Es waren zehn, vielleicht sogar nur fünf Zentimeter, die Eintracht Frankfurt zum Sieg fehlten. Da prallte in der allerletzten Minute eines packenden, spannenden Spiels der Kopfball von Alexander Meier an die Unterkante der Latte - und über den lauernden Ioannis Amanatidis hinweg ins Feld zurück.
Es wäre das 2:1 gewesen, und ganz sicher der Sieg, denn ein paar Sekunden später pfiff der Schiedsrichter die Partie ab. Nichts war es mit dem zweiten Sieg in der noch jungen Bundesligasaison, er wäre verdient gewesen, weil sich der Eintracht am Ende die besseren Möglichkeiten geboten hatten. "Eigentlich haben wir heute alles richtig gemacht", meinte später der starke Mittelfeldstürmer Meier. Eigentlich. Aber es hat dann doch nicht gereicht. "Vielleicht", fasste dann Klubchef Heribert Bruchhagen die 90 Minuten zusammen, "hätten wir heute gewinnen müssen." Vielleicht.
Als das Spiel dann nicht mehr zu gewinnen war, stand Michael Skibbe mit dem Rücken zur Wand. Die Journalistenschar hatte ihn eingekreist und ein Hauch von Enttäuschung machte sich beim Frankfurter Trainer breit. "Mit der Leistung meiner Mannschaft bin ich zufrieden", sagte er dann, mit dem Ergebnis indes nicht.
Da war an diesem letzten Augustwochenende mehr drin gewesen für die Gastgeber, auch weil Borussia Dortmund schwächer als erwartet aufgetreten war und Eintracht Frankfurt besser. Die Frankfurter hatten ein Plus an Torchancen und durften zu Recht zwei Schiedsrichter-Entscheidungen monieren, die zu ihren Ungunsten ausgelegt wurden.
"Da hatten wir heute wenig Glück", urteilte Skibbe. Nach 33 Minuten lag der Ball zum ersten Mal im Dortmunder Tor, doch Schiedsrichter Florian Meyer entschied nach dem entsprechenden Wink des Assistenten auf Abseits - und lag damit falsch. Beim Pass von Caio auf Amanatidis stand der Grieche eben nicht im Abseits, er lupfte die Kugel wunderschön über Dortmunds Torhüter Roman Weidenfeller ins Eck. Eine glatte Fehlentscheidung.
Eine "hauchdünne Situation"
Meyer verteidigte seinen Pfiff nach dem Studium der TV-Bilder. Es sei eine "hauchdünne Situation" gewesen, und er habe keine Bilder gesehen, die glasklar belegten, dass es kein Abseits gewesen sei. Diskussionen gab es in der zweiten Halbzeit erneut, als Chris von Landsmann Felipe Santana im Strafraum zu Fall gebracht wurde. "Ein klarer Elfmeter, wir hatten von der Bank klare Sicht", zürnte Skibbe. Einen "Körperkontakt" wollte Meyer gesehen haben, es sei aber kein strafstoßwürdiges Foul gewesen, sagte er.
So wurde es nicht das Spiel des Ioannis Amanantidis, obwohl sich doch der Grieche unter Beobachtung seines Nationaltrainers Otto Rehhagel zum besten Mann aufschwang: An allen gefährlichen Aktionen war er beteiligt, er war ständig präsent, scheiterte einmal an Torwart Weidenfeller (10.), schoss einmal ans Außennetz (78.) und war selbst beim 0:1 (62.) durch Mohamed Zidan beteiligt. Er verlor an der Mittellinie im Zweikampf mit Santana den Ball, setzte dann lange und lobenswert nach, nur um im eigenen Strafraum zweimal angeschossen zu werden, bis die Kugel vor Zidan lag. Acht Minuten später glich Amanatidis mit links und aus 20 Metern aus, ein "tolles Tor", lobte oben Otto Rehhagel.
Dass es auch mit der Eintracht langsam nach oben zu gehen scheint, liegt, unter anderem, auch an einem besser werdenden Amanatidis, der seine körperlichen Defizite nach seinem Knorpelschaden aufgeholt hat. "So ein Spieler hat uns letztes Jahr gefehlt", sagte Bruchhagen. In der letzten Saison war Amanatidis - wie viele andere Leistungsträger auch - verletzungshalber monatelang ausgefallen; diese Rückkehrer tun der Eintracht momentan gut. Denn Skibbe kann also aus einem viel größeren personellen Fundus schöpfen, er hat inzwischen genug Fußballer im Team, die die Qualität heben.
Inzwischen kann die Eintracht auch schwierigere Phasen spielerisch lösen. Auch ein Verdienst von Pirmin Schwegler. Der Schweizer belebt das Frankfurter Spiel ungemein, er ist technisch stark, hat ein Auge für die Situation und spielt für sein Alter - er ist 22 Jahre - ausgesprochen abgeklärt. Er gibt dem Frankfurter Spiel Konturen. "Er hat gespielt wie eine Eins", sagte Skibbe. Vorstandsvorsitzender Bruchhagen drückte dasselbe komplizierter aus: "Schwegler tut der Systematik unseres Spiels gut. Von ihm gingen alle klaren Aktionen aus." Schwegler, der zuletzt wegen einer Innenbanddehnung fehlte, war um Längen der beste Mittelfeldspieler. Er spielt auf einem anderen, einem höheren Niveau als die Kollegen.
Vor allem Selim Teber und Caio aus der Kreativabteilung enttäuschten auf der ganzen Linie. Von beiden kamen so gut wie keine Impulse, beide verloren oft den Ball, beide mussten sich ein paar Takte von Skibbe anhören: "Bei beiden muss mehr Feuer rein." Schon in der vergangenen Woche war Skibbe mit den Trainingsleistungen der beiden Spieler nicht zufrieden gewesen. Und so wie Zlatan Bajramovic spielte, nachdem er für Teber eingewechselt wurde, ist der Bosnier eine ernsthafte Alternative. Konkurrenzlos, auch das ist das Gute, ist keiner mehr im Eintracht-Kader.
Dennoch schafft es die Eintracht noch nicht, gehobenes Niveau konstant über 90 Minuten zu halten. Es gibt stärkere und weniger starke Phasen. "Sechs Punkte aus vier Spielen ist ein ordentlicher Start, aber kein prickelnder", sagte Skibbe. Ihm sind noch zu viele Unentschieden in der kleinen Serie. "Wichtig ist zu zeigen, dass wir konkurrenzfähig sind." Das ist die Mannschaft allemal.
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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