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Eintracht Frankfurt: Mit gestutzten Flügeln

Weshalb der hessische Bundesligist schon früh in der Saison 2008/2009 überraschend vom Absturz bedroht ist. Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein leuchten das Innenleben der Eintracht aus.

Man kann hinfallen, sollte aber wieder aufstehen. Ioannis Amanatidis,  der Kapitän der schwächelnden  Frankfurter Eintracht.
Man kann hinfallen, sollte aber wieder aufstehen. Ioannis Amanatidis, der Kapitän der schwächelnden Frankfurter Eintracht.
Foto: dpa

Eintracht Frankfurt im Herbst 2008: Das ist ein hochgradig verunsicherter Klub, der in einem sehr frühen Stadium der Saison überraschend schon in eine sportliche Krise und auf Tabellenplatz 17 gerutscht ist. Und im Augenblick verzweifelt nach Wegen sucht, sich aus der Patsche zu befreien. Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Wo sind Fehler gemacht worden? Gibt es Lösungen?

Die Frankfurter Rundschau versucht, Antworten auf die brennenden Fragen zu geben und taucht zugleich tief in das Innenleben eines Klubs, der in der Liga eigentlich schon als etabliert galt.

Stinkt der Fisch vom Kopfe her?

Sicher nicht. Der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen, ein Mann mit klaren Prinzipien, gilt als Architekt der Frankfurter Konsolidierung. Seit seinem Amtsantritt im Dezember 2003 ging es fast nur nach oben. Dass die Eintracht wieder Reputation und Ansehen genießt, ist in erster Linie sein Verdienst. Unaufgeregt führt der 60-Jährige, der in der Branche einen hervorragenden Ruf genießt, den Klub. Er hat ihn wieder auf eine wirtschaftlich solide Basis gestellt. Er bremste auch stets die rasch steigende Erwartungshaltung, indem er auf das zementierte Ranking der Bundesliga verwies. Jetzt zeigt sich: Er hat Recht. Und die Eintracht anno 2008 wäre froh, sie hätte den verteufelten Mittelfeldplatz inne. Bruchhagen zur Seite steht Finanzvorstand Thomas Pröckl, seit November 2000 im Amt, der im Hintergrund Fäden zieht. Seit 2004 ist der Klub schuldenfrei. Aktuell beläuft sich der Umsatz auf 65 Millionen Euro, die Personalkosten liegen bei 26 Millionen Euro.

Wie ist die Eintracht im Vergleich zu anderen Bundesligisten aufgestellt?

Sehr seriös. Sie lebt nach dem Kaufmannsprinzip, nur so viel auszugeben, wie eingenommen wurde. Sie geht nicht ins Risiko, vermeidet Vabanquespiele, dadurch gerät sie vielleicht ein wenig ins Hintertreffen gegenüber weniger vorsichtigen Klubs. Im so genannten Bonitätsindex erhielt die Eintracht von Finanzexperten die Note 1,79 und damit einen dritten Platz in der Liga, nur Bayern München und Werder Bremen stehen besser da. Und doch bleibt die Eintracht, wenn es gut läuft, im Mittelmaß gefangen. Denn alle Einnahmequellen sind angezapft - da ist kaum mehr Steigerungspotenzial.

Schießt der Aufsichtsrat zu oft quer?

Nein, er grummelt nur. Im Moment sind die Räte schwer darum bemüht, die Reihen zu schließen. Aber Trainer Friedhelm Funkel hat in diesem Gremium weit weniger Freunde als beim Rosenmontagsumzug in Köln. Das weiß er auch. Bisweilen wünschen sich die Herren die gute alte Zeit zurück, als so wunderbare Luftschlösser errichtet wurden. Die Causa Caio könnte mal wieder zum Reibungspunkt werden. Aufsichtsratschef Herbert Becker will ihn spielen sehen. Man kann es verstehen: 3,8 Millionen Euro sind viel Geld. Er hat sie genehmigt.

Ist das Verhältnis zwischen AG und Verein immer noch belastet?

Offiziell herrscht eitel Sonnenschein. Fakt ist aber, dass sich der Verein eine Hausmacht erschaffen hat, die er nicht aufgeben wird. Der Verein ist der Hauptgesellschafter, die Mutter der ausgegliederten Fußball-AG. Knackpunkt: Nur die Bundesligaprofis gehören zur AG, die U 23 und der Jugend-Bereich, also auch die Bundesligateams der A1 und der B1, zum Verein. Da kommt es immer wieder zu Reibungsverlusten und Kompetenzgerangel. Erst in der jüngeren Vergangenheit ist die Kommunikation zwischen den sportlichen Leitern besser geworden. Zudem ist die räumliche Trennung ungeschickt: Die Profis sind draußen im Stadion, der Rest am anderen Ende der Stadt am Riederwald.

Entspricht der Unterbau Bundesligaansprüchen?

Nein. Die Eintracht hat in Sachen Leistungszentrum die Entwicklung schon vor Jahren verschlafen. Das von der DFL geforderte Internat entpuppte sich hier als bessere Jugendherberge. Die Strukturen am Riederwald sind ein wenig verfilzt. Die Verantwortlichen Klaus Lötzbeier, Armin Kraaz und Holger Müller sind seit vielen Jahren im Amt und haben eine Fülle an Macht auf sich vereint. Das muss nicht immer von Vorteil sein. Der marode Riederwald war überdies eine einzige Peinlichkeit, Ratten bevölkerten die Kabinen, die hygienischen Bedingungen spotteten jeder Beschreibung. Deshalb verlor die Eintracht erst den Anschluss, dann hoffnungsvolle Talente (etwa Marin, Volz, Pezzoni, Pokar) an die Konkurrenz. Gerade gegen die Rivalen aus Stuttgart oder Hoffenheim, aber selbst auch gegen regionale wie Kaiserslautern und Mainz, war die Eintracht mit diesen Rahmenbedingungen im Poker um begabte Nachwuchskräfte oft chancenlos. Erst jetzt, nach Jahren des Stillstands, rücken die Bagger an, um ein schmuckes Trainingszentrum zu errichten - zum größten Teil übrigens finanziert von der Tochter, der Fußball-AG. Erstaunlicherweise haben trotzdem viele Spieler den Sprung in die Profimannschaft geschafft (Jones, Streit, Russ, Toski und Ochs, mit Abstrichen auch Reinhard, Ljubicic, Chaftar).

Taugt die Scouting-Abteilung was?

Na ja. Entdeckt hat Chefscout Bernd Hölzenbein Aleksandar Vasoski und Aaron Galindo, die vorher keiner kannte und die einschlugen. Auch Habib Bellaid hat Anlagen, er muss aber noch reifen. Caio ist ein Fall für sich. In Brasilien, wo ihn "Holz" beobachtet hat, spielte er besser als hier. Dass Caio Defizite in Sachen Willensstärke und Durchsetzungsvermögen hat, konnte er nicht wissen. Die Eintracht tut sich auch deshalb schwer, weil sie an die Hochkaräter nicht herankommt, und bei der Kategorie darunter braucht man ein gutes Auge, Glück und Geschick. Aber das ist die Kunst des Scoutings: Spieler entdecken, die andere noch nicht gesichtet oder als nicht lohnend eingeschätzt haben. Das ist eine diffizile Angelegenheit. Das Scouting zu verteufeln, wäre nicht fair: So hat die Eintracht etwa das Potenzial von Jan Schlaudraff vor allen anderen erkannt - doch der damalige Aachener brach seine mündliche Zusage. Auch an Mladen Petric war die Eintracht vor allen anderen interessiert, konnte den Transfer aber finanziell nicht stemmen. Es gab in den letzten Jahren jedoch einige Fehleinschätzungen und -einkäufe (etwa Thurk, Huggel, Mahdavikia, Mantzios) - die gehen aber nicht alle auf das Konto von Hölzenbein. Thurk und Mahdavikia etwa wollte Trainer Funkel unbedingt. Beide sind die größten Flops.

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Datum:  12 | 10 | 2008
Seiten:  1 2
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Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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