Eintracht Frankfurt
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21. Mai 2014

Eintracht Frankfurt Schaaf: Nordlicht über dem Main

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Im neuen Wohnzimmer: Thomas Schaaf präsentiert sich in der Frankfurter WM-Arena. Foto: dpa

Eintracht Frankfurt präsentiert überraschend Thomas Schaaf als neuen Trainer. Viele Namen geisterten in den letzten Tagen durch die Commerzbank Arena, doch keiner der bisherigen Favoriten wird es. Der ehemalige Trainer von Werder Bremen hat einen Vertrag bis 2016 unterschrieben.

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Vor ein paar Wochen ging das Gerücht um, Thomas Schaaf sei auf dem Weg zum Mannschaftshotel der Eintracht in Bad Homburg. Später stellte sich heraus, dass das nicht stimmte. Thomas Schaaf war damals, Ende März, kurzfristig zwar schon ein Thema, die Nachfolge des scheidenden Trainers Armin Veh anzutreten, doch seinerzeit konnte man sich nicht auf ein Salär einigen. Nun, nach einer schier endlosen Suche, die sich über Wochen hinzog, präsentierte die Frankfurter Eintracht ihren neuen Mann an der Linie: Es ist Thomas Schaaf. Und der ewige Bremer gehörte zu jenen Fußball-Lehrern, zu denen schon sehr früh Kontakt aufgenommen worden war.

Thomas Schaaf, in Mannheim geboren, aber seit rund 50 Jahren im Norden zu Hause, hat in Frankfurt gestern, nach einem gemeinsamen Mittagessen mit Vorstand und Aufsichtsratschef Wilhelm Bender, einen Zweijahresvertrag bis 2016 unterschrieben. Es ist das erste Mal, dass der bodenständige Familienvater außerhalb seines gewohnten, ihm Sicherheit gebenden Sprengels einen Job angenommen hat. „Die Vorfreude auf meine Aufgabe in Frankfurt ist sehr groß“, sagte der 53-Jährige. „Ich bin gespannt.“ Und er sagte auch: „Wir wollen gut vorbereitet in die Saison gehen, es wird einiges zu tun sein.“

Als Grund für seinen Wechsel an den Main nannte Schaaf: „Eintracht Frankfurt hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Sie haben einen interessanten, offensiven Fußball gespielt.“ Diesen Weg wolle er weitergehen. Er wolle die Mannschaft „so interessant gestalten, wie es geht“( siehe auch nebenstehenden Text). Schaaf, der eine Brille mit schwarz-rotem Gestell trug, machte bei seiner Vorstellung am Mittwochnachmittag einen sehr entspannten Eindruck.

Der entscheidende Schritt war der Eintracht am Mittwoch vor einer Woche gelungen. Da dämmerte es allen, dass Roberto Di Matteo wohl nicht zur Eintracht kommen werde. Der Italiener hatte sich nicht entscheiden können oder wollen. Im Gegenzug habe man sich bei der Eintracht wohl mit Schaaf auf einen gangbaren finanziellen Rahmen einigen können. In den ersten Gesprächen im März war der Bremer Fußball-Lehrer wirtschaftlich nicht tragbar gewesen. Bernd Schuster und Thorsten Fink, ebenfalls in der engeren Wahl, waren zuletzt schon ins Hintertreffen geraten und keine ernsthaften Alternativen mehr.

Sportdirektor Bruno Hübner, der in den letzten Wochen eine Reihe von, wie er selbst sagte, „konstruktiven und persönlich bereichernden Gesprächen“ mit vielen potenziellen Nachfolgern, etwa Di Matteo, Bernd Schuster oder Thorsten Fink geführt hatte, sagte, Schaaf passe mit seiner Auffassung von Fußball „genau in unser Anforderungsprofil. Wir wollen an den spektakulären Fußball des letzten Jahres anknüpfen“.

Die Eintracht stehe schon eine Weile in Kontakt mit Thomas Schaaf, der, wie Hübner sagte, „ein kleines Team“ mitbringen wird, also die Co-Trainer Wolfgang Rolff, Matthias Hönerbach sowie Torwarttrainer Michael Kraft. Der derzeitige Frankfurter Torwarttrainer Manfred „Moppes“ Petz wird von diesen Aufgaben entbunden und sich künftig um das Scouting kümmern. Konditionstrainer Christian Kolodziej und Fitmacher Michael Fabacher bleiben weiter an Bord. Der Vertrag von Oscar Corrochano war ausgelaufen.

Vor seiner Zusage bei der Eintracht habe Schaaf ein längeres Gespräch mit seinem Vorgänger gehabt, mit Armin Veh. Beide kennen sich gut. „Wir sind ja schon eine Weile dabei.“ Veh habe ihm nur Gutes über die Eintracht berichtet. Der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen sagte, Eintracht Frankfurt sei „hoch erfreut“, Thomas Schaaf als Trainer bekommen zu haben, er passe zum Klub, man sei überzeugt, mit ihm „die realistischen Ziele der Eintracht verwirklichen“ zu können. Allerdings ohne Sebastian Jung: Der Rechtsverteidiger wird sich dem VfL Wolfsburg anschließen, er wird dort in vier Jahren 20 Millionen Euro kassieren.

Erster Auftritt: Heribert Bruchhagen (l.) und Bruno Hübner (r.) präsentieren den neuen Thomas Schaaf. Foto: Huebner/Ulrich

Da kann Eintracht Frankfurt nicht mal im Ansatz mithalten. Nach Information der FR will die Eintracht im Gegenzug Timothy Chandler vom Bundesliga-Absteiger 1. FC Nürnberg zurückholen. Pikanterie am Rande: Chandler ist in der Jugend der Eintracht groß geworden, für ihn müsste sie eine Ablösesumme von etwa einer Million Euro zahlen. In jedem Fall steht der Eintracht ein gewaltiger Umbruch bevor, einige Leistungsträger gehen: Kapitän Pirmin Schwegler, Stellvertreter Jung und Antreiber Sebastian Rode. Das ist für die Eintracht ein Schlag ins Kontor.

Schaaf hatte sich zuletzt ein Jahr der Erholung gegönnt. Er selbst sprach von „einer kleinen Pause“, die habe er genutzt, um den Akku wieder aufzuladen, um Abstand zu bekommen zum hektischen fordernden Bundesligageschäft. Zwischenzeitlich habe er auch für die Uefa gearbeitet. Nach einiger Zeit, etwa einem halben Jahr, habe ihn die Bundesliga wieder gereizt. Schaaf war nach 14 sehr erfolgreichen Jahren bei Werder Bremen, in denen der Klub Deutscher Meister (2004), Deutscher Vize-Meister (2006, 2008) und DFB-Pokalsieger (1999, 2004 und 2009) wurde, am Ende der vorvergangenen Saison von Werder geschieden.

Da wirkte der Mann, für den Werder Bremen immer mehr als ein Verein gewesen war, eher schon Lebensinhalt, kraftlos und ausgepowert. Das Ende nach 14 Jahren war nicht schön, es war zwischenmenschlich einiges zu Bruch gegangen. Der Abschied von Werder ist ihm verdammt schwer gefallen. Thomas Schaaf trägt seit seinem elften Lebensjahr das grün-weiße Trikot mit der Raute. Er spielte schon für Werder Fußball, schrieb die FR vor einem Jahr zum Abschied, „als er noch zu jung war, um einen Schnauzbart zu tragen“. Nur einen weiten Abstoß vom Weserstadion entfernt aufgewachsen, am Brommyplatz, hat er alle Höhen und Tiefen des Klubs erlebt, erst in der Jugend, dann als Rechtsverteidiger unter Otto Rehhagel, einem Mann, der ihn sportlich wie menschlich geprägt hat wie kein Zweiter.

Seine große Stunde schlug, Anfang Mai 1999, nach einer 1:2-Heimniederlage gegen Eintracht Frankfurt. Die akut abstiegsgefährdeten Hanseaten entließen Felix Magath und beförderten den U 23-Trainer Schaaf am 10. Mai 1999 zum Chef. Er schaffte den Klasenerhalt. Und Thomas Schaaf gelang es, dem seinerzeit schwächelnden Klub eine unverwechselbare Identität zu geben. Mit attraktivem Offensivfußball sorgten die Bremer für Furore, Werder stand für Vorwärtsfußball, für Spektakel, begeisternde Spiele, aber auch für viele Gegentore. Das war aber egal, so lange Stars wie Johan Micoud, Diego, Mesut Özil, Claudio Pizarro, Ailton und Co. vorne immer mehr Tore erzielten als die Abwehr kassierte.

International erreichte Schaaf 2009 mit Bremen das Uefa-Pokal-Finale, 2007 das Halbfinale. In der Champions League qualifizierte er sich mit Werder 2005 und 2006 für das Achtelfinale. Das war die Zeit, als in Frankfurt der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen sagte: „Die Eintracht wird Werder nie einholen.“

Doch in den vergangenen vier Jahren begann nach und nach der Stern von Werder zu verglühen. Klaus Allofs, der mit Schaaf ein kongeniales Duo bildete, lag mit seinen Transfers öfter daneben, die Qualität im Bremer Team nahm stetig ab. Mit dem Verpassen der Champions League sprudelte der Geldhahn nicht mehr. Auf die geänderten Rahmenbedingungen fand Schaaf dann keine rechte Lösung mehr.

Schaaf gilt als Trainer alter Schule. Er ist keiner, der viel mit den Spielern spricht. Er kommt ein wenig unnahbar herüber, aber das ist 50 Jahre Bremen und der Schule von Lehrmeister Otto Rehhagel geschuldet. „Ich will alle Dinge hier auf mich zukommen lassen“, sagte er. „Ich bin ein Typ, der Dinge erkundschaften will.“

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