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Eintracht Frankfurt
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11. August 2013

Eintracht Frankfurt: Peinliche Packung in Berlin

 Von 
Fassungslos: Carlos Zambrano (li.) und Sebastian Rode nach Spielende.  Foto: Heiko Rhode

Eintracht Frankfurt bringt sich mit dem 1:6 in Berlin für die nächsten Wochen bereits unter Zugzwang. Besorgniserregend ist die Defensivarbeit. In dieser Verfassung hat die Verteidigung ihren Namen nicht verdient.

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Eintracht Frankfurt bringt sich mit dem 1:6 in Berlin für die nächsten Wochen bereits unter Zugzwang. Besorgniserregend ist die Defensivarbeit. In dieser Verfassung hat die Verteidigung ihren Namen nicht verdient.

Um kurz nach fünf hatte Heribert Bruchhagen genug gesehen. Zehn Minuten vor Beendigung der kostenlosen Vorführung in der Hauptstadt erhob sich der Frankfurter Vorstandschef von seinem Sitz und tippelte die Treppen zum Kabinentrakt im Berliner Olympiastadion hinunter. 5:1 stand es da für den entfesselten Aufsteiger gegen einen in sich zusammengefallenen Europapokalteilnehmer. Sehr hoch, das wusste Bruchhagen, würde die Eintracht dieses seltsame Spiel nicht mehr gewinnen. Ein paar Minuten später saß er schon im Taxi, das ihn zum Hauptbahnhof brachte. Pünktlich um 18. 01 Uhr saß Bruchhagen im ICE nach Frankfurt. Mit extrem bescheidener Laune.

Schlag ins Kontor

Eins zu sechs bei Hertha BSC, dem Klassenneuling von der Spree, gleich am ersten Spieltag, ein Debakel erster Güte. „Schlimmer geht’s nicht mehr“, konstatierte ein angeschlagener Trainer Armin Veh. Diese peinliche Packung ist für die Eintracht ein Schlag ins Kontor, gerade wenn man bedenkt, welch knüppelhartes Programm in den kommenden Wochen auf sie wartet. Insgeheim hatten die Frankfurter darauf spekuliert, sich in Berlin ein Polster anzufuttern, Bonuspunkte zu sammeln. Das hat nicht ganz so gut geklappt.

Die Spieler schlichen wie geprügelte Hunde vom Platz, das, was sich da zuvor abgespielt hatte, war nicht einkalkuliert, es war nicht zu erwarten, selbst in den schlimmsten Szenarien nicht. Und der ernüchternde Auftritt mit dem Sixpack auf der falschen Seite schockte zuvorderst die Protagonisten selbst. „Das war ein herber Schlag. Wir sind tief getroffen, aber nicht k.o.“, presste Kapitän Pirmin Schwegler hervor. „Am ersten Spieltag steigt man nicht ab.“ Das ist zweifelsohne richtig. Und vielleicht ist es die einzige positive Erkenntnis an diesem „rabenschwarzen Tag“ (Sportdirektor Bruno Hübner) in Berlin.

Die Frage, die sich ein jeder im Frankfurter Zirkel stellte: Warum? Wie hat es zu diesem Keulenschlag zum Auftakt kommen können? Die Spieler tappten bei ihrer Fehleranalyse im Dunkeln. „Es ist unerklärlich für mich“, sagte Sebastian Rode. Die Berliner, analysierte der Mittelfeldmann schließlich, seien aggressiver und williger gewesen. „Sie haben gekratzt und gebissen und mehr Laufbereitschaft gezeigt. Das ist das, was uns letzte Saison stark gemacht hat. Wir müssen dahin zurückkommen.“

Zu verschwurbelt

Eine Einschätzung, die zutreffend ist, die aber auch tief blicken lässt. Hat die Eintracht womöglich den Ernst der Lage nicht erkannt, sind die Spieler gedanklich noch im Überflieger-Modus der vergangenen Spielzeit, glauben sie, es geht mit links, gerade als Europapokalstarter bei einem Aufsteiger?

Pirmin Schwegler, der blasse Spiellenker, möchte das nicht ausschließen: „Wer jetzt nicht weiß, woran wir sind, dem kann ich auch nicht mehr helfen.“


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Trainer Veh will diese Niederlage erst einmal sacken lassen und sie eingehend am Bildschirm analysieren. „Das war ein komisches Spiel, es sind viele Dinge passiert, die normalerweise nicht passieren“, sagte der Fußballlehrer, dem schon am Morgen des Spieltags nichts Gutes schwante. „Ich hatte kein gutes Gefühl.“
Er habe seine Mannschaft in viele Situationen gar nicht mehr wiedererkannt. „Da waren viel zu viele Fehlpässe im Spiel. Wir haben keine klaren Bälle gespielt, sind unseren eigenen Bällen nachgerannt. Das mag ich gar nicht.“ Das Spiel der Frankfurter ist zurzeit in der Tat zu verschwurbelt, nicht schnörkellos und zielstrebig genug, da wird mal hier der Ball mit dem Außenrist gestreichelt, dort noch mal ein Haken geschlagen. Genauso fiel auch das 0:1, als Johannes Flum einen Ball lässig in die Tiefe durchstecken wollte.

Dilettantische Defensivarbeit

Besorgniserregend war jedoch weniger das umständliche Angriffsspiel, die Defensivarbeit war schlicht dilettantisch. Im Mittelfeld wurden die Frankfurter der flinkeren Berliner nie habhaft. Die Abstände waren viel zu groß, die Staffelung nicht gegeben. Und in der Abwehr stürzten der orientierungslose Carlos Zambrano und der behäbige Marco Russ von einem Malheur zum nächsten. In dieser Verfassung hat die Verteidigung ihren Namen nicht verdient. Vielleicht sollten die Verantwortlichen ernsthaft überlegen, noch einen Innenverteidiger zu verpflichten. Zumal Bamba Andersons Knie noch immer Probleme bereitet, der Brasilianer stand erneut nicht im Kader.

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So nahm das Unheil zwangsläufig seinen Lauf, die Berliner gingen durch Adrian Ramos (17.) und John Anthony Brooks (32.) in Führung, auch Alexander Meiers Anschlusstreffer durch einen Strafstoß (Ramos an Jan Rosenthal/37.) brachte die Hessen nicht mehr dauerhaft zurück ins Spiel. Im zweiten Abschnitt und nach einer verpufften Systemumstellung aufs früher mal bewährte 4-2-3-1 (siehe weiteren Artikel) fielen die Frankfurter förmlich auseinander; Sami Allagui (58. /60.) Ramos (71.) und Ronny (89.) machten das halbe Dutzend voll. Damit war die Eintracht noch gut bedient, dreimal rettete das Aluminium für Kevin Trapp.

Veh behält kühlen Kopf

Für die Eintracht wird es nun ungemütlich, schon nach einem Spieltag. Finanzvorstand Axel Hellmann stellte mahnend fest: „Das ist ein ausgesprochen unerfreulicher Auftakt – gerade im Hinblick auf unser schweres Programm im August. Aber wenn es ein rechtzeitiges Signal ist, dass die Bundesliga wieder losgeht und man in punkto Einstellung und Kampf präsent sein muss, dann soll mir dieses Zeichen recht sein.“

Veh behielt einen kühlen Kopf. „Für mich geht die Welt nicht unter“, sagte er. „Das Allerblödeste wäre, jetzt Stoff zu geben.“ Er werde Ruhe bewahren, die deftige Niederlage sauber analysieren. „Bei mir gibt es keinen Aktionismus.“

Und kein Straftraining. Der Montag ist und bleibt trainingsfrei. Doch natürlich erwartet er von seiner Mannschaft ausgerechnet im nächsten Spiel gegen den Triple-Gewinner FC Bayern eine erhebliche Leistungssteigerung, eine Reaktion. „Denn wenn wir so spielen wie am Samstag, kriegen wir zehn Stück.“

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