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Eintracht Frankfurt: Plötzlich ein Abstiegskandidat

Schöner, schneller und direkter wollte die Eintracht in der neuen Saison spielen. Doch nach nur fünf Spieltagen zeigt sich: Sie können es nicht. Der Tabellenvorletzte wird alle Kraft darauf verwenden müssen, den Anschluss ans Mittelfeld nicht zu verlieren.

Angespannt: Friedhelm Funkel.
Angespannt: Friedhelm Funkel.
Foto: ddp

Tröpolach ist ein kleines Örtchen im Dreiländereck Österreich, Slowenien und Italien. Dort, in Kärnten, übte Eintracht Frankfurt vor der Saison den Ernstfall, und dort wurde auch erstmals kommuniziert, wie sich die sportlich Verantwortlichen die neue Saison vorstellen. Es gab, anders als im Jahr zuvor, keine konkrete Zielvorgabe, nur dies: Die Eintracht wollte schöner und schneller und direkter spielen. Fortan verbrachten die Spieler viele Stunden draußen auf dem Trainingsplatz und übten fast bis zum Erbrechen Passfolgen, das schnelle Umschalten von Abwehr auf Angriff, Flügelwechsel. Attraktiverer Fußball war das Ziel. "Ob wir es umsetzen können, wird sich zeigen", sagte Trainer Friedhelm Funkel. Das war Ende Juli dieses Jahres.

Erschütternde Harmlosigkeit

Erspielte Torchancen
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1.Bayer Leverkusen 53 2.Werder Bremen 49 1899 Hoffenheim 49 4.VfL Wolfsburg 41 5.FC Bayern München 39 6. Borussia Dortmund 36 7. VfL Bochum 35 FC Schalke 04 35 9.VfB Stuttgart 34 10.Hamburger SV 30 11.Arminia Bielefeld 29 12.Bor. Mönchengladbach 28 13.Hannover 96 27 14.Hertha BSC 26 15.Karlsruher SC 25 16.1. FC Köln 18 17.Energie Cottbus 15 18.Eintracht Frankfurt 13 Quelle: Kicker

Die Argumentation des Friedhelm Funkel Der Trainer von Eintracht Frankfurt scheut sich nicht, die Gründe für die Formkrise zu nennen. Friedhelm Funkel zeigt dabei eine Art Teufelskreis auf, in dem sich der Bundesligist bewegt. "Leistungsträger fehlen... Spieler kommen langsamer in Fahrt… es klaffen Leistungslücken zwischen Training und Spiel…im Spiel kommt kein Spielfluss auf…es fehlt das Selbstvertrauen." Und am Ende fehlen Siege.

Der 54-Jährige beteuert mehrfach, dass er seit seiner Einstellung im Juli 2004 das Vertrauen von der Vereinsführung spüre. "Das geht natürlich nur, wenn keine Hektik bei den Personen im Vorstand aufkommt." Und er schiebt nach: "Aber wir stehen dennoch in der Pflicht, mit einem Sieg das Vertrauen zurückzuzahlen."

Ob der benötigte Befreiungsschlag ausgerechnet beim Emporkömmling 1899 Hoffenheim gelingt, der im Mannheimer Exil kaum Chancen und erst ein Gegentor zugelassen hat? Funkels Antwort: "Es heißt doch nicht, dass wir dort keine Chance haben. Es ist für uns überall etwas zu holen. Wir werden uns da nicht ergeben. Wir brauchen ein Erfolgserlebnis."

Nun, fünf Spieltage ist diese Spielzeit für die Hessen erst alt, da zeigt sich: Sie können es nicht. Die Partie gegen Arminia Bielefeld (1:1) hat es endgültig allen grausam vor Augen geführt: Diese Mannschaft, als einzige sieglos in der Liga, Vorletzter, wird alle Kraft darauf verwenden müssen, den Anschluss ans Mittelfeld nicht zu verlieren. Auch deshalb quittierte das zahlende Publikum die Vorstellung erst mit Unmut, dann lange Zeit mit Schweigen.

Zur Zeit präsentiert sich die Eintracht wie ein Absteiger, und Besserung dürfte erst in Sicht sein, wenn alle verletzten oder gesperrten Leistungs- oder Hoffnungsträger (Ioannis Amanatidis, Chris oder Ümit Korkmaz) wieder dabei sind und andere etablierte Kräfte (Christoph Spycher, Martin Fenin, Michael Fink) ihre Form wieder finden. Das passiert nicht von heute auf morgen, gerade das Offensivspiel ist von erschütternder Harmlosigkeit. Kreativität und Spielwitz sucht man vergebens, das Team hat kein Konzept, wie es überhaupt seine Angriffe inszenieren will. Alles ist voraussehbar, durchsichtig. Aber wer soll es denn auch richten?

Frankfurt - Bielefeld (1:1)

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Fink, der völlig von der Rolle ist? Faton Toski, der sein Phlegma nicht überwinden kann? Benjamin Köhler, der nach Verletzungspause noch keinen Rhythmus hat? Junichi Inamoto, der allenfalls Mitläufer ist? Alexander Meier, der sich häufiger in Muckibuden und Reha-Zentren aufhält als auf dem Trainingsplatz? Caio, der alle Anlagen hat, aber im Spiel auch zu wenig bringt? Und der Sturm um Fenin und Nikos Liberopoulos verströmt die Gefährlichkeit von Koala-Bären auf dem Eukalyptusbaum.

Im Grunde geht es schon jetzt erst einmal um die schiere Schadensbegrenzung: nur nicht den Abstand zum Nichtabstiegsplatz zu groß werden lassen. Und es geht darum, sich schlichtweg durchzumogeln, bis Amanatidis, der heute ins Training einsteigt, wieder vollständig fit oder Korkmaz endlich einsatzbereit ist.

Insofern hilft eine Diskussion um einen Trainerwechsel nicht wirklich weiter. Denn es ist ja keine Frage der Ansprache, der falschen Taktik oder einer etwaigen Entfremdung zur Mannschaft. Funkel macht nichts anders als in den Jahren zuvor. Da wurde der 54-Jährige gemeinsam mit Heribert Bruchhagen als Architekt der neuen Eintracht gefeiert. Andererseits: Funkel und auch Bruchhagen haben diesen Kader zusammengestellt. Dem Trainer obliegt die Verantwortung für die Auftritte in spielerischer Armut. Die Spieler in die Spur zu bringen, ist seine ureigene Aufgabe.

Gestern hatten seine Vertrauten frei - sie sollten einmal auf andere Gedanken kommen, erklärte der Cheftrainer. Schiefgegangen ist bei der Eintracht trotzdem auch am Montag wieder etwas: An Bruchhagens Limousine in der Tiefgarage am Main brannte früh morgens noch Licht - ein ADAC-Abschleppwagen und Scout Bernd Hölzenbein eilten zur Hilfe, damit der Chef überhaupt auf die Geschäftsstelle in der Arena kommen konnte.

Heute Testkick beim FC Kalbach

Heute bittet Funkel dort ab 10 Uhr seinen Kader zum Üben, um 17.30 Uhr findet dann noch ein Freundschaftsspiel beim FC Kalbach statt. Die nächsten Pflichtspiele - Samstag in Mannheim bei 1899 Hoffenheim, danach daheim gegen Bayer Leverkusen - sind alles andere als Spaziergänge.

Der Leidensdruck dürfte eher größer werden, da sind Ruhe und Besonnenheit gefragt. Dafür stehen Bruchhagen und Funkel. Aber: Können sie diesen Druck aushalten? Zumal, wenn die mächtigen Räte nicht nur grummeln, sondern vernehmlich mit den Hufen scharren und eine Ablösung des Trainers nach all den Jahren so langsam für angebracht halten. Noch sagt Bruchhagen: "Kein Aufsichtsrat der Welt entlässt einen Trainer, das ist ausschließlich Sache des Vorstandes." Immerhin steht der Vorstandschef zwar nicht mehr wie ein Fels in der Brandung, aber immer noch stabil hinter dem Trainer.

Alles deutet also darauf hin, dass es eine schwere Saison werden wird. Ein Team des Mittelfeldes, wie nicht nur Bruchhagen den Klub gerne nennt, ist die Eintracht derzeit nicht. Sie ist ein Abstiegskandidat.

Autor:  THOMAS KILCHENSTEIN UND INGO DURSTEWITZ
Datum:  30 | 9 | 2008
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2. Bundesliga
Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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