sei eine herausragende gewesen, die wirtschaftlich erfolgreichste in der Vereinsgeschichte. Durch die erfolgreiche Teilnahme in der Europa League und dem Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals hat die Eintracht insgesamt 99 Millionen Euro umgesetzt, 14 Millionen davon allein aus dem internationalen Wettbewerb. Sieben Millionen Euro davon sind hängengeblieben, die Eintracht hat die Saison mit neun Millionen Euro Gewinn abgeschlossen und das auf drei Millionen Euro abgeschmolzene Eigenkapital auf zwölf Millionen aufstocken können. „Die Europa League hat uns nach vorne katapultiert, uns nachhaltig geholfen“, sagte Hellmann und bekräftigte daher: „Jede Chance auf eine erneute Teilnahme muss genutzt werden.“

Da diese Zusatzeinnahmen in der kommenden Spielzeit wegfallen, kalkuliert die Eintracht mit einem Gesamtumsatz von 81 Millionen Euro, 34 Millionen sollen in den Lizenzspielerkader fließen – es können, je nach Entwicklung auf dem Transfermarkt, auch noch ein, zwei Millionen mehr werden. Mit diesem Personaletat liegen die Frankfurter im hinteren Mittelfeld der Liga. Die Topklubs, die im Durchschnitt rund 85 Millionen für ihre Bundesligateams ausgeben, sind den Mittelständlern (Budget im Schnitt 37,7 Millionen) weit enteilt, wenden mehr als das Doppelte auf. „Wenn man alleine nach den Zahlen geht, ist das eine andere Welt“, räumte der Finanzvorstand ein und erinnerte an den Einzug in die Europa League, den er als „sportliches Wunder“ bezeichnet.

Hellmann ärgert sich über die weit verbreitete Annahme, die Eintracht sei ein Klub, der knausrig sei und sich scheue, Investitionen zu tätigen. „Das ist dummes Zeug.“ Natürlich sei der Verein „wirtschaftlich gesund und schuldenfrei“, aber man horte das Geld nicht. „Wir waren in den letzten Jahren risikoaffin“, sagte er. „Wir sind aber mutig genug, um zu sagen, das holen wir wieder rein.“ Für die neue Spielzeit kalkulieren die Frankfurter gleichwohl mit einem Verlust von sechs Millionen Euro, das Eigenkapital wird auf das – vom Aufsichtsrat geforderte – Mindestniveau von fünf Millionen Euro abschmelzen. „Und da fehlt mir die Phantasie, wie wir die sechs Millionen Euro ausgleichen sollen“, so Hellmann. Das ginge nur über den Einzug ins DFB-Pokal-Finale. In jedem Fall sei klar: „Die jetzige Investitionstiefe werden wir im nächsten Jahr ohne Zusatzeinnahmen nicht halten können.“

Im Ausland liegt die Chance

Für die Eintracht, die mit einem Zuschauerschnitt von 47 000 kalkuliert und 60 Logen verkaufen will (55 bisher), gehe es nach wie vor darum, über eine bessere Platzierung in der TV-Tabelle (zurzeit Platz 14, vor dem Abstieg Platz neun) Boden gutzumachen und Geld einzunehmen. „Das ist unser Mantra.“ Hellmann hält es überdies für nicht ganz fair, dass sich das TV-Ranking nach der Platzierung berechnet und nicht etwa nach weichen Faktoren. Da könnten die Traditionsklubs nämlich punkten: In der Sky-Tabelle liegt die Eintracht auf Platz fünf, 444 000 Zuschauer verfolgten im Schnitt die Partien der Hessen.

Hellman sieht eine Chance der Eintracht in der wachsenden Auslandsvermarktung („Wir sind prädestiniert dafür, Ziele im Ausland ins Auge zu fassen.“) und den sozialen Netzwerken. „Mit Reichweitewerten können wir glänzen, diesen Weg werden wir aggressiv weiter verfolgen.“

Und die Eintracht, die in der zurückliegenden Saison zehn Millionen Euro Stadionmiete an die Stadt bezahlt hat, hofft auch, an den Namensrechten der Arena zu partizipieren, die im kommenden Jahr neu ausgeschrieben werden. „Da sind wir in einer guten Position. Die Signale, die wir empfangen, stimmen uns hoffnungsfroh.“ Zum Angriff auf die Spitze würde es dennoch bei weitem nicht langen.

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