Marc-Oliver Kempf, 17 Jahre alter Nachwuchsfußballer der Frankfurter Eintracht, ist zurück auf der Schulbank. Die Tage, da er freigestellt war von der Penne, sind vorüber, der kurze Ausflug in die schillernde Welt des Profizirkus’, hinein in die Bundesliga-Arenen, ist beendet. Erst einmal. Der Alltag hat den Abiturienten wieder. „Er wird am Samstag nicht spielen“, sagt Trainer Armin Veh. Kempf soll sich wieder auf den Unterricht in der Schule konzentrieren. Das ist eine vernünftige Entscheidung.
Die Mitgliederversammlung der Frankfurter Eintracht endete in der Nacht zum Dienstag mit einem kleinen Eklat. Die geplante Satzungsänderung (in der unter anderem der Verzicht auf Gewalt, Diskriminierung und Pyrotechnik verankert werden sollte) wurde weit nach Mitternacht vom Präsidium um Peter Fischer wieder zurückgezogen. Vorangegangen war ein hitziger Streit um die Aufnahme einer Präambel in die Vereinssatzung.
Die frühere Frankfurter Sportdezernentin Sylvia Schenk hatte Änderungswünsche am vorgelegten Text, den das Präsidium ausgearbeitet hatte. In der folgenden Abstimmung konnte keiner der beiden Vorschläge die erforderte Zweidrittelmehrheit holen. Es folgten Wortgefechte, Präsident Fischer tobte. „Von einer Präambel lasse ich mir keinen Abend mehr vermiesen“, rief er. Im März soll nun eine Außerordentliche Versammlung stattfinden. Kostenpunkt: 25.000 Euro. Dann soll auch der Pyro-Verzicht verabschiedet werden. Davor dürfte es hitzige Debatten geben.
Der Innenverteidiger, dem eine vielversprechende Zukunft als Profi prophezeit wird, hat in seinen ersten beiden Bundesligaspielen eine ganze Menge Lehrgeld bezahlen müssen. Er konnte der Mannschaft nicht die erhoffte Hilfe sein, an vier der sieben Gegentreffer war er beteiligt. Das muss man ihm nachsehen, der junge Bursche ist 17, steht normalerweise in der U19 der Eintracht seinen Mann, hat in der vergangenen Saison noch in der B-Jugend verteidigt. Kempf hatte ohnehin das Pech, gerade jetzt reinzukommen, da es bei der Mannschaft nicht mehr so rund läuft und auch die Abwehr mächtig wackelt. Veh will das Talent nun schützen. „Stell’ dir vor, er macht noch so ein Ding“, sagt der Coach. „Das wäre nicht gut für ihn.“ Für die Eintracht auch nicht. Ein weiterer Einsatz sei „zu viel“ für den Abwehrspieler. Zumal Kempf seinen nicht geglückten Einstand erst einmal verarbeiten muss. Der Defensivmann soll nicht frühzeitig verheizt werden.
Wer aber wird nun an der Seite des wieder spielberechtigten Carlos Zambrano verteidigen? „Demidov oder Butscher“, antwortet Veh. Besonders viel spricht zurzeit freilich nicht für den Norweger Vadim Demidov. Der 26-Jährige hat bisher ernüchternde Leistungen gezeigt, Veh hat das registriert. Am Dienstag, dem ersten Trainingstag der Woche, stand der aus San Sebastian gekommene Abwehrspieler in der B-Mannschaft, Heiko Butscher trug das Leibchen der Stammelf. Es würde nicht verwundern, wenn das auch am Samstag (18.30 Uhr)) im Heimspiel gegen Bremen so wäre.
Für Butscher wäre das allerdings auch ein ziemlich unverhofftes Comeback. Er galt schon als aussortiert, schaffte es meistens gar nicht mehr in den Kader. Der frühere Freiburger hat sich aber nie hängenlassen. Im Gegenteil, der 32-Jährige ist sehr wichtig fürs Binnenklima, hat seine neue Rolle voll angenommen. Butschers Vorteil ist überdies, dass er einen sehr guten linken Fuß hat und daher auf der linken Innenverteidigerposition spielen kann. Zambrano fühlt sich nämlich rechts deutlicher wohler.
Das ist auch der Grund, weshalb Veh nicht überlegt, Rechtsverteidiger Sebastian Jung in die Mitte zu ziehen. Dann müsste entweder Zambrano oder Jung links in der Zentrale spielen − das können beide nicht gut. „Das wäre zu viel durcheinander, das macht keinen Sinn“, betont Veh. Auf alle Fälle soll noch ein weiterer Innenverteidiger im Winter kommen. Einen Zugang aus dem Ausland schließt der Trainer aus. „Es macht nur Sinn, wenn er die Liga kennt.“ Der frühere Frankfurter Marco Russ, in Wolfsburg auf der Tribüne, wird weiter gehandelt.
Und Veh muss sich überlegen, wie er die vakante Position im Sturm besetzen will, nachdem Karim Matmour mal wieder gesperrt ist. Fast alles spricht dafür, dass Olivier Occean eine erneute Bewährungschance erhalten wird. Erwin Hoffer bietet im Training zu wenig an, Rob Friend wird definitiv nicht mehr in den Kader der Profis aufgenommen, Dorge Kouemaha ist noch nicht so weit. Also Occean. Der Kanadier, in Düsseldorf nicht im Kader, stand folglich im Training in der A-Elf.
Veh hat sich mit Occean unterhalten und ihm klargemacht, dass er einen Stürmer nicht an Toren messe. „Er denkt, er muss zehn oder 15 Tore machen. Er setzt sich selbst unter Druck. Ich habe ihm gesagt, er soll erst mal laufen und arbeiten. Das ist mir wichtiger.“
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