Benjamin Köhler, der kleine, flinke Mittelfeldspieler mit dem großen Gefühl im linken Fuß, war am Dienstag, beim ersten Training nach der Rückkehr aus dem fernen Abu Dhabi, nicht mit am Ball. Wo er war? Da hüllten sich die Frankfurter Verantwortlichen in tiefes Schweigen. „Nicht da“, sagte Trainer Armin Veh am Dienstagvormittag. Er klang nicht unfreundlich, er wollte nur nicht sagen, wo sich der 32-Jährige gerade aufhielt. Am späten Nachmittag meldete die Eintracht-Pressestelle dann, Köhler leide an „einem grippalen Infekt“.
Dabei pfeifen es die Spatzen doch schon längst vom Dach der WM-Arena im Stadtwald. Benjamin Köhler wird die Eintracht wohl verlassen, und zwar in Richtung des Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern. Im Großen und Ganzen sind sich beide Klubs einig, es hängt alles am Spieler. Sollte sich der gebürtige Berliner tatsächlich für die Pfälzer entscheiden, spielten zwei Frankfurter Aufstiegshelden beim FCK, Mohamadou Idrissou, der im vergangenen Jahr 14 Tore für die Hessen erzielte, und eben Köhler, der neun Tore schoss.
Keine Chance mehr
In Frankfurt bei der Eintracht hat Köhler keine Chance mehr. In Abu Dhabi war der Linksfuß im Testspiel gegen Borussia Mönchengladbach nicht einmal mehr eingewechselt worden. In der Hinrunde kam der im Mittelfeld vielseitig verwendbare Köhler ganze 32 Minuten zum Einsatz. Das hat ihn ganz schön gefuchst, doch an Takashi Inui, einem der vielen neuen Frankfurter Überflieger, kam Köhler einfach nicht vorbei. „Sagen Sie mir, wen ich für Benny draußen lassen soll? Inui, Rode, Meier oder Schwegler?“, antwortete Veh einst, als er auf die Unzufriedenheit von Köhler angesprochen wurde.
Eins mit Sternchen
Pirmin Schwegler (15 Spiele / 2 Tore / 3 Vorlagen): Der Idealfall von einem Kapitän. Fühlt sich für das große Ganze verantwortlich, sorgt und kümmert sich. Stratege und Denker, bestimmt Tempo und Rhythmus des Spiels, dirigiert, geht mit gutem Beispiel voran. Ist das Herz der Mannschaft. Erstaunlich guter Kopfballspieler für seine Größe, mit enormer Sprungkraft gewinnt er in der Defensive viele Luftduelle. Spielt seine bislang beste Saison. Seine Fehlerquote tendiert gegen Null. Jetzt schießt er auch noch Tore, wunderschöne sogar. Nur Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld lässt ihn links liegen. Das muss man nicht verstehen.
Köhler ist der große Verlierer der Frankfurter Erfolgswelle. Der 32-Jährige spielt seit 2004 bei der Eintracht, er gehört zu den dienstältesten Spielern und erzielte in 229 Spielen 32 Tore.
Auch bei Dorge Kouemaha stehen die Zeichen auf Trennung. Der Kameruner steht vor einem Wechsel zum MSV Duisburg. Der Zweitligist, derzeit im Trainingslager in Belek, ist auf der Suche nach einem Angreifer. Kouemaha, der nie seine Bundesligatauglichkeit nachweisen konnte, wäre für die „Zebras“ wohl auch finanziell erschwinglich. Zudem hat er 2008/2009 schon einmal −an der Seite von Sandro Wagner − beim MSV gespielt.
Spielraum für Verhandlungen
Sollten Köhler und Kouehama tatsächlich den Klub verlassen, würde das natürlich den Frankfurter Spielraum bei den Verhandlungen mit dem VfL Wolfsburg wegen Stürmer Srdjan Lakic vergrößern. Ohne Abgänge, das hat die Eintracht immer klargestellt, gibt es keine Zugänge. Sportdirektor Bruno Hübner muss also zunächst Spieler von der Gehaltsliste bekommen.
Den Neujahrsempfang der Deutschen Fußball-Liga gestern in der Frankfurter Innenstadt nutzte Hübner zu weiteren Gesprächen mit seinem Wolfsburger Kollegen Klaus Allofs. Der Stürmer wird Abstriche bei seinem fürstlichen Gehalt von − laut Spiegel − 2,6 Millionen Euro machen müssen. Bei dem Deal „darf es keine Verlierer geben“, sagte Hübner am Dienstag. Lakic wurde in Wolfsburg so zitiert: „Das liegt jetzt nicht mehr in meiner Hand.“ Trainer Veh jedenfalls möchte den Stürmer, logisch, möglichst bald zur Verfügung haben. „Das muss jetzt entschieden werden.“
Sicher ist allemal: Auf die Aufstellung für die Partie am Samstag beim Tabellenzweiten Bayer Leverkusen wird ein möglicher Wechsel keinen Einfluss haben, sagte der Fußball-Lehrer. Allenfalls ob Olivier Occean oder Karim Matmour die einzige Sturmspitze bilden, sei noch ungewiss. „Das ist die einzige offene Position.“ Marco Russ, Neuzugang aus Wolfsburg, wird also anfangen, selbst wenn der Innenverteidiger bislang noch nicht vollauf zu überzeugen wusste. Und womöglich kehrt der an der Bachmuskulatur operierte Bamba Anderson gar in den Kader zurück. In dieser Woche nimmt er bereits am Mannschaftstraining teil. „Bamba ist deutlich weiter, als wenn er seine Blessur konservativ behandelt hätte“, sagte Veh.
In diesen Tagen, so heißt es zudem, soll auch Verteidiger Martin Amedick, der seine Burn-out-Erkrankung überwunden hat, vorsichtig einen ersten Trainingsversuch starten.
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