Eintracht Frankfurt
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18. Februar 2013

Eintracht Frankfurt: In die eigene Falle getappt

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Da hilft auch kein Halten: Gündogan setzt sich gegen Schwegler durch. Foto: S. Krieger

Die Eintracht hisst gegen einen wie entfesselt aufspielenden Meister schon nach knapp zehn Minuten die weiße Fahne.

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Auch am Tag danach hielt sich die Enttäuschung über die kleine Abfuhr beim Meister in engen Grenzen. Die Stammspieler der Frankfurter Eintracht joggten sich im Stadtwald die Strapazen des Abends aus den Beinen, die Reservisten durften auf dem Platz an den Ball. Alles wie immer. Auch Trainer Armin Veh war gut drauf, aufgeräumt und entspannt. Die 0:3-Niederlage in Westfalen war fast gänzlich abgehakt. Das könnte auch daran gelegen haben, dass der Frankfurter Fußballlehrer nun nicht mit dem allerbesten Gefühl in den Pott gereist war. „Ich habe nicht unbedingt damit gerechnet, in Dortmund etwas zu holen“, gestand er ein.

Trapp ohne Chance gegen Reus

Der Spielfilm der Spitzenpartie ist schnell erzählt, im Grunde war diese einseitige Begegnung nach neun Minuten und zwei Sekunden gelaufen, da waren die Frankfurter schon heillos ins Hintertreffen geraten. Eigentlich hätte die Eintracht da bereits die weiße Fahne hissen und sich gemütlich auf den Heimweg machen können, 2:0 stand es für die wie entfesselt aufspielenden Borussen, zweimal war es Marco Reus (8./10.), der den hessischen Abwehrspielern von der Fahne ging und auch Keeper Kevin Trapp keine Abwehrchance ließ. „Da war das Spiel eigentlich schon vorbei“, sagte Trapp. Und Mittelfeldspieler Alexander Meier ergänzte mit entwaffnender Offenheit: „Wir mussten uns noch zusammenreißen, um nicht die Hütte vollzukriegen.“

Die Eintracht war, wenn man so will, in ihre eigene Falle getappt. Sie wollte mutig und forsch auftreten, hoch verteidigen, früh attackieren, „wir wollten nicht in Ehrfurcht erstarren“, sagte Kapitän Pirmin Schwegler. Gerade der beste Frankfurter Aufbauspieler wurde aber durch die aggressiven und kompromisslos attackierenden Dortmunder zu ungewohnten Fehlern gezwungen, sie nahmen der offensiv ausgerichteten Eintracht den Wind aus den Segeln. „Wir haben es so versucht − es ist in die Hose gegangen“, resümierte Schwegler. Trainer Armin Veh verteidigte die Marschroute: „Wenn wir tief stehen, haben wir gar keine Chance.“ Und die Gegentore seien auch nicht der offensiven Ausrichtung geschuldet gewesen, „sondern weil wir das Zentrum freigelassen haben, da müssen wir besser stehen.“
Den Frankfurtern sind in Dortmund schonungslos die Grenzen aufgezeigt worden. Die Borussia spielt in einer anderen Liga. Und: Sie nahm ganz geschickt das Herzstück der Eintracht aus dem Spiel: Pirmin Schwegler und Sebastian Rode sahen kein Land, zudem ist auch Alexander Meier in eine kleine Schaffenskrise geschliddert (siehe weiteren Bericht auf der nächsten Seite).

Freiburg ist nicht Dortmund

Da half es den Hessen herzlich wenig, dass sie nach einer halben Stunde zumindest numerisch überlegen waren: Ausgerechnet Aushilfsstürmer Julian Schieber, für den gesperrten Robert Lewandowski ins Rennen geschickt, leistete sich zwei unnötige Fouls und verabschiedete sich nach 31 Minuten mit der Ampelkarte. Völlig zurecht. Erst hatte er die Sohle gegen Carlos Zambrano drübergehalten, dann den Ellenbogen gegen Bastian Oczipka ausgefahren. Feierabend. BVB-Trainer Jürgen Klopp sah das natürlich anders: „Mittlerweile wird ja jeder Hustenanfall als Tätlichkeit ausgelegt.“ Später relativierte er diese Aussage. Auch der Dortmunder Sportdirektor Michael Zorc musste eingestehen: „Das kann man so geben.“

Die Eintracht konnte die Dortmunder Verwirrung zwar in unendlich viel Ballbesitz (61 Prozent bis zur Halbzeit), aber nicht in Zählbares ummünzen: Sie hatte auch nur eine echte Chance, doch der erneut indisponierte Sebastian Rode lupfte den Ball am Tor vorbei. Im zweiten Abschnitt nahmen die Borussen die Gäste fast schon auseinander, da führten sie die Hessen in Unterzahl vor. Reus erlegte die Frankfurter mit dem 3:0 (65.), eine Minute zuvor hatte Srdjan Lakic die beste Eintracht-Chance vergeben, als er knapp am Pfosten vorbeischoss. „Den muss er machen“, krittelte Veh. Im Gegenzug setzte es den Knockout. Zudem muss die Eintracht im nächsten Spiel auf Takashi Inui verzichten, der nach einem harmlosen Foul gegen Mats Hummels Gelb-Rot sah. „Ein Witz“, meckerte Veh.
Nun steht für die Eintracht ein richtungsweisendes Spiel in Freiburg an. „Mal wieder ein Schlüsselspiel“, wie Veh anmerkte. Die Kardinalfrage lautet: Geht der Eintracht womöglich ein bisschen die Puste aus? Nörgler werfen ein, die Mannschaft habe in den fünf Spielen der Rückserie nur eine richtig gute Halbzeit gespielt, die erste in Hamburg nämlich. Die große Leichtigkeit , das muss man festhalten, ist zurzeit ein wenig verschütt gegangen, die Kontrahenten stellen sich besser auf die Eintracht ein, sie wird sich Lösungsansätze erarbeiten müssen.

Für einen Aufsteiger ist das freilich Mäkeln auf hohem Niveau. So richtig enttäuscht haben die Frankfurter andererseits nur vor neun Tagen im Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg, in Leverkusen und vor allem in Dortmund kann man an Tagen wie diesen verlieren. Die Punktausbeute mit sieben Zählern aus fünf Spielen ist zwar nicht gut, aber noch in Ordnung.
Das Spiel am Freitag in Freiburg ist eminent wichtig, so etwas wie ein Wegweiser. Bei einer weiteren Niederlage wäre der Vorsprung verspielt, und der Trend ginge eindeutig in die falsche Richtung. Oder aber die Eintracht holt Big Points im Kampf um die europäischen Startplätze. „Ein schweres Spiel“, sagt Trainer Veh und schließt an: „Aber Freiburg ist nicht Dortmund.“

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