Am Donnerstag hatte der Aufsichtsratsvorsitzende Herbert Becker richtig Stress. Tagsüber weilte der Pensionär geschäftlich in Bonn, am frühen Abend hatte er, sehr kurzfristig, eine Sitzung zu leiten gehabt. Einziger Tagesordnungspunkt: Der neue Trainer von Eintracht Frankfurt.
Um 19.47 Uhr tippte der Klub-Pressesprecher Carsten Knoop eine dürre Meldung für die Medien in den Computer, wonach Michael Skibbe künftig die Profis des hessischen Bundesligisten anleiten wird. Der 43-Jährige ehemalige Assistent von Teamchef Rudi Völler hatte zuletzt den türkischen Spitzenklub Galatasaray Istanbul trainiert und war nach nur acht Monaten im Februar dieses Jahres und einer 2:5-Niederlage gegen den Aufsteiger Kocaelispor entlassen worden.
Michael Skibbe, der im zarten Alter von 22 Jahren schon Trainer wurde, weil er seine aktive Karriere wegen einer schweren Knieverletzung beenden musste, gehörte von Anfang an zum engsten Kandidatenkreis. Am Ende setzte er sich gegen Uwe Rapolder (TuS Koblenz) durch. Rapolder, von dessen Qualitäten Klubchef Heribert Bruchhagen durchaus angetan war, wurde am frühen Abend abgesagt.
Bruchhagen "sehr froh"
Am späteren Abend saßen dann die Aufsichtsratsmitglieder und der Eintracht-Vorstand noch bis fast 22 Uhr im Frankfurter Airportclub mit dem neuen Trainer zusammen. Skibbe hatte sich den Frankfurter Verantwortlichen persönlich vorgestellt. Auch gestern Abend um kurz vor elf Uhr lehnte es Bruchhagen im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau ab, nähere Vertragsmodalitäten, etwa über die Laufzeit, preiszugeben. "Das machen wir am Freitag. Aber ich kann sagen, dass ich sehr froh über die Verpflichtung bin. Ich habe sehr viele Gespräche geführt, kein einziges ist öffentlich geworden, was für die Seriosität der Kandidaten spricht. Alle werden jetzt sagen, dass Skibbe unser Wunschkandidat ist."
Skibbe gilt in der Branche als ausgewiesener Fachmann und Freund der Spieler. Der aus Gelsenkirchen stammende Fußball-Lehrer bevorzugt einen Arbeitsstil der langen Leine. In Leverkusen, wo er zwischen 2005 und 2008 arbeitete, ließ er einen attraktiven, offensiven Fußball spielen. Genau das erwartet man auch in Frankfurt. Eines der Anforderungsprofile an den Nachfolger von Friedhelm Funkel, der zum Saisonende nach fünf erfolgreichen Jahren nicht ganz freiwillig das Handtuch warf, war nämlich, das unzufriedene Frankfurter Publikum zurück zu gewinnen.
Mit dem neuen Mann verbinden die sportlich Verantwortlichen in Frankfurt auch die Hoffnung auf einen Neuanfang. Es ist mit einiger Sicherheit davon auszugehen, dass Skibbe den langjährigen ehemaligen Jugendkoordinator von Borussia Dortmund, Eddy Boekamp, als Co-Trainer mit nach Frankfurt bringt. Boekamp, 50, war auch in Istanbul seine rechte Hand.
Größter Erfolg: Vize-Weltmeister
Allerdings galt Skibbe während seiner Zeit als Bundestrainer unter Teamchef Rudi Völler auch als der "Fehlerflüsterer". So hatte ihn zum Schluss die Bild-Zeitung getauft, als die deutsche Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft 2004 einen höchst unansehnlichen Fußball mit höchstens einer Spitze spielte und in der Vorrunde sang- und klanglos ausschied. Zwei Jahre zuvor freilich waren er und Völler mit der DFB-Auswahl bei der WM in Japan und Südkorea völlig überraschend Vize-Weltmeister geworden. Das war der bislang größte Erfolg für Michael Skibbe.
Der einstige Mittelfeldspieler, der von 1994 bis 2000 bei Borussia Dortmund erst die A-Jugend, dann die Amateure und schließlich die Profis trainierte, gilt als umgänglicher, verträglicher Typ. Dass er durchaus ein lebenslustiger Mensch sein kann, ist an seinem meist ernst wirkendem Gesichtsausdruck nicht immer abzulesen.
Skibbe, der nach seinen Bundestrainer-Engagement zunächst beim DFB blieb und als Jugendkoordinator und Trainer der U18-Nationalmannschaft arbeitete, gilt als einer, der gut mit jungen Spielern umgehen kann. In der Phase zwischen 18 und 20 Jahren "fallen viele Talente in ein Loch. Daran müssen wir arbeiten", sagte er einst in einem FR-Interview. Skibbe ist einer, der eher längere Arbeitszeiten auf dem Trainingsplatz bevorzugt. Allerdings endete sein Zeit bei Borussia Dortmund ähnlich wie jene von Funkel in Frankfurt: Wochenlang hatten die BVB-Fans "Skibbe raus" gefordert, ehe der Fußball-Lehrer dann tatsächlich gefeuert wurde. "Beim dritten Mal hört man das schon gar nicht mehr", hatte Skibbe seinerzeit im Interview gesagt.
Am heutigen Freitag wird der neue Trainer von Eintracht Frankfurt in einem Hotel der Öffentlichkeit vorgestellt. Am Donnerstagabend war Skibbe zu einer Stellungsnahme nicht zu erreichen gewesen. Die Eintracht sah sich auch nicht imstande mitzuteilen, für wie viele Jahre der Kontrakt geschlossen wurde. Sicher ist nur, dass Michael Skibbe seine Arbeit auf dem Trainingsplatz am Montag, 29. Juni, 15.30 Uhr, aufnehmen wird. Zwei Tage später reist die Eintracht wie geplant in ein einwöchiges Trainingslager im Zillertal.
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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