kalaydo.de Anzeigen

Eintracht Frankfurt
Spielberichte und Interviews, News und Hintergründe zu Eintracht Frankfurt

10. Dezember 2012

Eintracht Frankfurt: Is’ denn scho’ Weihnachten?

 Von Von Ingo Durstewitz und Jörg Hanau
Es grüßt Weihnachtsmann Alex M. Foto: S. Krieger

Von drauß' vom Walde kommen sie her. Und Bremen muss sagen, es weihnachtet sehr. Denn es gibt gleich viermal mit der Rute.

Drucken per Mail

Am Sonntagmorgen zog Axel Hellmann pünktlich um zehn Uhr die kurze Hose an und streifte das Trikot über. Er band sich die Sportschuhe, um im Mittelfeld die Fäden zu spinnen. Hellmann, Vorstand der Frankfurter Eintracht, ist ein begeisterter Hobbyfußballer und nach einem Kreuzbandriss längst wieder auf der Höhe. Der Mann, 41, kickt zweimal die Woche in der Halle, er versteht was von der Balltreterei. Am Abend zuvor freilich hatte er, in Anzug und mit Krawatte, mit dem Rücken zur Wand gestanden. Da wählte er den geordneten Rückzug, verschanzte sich in der Defensive. Was für die Eintracht jetzt noch drin sei, ob nicht wenigstens er, der früher im G-Block stand, jetzt den Sturm auf die Europapokalplätze ausrufe, wollte einer wissen. „Ich bin Finanzmann, von Fußball habe ich keine Ahnung“, entgegnete Hellmann lächelnd.
Auch er wollte von der offiziellen Sprachregelung nicht abweichen, wollte keine anderen Ziele ausrufen. Nur keinen Druck aufbauen, nur weiter im Windschatten segeln. „Ab 40 Punkte blase ich dann zur Attacke“, schob er nach. Für das bisher Erreichte wollte sich Hellmann aber schon mal explizit bedanken: „Glückwunsch an die Sportliche Leitung. Diese Mannschaft macht Spaß.“

Das spüre er an jeder Ecke in Frankfurt: „Den Eintracht-Shops wird die Bude eingerannt, die Sachen werden uns aus der Hand gerissen. Für Eintracht Frankfurt ist 2012 ein ganz besonderes Jahr.“ 17 Siege hat der Klub in 31 Punktspielen eingefahren, neunmal nur verloren. Die Mannschaft hat mit dem Aufstieg nicht nur den Betriebsunfall korrigiert, sondern sorgt nun in Liga eins für Furore, für frischen Wind und Farbtupfer. Die Eintracht ist eine Bereicherung für die höchste deutsche Spielklasse. Wer hätte das noch vor ein paar Monaten gedacht?
Das 4:1 am Samstagabend gegen Werder Bremen hievte die Hessen nach 16 Spielen auf Rang vier des Klassements, mit 27 Punkten − genauso viele hat Meister Borussia Dortmund geholt. Die Frankfurter haben ihre beste Hinserie seit 19 Jahren hingelegt, und ein Spiel steht noch aus, am kommenden Samstag beim VfL Wolfsburg. Die Verantwortlichen stapeln weiter munter tief. Damit sind sie gut gefahren, das Saisonziel soll nicht revidiert werden. „Davon rücken wir nicht ab“, sagte Trainer Armin Veh und fügte an: „Wenn mehr gehen sollte, wäre es schön, dafür arbeiten wir ja.“ Heribert Bruchhagen klang etwas offensiver: „Die ersten drei Plätze sind vergeben, aber dahinter ist vieles offen. Bei uns muss alles zusammenkommen, damit es realistisch wird.“

Spiel gegen Bremen als Exempel

Nach dem sechsten Heimerfolg in dieser Runde kann man konstatieren: Der Sprung nach Europa muss nicht klappen, aber er kann. Das Spiel gegen Bremen ist dafür ein Beleg. Es steht exemplarisch für viele der bisherigen Saisonpartien der Eintracht, es dokumentiert das rasante und fast schon rücksichtslose Offensivspektakel − genauso wie die Lücken in der Defensive, die zwangsläufig entstehen und die noch häufiger mit Toren bestraft würden, hätte die Eintracht nicht den zurzeit besten Schlussmann Deutschlands im Kasten: Kevin Trapp. Die Stärke der Eintracht bedingt auch ihre Schwäche. „Aber wir ziehen das durch“, sagte Veh fast trotzig.

Was mehr auffällt denn je: Die Eintracht hat keinen Plan B, braucht keinen, will keinen, das Stilmittel ist Hurra-Fußball mit allen Konsequenzen. Eine andere Lesart des Spiels ist für diese Mannschaft offenbar nicht praktikabel. Die Auslegung ist riskant. Aber dieses Risiko ist für die Eintracht kalkulierbar; es wäre wohl ein ungleich größeres, die Taktik grundlegend zu ändern. In Düsseldorf musste Veh auf Stammkräfte verzichten und versuchte deshalb, den Offensivdrang zu zügeln. Er stellte einen Sechser auf und zwei Achter − es ging in die Hose. Das Spiel der Eintracht ist eindimensional, aber schön.

Gegen Bremen dokumentierten die Frankfurter, dass sie gefestigt und stabil genug sind, um kleine Schwächephasen zu überwinden, ohne durchgereicht zu werden. Nach den beiden Niederlagen am Stück wurde in der vergangenen Woche in Frankfurt von Mini-Krise gesprochen. Es wurden Parallelen zum kolossalen Einbruch vor zwei Jahren gezogen, als die Frankfurter in der Hinrunde 26 Punkte gesammelt hatten. „Uns ist eine leichte Krise eingeredet worden“, urteilte Sebastian Rode. Veh hat das intern nicht thematisiert. Er hat nicht versucht, sein Team starkzureden. „Er hat nur gesagt, wir sollen normal spielen, so wie wir es können“, erzählte Alexander Meier. Das taten sie dann auch.

Meier selbst leitete den Sieg in einem in der zweiten Hälfte spektakulären Spiel mit Köpfchen ein (48.), den Ausgleich durch Nils Petersen (54.) machten Pirmin Schwegler mit einem perfekten 28-Meter-Knaller (62.) und Stefan Aigner aus der Nahdistanz (63.) binnen 70 Sekunden vergessen. Takashi Inui sorgte für den Schlussakkord (90.).
Noch vor Weihnachten will die Eintracht beraten, ob sie einen Verteidiger (will sagen: Marco Russ) holt. „Wir schauen, ob wir den Kader optimieren können“, sagte Hellmann. Vieles spricht dafür. Der Klassenerhalt ist ja noch nicht eingetütet.

Jetzt kommentieren

Ressort

Spielberichte und Interviews, News und Hintergründe zu Eintracht Frankfurt.

Alles zur Eintracht Frankfurt

Spielplan, Ergebnisse, Tabelle und mehr Statistik

Reden Sie mit! Im Blog-G.

Verfolgen Sie die Spiele im Bundesliga-Live-Ticker

Sehen Sie die FR-Videokolumnen.

FR-Videokolumne
Eintracht-Comics
In jeder Heimspiel-Beilage der FR: Im Herzen von Europa - Die Eintracht-Comics von Michael Apitz.
Anzeige
FR-App und E-Paper

Bei uns bekommen Sie das neue iPad Air von Apple im Paket mit der preisgekrönten FR-App - einschließlich aller FR-Ausgaben im Layout der Zeitung als E-Paper.

Fußball

Hier verpassen Sie nichts: Alle Vereine, Begegnungen, Spieler und Aufstellungen - mit großer Livestatistik über Ballbesitz, Torschüsse, Zweikämpfe, Ecken, Fouls - und Ihrer individuellen Livekonferenz. Im Web oder in der schlanken Mobil-Version fürs Handy.

1. Liga | 2. Liga | 3. Liga | Uefa Europa L. | Champ. L.


  • 2. Bundesliga »
Liveticker Bundesliga

Alle Spiele, alle Treffer, minutenaktuelle Tabelle und Torschützenliste - mit uns sind Sie live beim Geschehen in der Fußball-Bundesliga dabei.

Service

Auch unterwegs bestens informiert - holen Sie sich FR-Online.de aufs Handy. Neben News bekommen Sie unsere Sport-Liveticker, die Verkehrslage, das Kinoprogramm samt Trailer, TV-Tipps und das lokale Wetter. Ganz ohne App: mobil.fr-online.de.

Für Sportler in Not

Die Hilfsaktion der FR-Sportredaktion unterstützt arme, kranke und behinderte Sportler, die unverschuldet in Not geraten sind.

Ergebnisse, Tabelle & Spielplan
Ergebnisdienst

Von Basketball bis Volleyball: Ergebnisse und Statistiken zu Spielern und Vereinen - bis zur Kreisklasse.

Spezial

Nach dem Ironman ist vor dem Ironman - aber auch auf kürzeren Distanzen wird in Rhein-Main geschwommen, geradelt und gelaufen.

FR-Sportredaktion live