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Eintracht Frankfurt: Noch nicht auf Betriebstemperatur

Der Verein hinkt weit hinter den eigenen Ansprüchen her - das Spiel wirkt schwerfällig und ohne Esprit - Trainer Funkel: "Habe großes Vertrauen"

Kommt, wie Eintracht Frankfurt, einfach nicht in Schwung. Der Brasilianer Chris (hier mit dem Kölner Rodar Antar beim Duell).
Kommt, wie Eintracht Frankfurt, einfach nicht in Schwung. Der Brasilianer Chris (hier mit dem Kölner Rodar Antar beim Duell).
Foto: getty

Am Sonntag hat Friedhelm Funkel eines noch einmal klar gestellt: "Wenn wir hier verloren hätten, dann hätten wir halt verloren." Er könne das ganze Gerede von Druck nicht mehr hören, er könne die ganze künstliche Aufgeregtheit nicht verstehen: "Ich kann da nur den Kopf schütteln". Druck kenne er nicht, "ich habe niemals Druck", sagte der Frankfurter Trainer. Doch das 1:1 beim Aufsteiger 1. FC Köln kam den Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt sicherlich auch im Blick auf die nächsten Woche beim VfL Wolfsburg nicht ganz ungelegen. "Der eine Punkt in Köln und das Los gegen Hansa Rostock ist für uns ein Befreiungsschlag", freute sich etwa Aufsichtsratschef Herbert Becker. Oder andersrum: "Wenn wir wieder verloren hätten", sagt Verteidiger Marco Russ, "wäre der Saisonstart im Eimer."

Doch natürlich hat die Art und Weise, wie die Hessen in diese Bundesligasaison gestartet sind, für gehörige Ernüchterung gesorgt. Das ist es nicht, was man sich für diese Runde vorgestellt hat. Die Eintracht ist noch nicht auf Betriebstemperatur, die bittere Erkenntnis lautet sogar: Sie kann es momentan einfach nicht besser, mit dem derzeitigen Personal ist ganz offensichtlich nicht mehr zu erwarten.

Konnte man das 0:2 vom Eröffnungsspiel gegen Hertha noch als Ausrutscher abtun, so muss die spielerische Armut von Köln in den ersten 60 Minuten doch zu denken geben. Von einem konstruktiven Spielaufbau war nichts zu sehen, spielerisch ging gar nichts zusammen, dabei wollte die Eintracht doch darauf in dieser Runde besonderen Wert legen. Doch die Elf wirkt bislang durchweg schwerfällig. "Wir waren wieder nicht so im Spiel, wie wir uns das gedacht hatte", sagte Klubchef Heribert Bruchhagen. "Für unsere Ansprüche ist das weit unter dem, was wir können", assistierte ihm Kapitän Ioannis Amanatidis. Aber warum das so ist, kann keiner so recht erklären. "Wir müssen uns - wie die Bayern - durchwursteln", sagt Funkel. Er verweist auf die fehlende Spritzigkeit seiner EM-Spieler Amanatidis, Martin Fenin und Christoph Spycher.

Das mag sein. Fakt ist aber auch: Das Mittelfeld produziert zu wenig Ideen. Das ganze Spiel der Eintracht war, wie auch schon gegen Berlin, viel zu statisch angelegt, es fehlte lange Zeit jedweder Elan, jeder Schwung. Die Mannschaft wirkt nicht nur gedanklich langsam, ihr fehlt auch schlichtweg das Tempo, um durchschlagskräftige Angriffe initiieren zu können. Zudem fehlen Spieler, die auch mal wagemutig ins Dribbling gehen und ihre Gegenspieler düpieren können.

1. FC Köln - Eintracht Frankfurt (1:1)

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Natürlich tut daher ein Ausfall wie jener von Ümit Korkmaz weh, der gerade in den Eins-gegen-Eins-Situationen ein belebendes Element sein kann, oder jener von Alexander Meier oder Benjamin Köhler, die eine gewisse Ballsicherheit ins Spiel bringen. Wenn dann Faton Toski, zuständig für den kreativen Part, wieder in alte Pomadigkeit zurückfällt, Markus Steinhöfer allergrößte Mühe hat, Bundesliganiveau zu erreichen, Martin Fenin bemüht, aber noch nicht in bester Verfassung ist und Amanatidis in der Luft hängt, wird es eng. Dann bleiben nur noch Michael Fink und Chris.

Und hier liegt der Knackpunkt: Während Fink halbwegs das bringt, was man erwarten durfte, enttäuscht der Brasilianer, auf den Funkel so große Stücke gesetzt wurden, auf der ganzen Linie. Dabei hatten sie bei Eintracht Frankfurt viel Geld in die Hand genommen, um Chris in Frankfurt zu halten, Felix Magath wollte ihn vor der Runde unbedingt zum VfL Wolfsburg lotsen. Um Chris, den besten Fußballer, wollten sie eine schlagkräftige Mannschaft aufbauen. Nun kommt der wichtigste Mann der Hessen nicht ins Laufen. Und keiner weiß, warum.

Also tut sich in der Frankfurter Schaltzentrale derzeit ein Vakuum auf, das zu besetzen sich derzeit keiner aufdrängt. Vielleicht am ehesten noch der Brasilianer Caio, der in seinem 30-minütigem Auftritt zumindest zarte Hoffnungen weckte. Diese Leistung muss er freilich noch bestätigen, auch über einen längeren Zeitraum.

Was zudem Hoffnung machen könnte: In der letzten halben Stunde präsentierte sich die Mannschaft couragierter. Da deuteten sie zumindest an, was möglich ist, wenn besser Fußball gespielt wird. "Wir waren gezwungen, mehr Risiko zu gehen", sagte Funkel. Das Risiko wurde belohnt. Doch gegen Wolfsburg, so viel dürfte feststehen, reichen 30 Minuten ordentlicher Fußball nicht aus. Funkel rechnet auch mit mehr: "Ich habe sehr, sehr großes Vertrauen in diese Mannschaft."

Autor:  THOMAS KILCHENSTEIN
Datum:  26 | 8 | 2008
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2. Bundesliga
Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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