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Eintracht Frankfurt: Im Einheitstrott

Das Spiel der Frankfurter leidet auch an der fehlenden Schnelligkeit der einzelnen Fußballer.

Hoffenheims Gustavo (rechts) ist zu flink unterwegs, Eintracht-Spieler Inamoto bleibt keine Wahl: Er muss sich mit einem Foul behelfen.
Hoffenheims Gustavo (rechts) ist zu flink unterwegs, Eintracht-Spieler Inamoto bleibt keine Wahl: Er muss sich mit einem Foul behelfen.
Foto: ddp

Friedhelm Funkel konnte sich ein herzhaftes Lachen nicht verkneifen. Der Trainer der Frankfurter Eintracht hatte gestern um die Mittagszeit gerade sein Büro im Stadion betreten, als er auch schon von der FR gefragt wurde, ob die derzeitige Malaise des hessischen Bundesligisten womöglich auch damit zusammenhängen könne, dass zu viele Spieler im Kader nicht schnell genug seien. Funkel glaubte sich verhört zu haben. "Jetzt sucht Ihr aber krampfhaft nach Gründen, warum es bei uns nicht läuft", bedeutete er dem Reporter und fand das alles ein bisschen "zu einfach und kurz gedacht".

Immerhin, führte er aus, habe seine Mannschaft mit eben jenen Spielern in der vergangenen Saison in jeder Halbserie 23 Punkte geholt und das beste Ergebnis der Eintracht seit 15 Jahren eingefahren. "Da habe ich so eine Frage nicht gehört", wunderte sich der Coach. Womöglich fallen Missstände aber erst im Misserfolg so richtig auf. Das räumte auch Funkel ein. "Wenn es nicht läuft, sieht man so was eher."

Denn es ist offensichtlich, dass das Spiel der Eintracht auch an der fehlenden Schnelligkeit der einzelnen Fußballer leidet. Lediglich in der Abwehr sind die Frankfurter gut aufgestellt, die Innenverteidiger Marco Russ und Habib Bellaid verfügen über eine gutes Grundtempo, Rechtsverteidiger Patrick Ochs ist der mit Abstand schnellste Eintracht-Spieler und braucht auch ligaweit kaum Konkurrenz zu fürchten. Dann aber hört es schon auf mit der ungezügelten Tempobolzerei, gerade das defensive Mittelfeld besticht nicht gerade durch Geschwindigkeit. Chris, Michael Fink oder Junichi Inamoto sind eher Dauerläufer im mittleren Drehzahlbereich, die bei wendigen und schnellen Widerparts auch mal die Orientierung verlieren. Alles eine Frage des Tempos also?

Trainer Funkel sieht es, natürlich, anders. Er führt etwa den Ex-Stuttgarter Zvonimir Soldo als Gegenbeispiel ins Feld, der "extrem langsam", aber dennoch der beste defensiven Mittelfeldspieler gewesen sei. Es komme immer auf das Verhalten des Spielers an und "wie gut er sein Schnelligkeitsdefizit kaschieren" könne, etwa durch ein gutes Auge, ein gutes Stellungsspiel und entsprechende Antizipation. "Man muss nicht schnell sein, um herausragende Leistungen bringen zu können", sagte Funkel und fügte rhetorisch an: "Michael Ballack, Torsten Frings oder Per Mertesacker sind auch nicht die Schnellsten, aber sie sind alle Nationalspieler."

"Schnelligkeit ein enormes Gut"

Das mag alles richtig sein, und doch wirkt sich bei der Eintracht das fehlende Tempo lähmend aufs Offensivspiel aus. Benjamin Köhler und Markus Steinhöfer sind quirlig und wuselig, aber beileibe kein Sprintertypen, Christoph Spycher geht nur ein Tempo, Mehdi Mahdavikia war mal flink, ist es aber nicht mehr - von Faton Toski mal ganz zu schweigen. Gerade Toski ist ein begnadeter Fußballer, aber was nutzt die beste Anlage und der beste Trick, wenn er dem Gegner nicht entwischen kann? Immerhin weist Stürmer Ioannis Amanatidis eine gewisse Grundschnelligkeit auf. Und doch resultiert aus dem Einheitstrott eine große Schwäche: die fehlenden Überraschungsmomente. Denn es ist nur selten zu sehen, dass mal einer ein, zwei Gegenspieler umspielt und damit eine neue, nicht vorherzusehende Spielsituation kreiert. Bei der Eintracht hat einzig Caio die Gabe, mit dem Ball am Fuß Tempo aufzunehmen und am Gegner vorbeizukommen. Caio ist kein Sprinter, aber er ist explosiv auf den ersten Metern und verliert auch am Ball kein Tempo. Caio hat aber andere Defizite. Die Hoffnungen ruhen auf Wirbelwind Ümit Korkmaz, der aber nach seinem Fußbruch in dieser Woche erstmals mit der Mannschaft trainiert hat.

Funkel, der nicht so recht daran glauben mag, "einen 25-Jährigen" durch intensives Training schneller machen zu können, macht keinen Hehl daraus, dass es generell "sehr wünschenswert" sei, flinke Spieler in den Reihen zu haben. "Schnelligkeit ist ein enorm wichtiges Gut." Für die Eintracht sei es aber nicht leicht, gute und schnelle und bezahlbare Spieler zu bekommen.

Pikanterie am Rande: Ausgerechnet gestern gab es ein einstündiges Sprinttraining.

Autor:  INGO DURSTEWITZ
Datum:  9 | 10 | 2008
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Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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