Sebastian Jung war am Sonntagabend im Dortmunder Hauptbahnhof gerade aus dem Zug gestiegen. Von dort aus sollte es mit dem DFB-Shuttle in die Sportschule Kaiserau gehen, dort bereitet sich die U21 auf das Freundschaftsspiel in Bochum gegen die Türkei vor. Für Jung, den rechten Verteidiger von Eintracht Frankfurt, ist das nichts besonderes, er gehört zu den Leistungsträgern des Auswahlteams von Trainer Rainer Adrion. Doch dann erreichte ihn plötzlich eine SMS und nichts war mehr wie zuvor.
Hansi Flick war der Absender, er ist der Co-Trainer der A-Nationalmannschaft, und als Sebastian Jung später klopfenden Herzens zurückrief, war ein Traum in Erfüllung gegangen: Bundestrainer Joachim Löw hatte Jung in seinen Kader für die Freundschafts-Partie gegen die Niederlande in Amsterdam berufen. Sebastian Jung ist aus allen Wolken gefallen, natürlich. „Das war eine Riesenüberraschung, eine Nominierung für die A-Nationalmannschaft ist etwas ganz Besonderes. Ich will da reinschnuppern“, sagte er, der natürlich weiß, dass er von den zahlreichen Absagen arrivierter Nationalspieler profitierte.
Am Abend rief er gleich noch seine Eltern an, sie werden nach Amsterdam kommen und zuschauen, dann informierte er den Frankfurter Sportdirektor Bruno Hübner. Der war ebenfalls angetan: „Eine tolle Geschichte.“ Es zeige, dass man nicht den Verein wechseln müsse, sondern auch in Frankfurt zum Nationalspieler werden könne, sagte Hübner.
Noch müht sich die Eintracht um eine Vertragsverlängerung mit dem Juwel auf rechts. Sein Kontrakt läuft zwar noch bis 2014, er besitzt aber eine Klausel, wonach er im nächsten Jahr für 2,5 Millionen Euro gehen könne. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass er bleibt. Die Gespräche nennt Hübner „gut“, Jung-Berater Alen Augustincic sagt: „Jeder weiß, das sich Sebi hier super wohlfühlt und er sich am besten entwickeln kann. Seine Affinität zu Eintracht Frankfurt ist ja groß.“
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Die Nacht auf Montag verbrachte der Aufsteiger noch im Mannschaftsquartier der U 21, am Morgen wurde er mit dem DFB-Fahrdienst gemeinsam mit dem Schalker Julian Draxler ins deutsche Quartier gebracht, mitten im Zentrum von Amsterdam, fußläufig zum berühmten Blumenmarkt. Ursprünglich sollte er am Montag sogar gleich vor der nationalen Presse aufs Podium, doch dieser Plan wurde fallen gelassen. Am gestrigen Nachmittag trainierte Sebastian Jung das erste Mal im Kreis der Nationalmannschaft, eine erste Einheit im Kraftraum des Hotels. Ein paar erste Worte hat er mit Löw bereits gewechselt. Der letzte Nationalspieler aus Frankfurt war übrigens Horst Heldt, im Juli 1999 im Confederation-Cup gegen die USA.
„Es freut mich, dass der Bundestrainer ihm eine Chance gibt“, sagte sein Trainer Armin Veh zu der Nominierung. Jung, der Dauerläufer und Vielspieler, hat unter Trainer Veh noch mal einen Sprung nach vorne gemacht. „Der Trainer meinte, dass ich häufiger nach vorne gehen und zum Abschluss kommen soll“, sagte der gelernte Bäckergeselle unlängst. Das hat er sich, der seit 14 Jahren bei der Eintracht spielt, zu Herzen genommen, gegen Hannover 96 erzielte er sein erstes Saisontor, und es war gleich eines der spektakulären.
Primus
Kevin Trapp: Der große Rückhalt. Wo würde die Eintracht ohne ihn stehen? Nicht auszudenken. Wehrte zehn Schüsse aufs Tor, teilweise aus kürzester Distanz, bravourös ab. Ungemein sicher. Eine Bank.
Sebastian Jung , der auf rechts praktisch keine Konkurrenz hat und seit 2009 bereits 97 Spiele für die Eintracht absolviert hat, ist ein bodenständiger, zielstrebiger Junge. „Ich habe immer noch meine alten Kumpels, ich lege auf dieselben Dinge wert wie früher. Ich brauche kein dickes Auto“, hat er einmal im FR-Interview gesagt. Sollte er mal abheben, zieht ihn sein Vorbild Alexander Schur schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.
Schur ist sein großes Idol, Sebi Jung trägt deshalb in Frankfurt auch die gleiche Rückennummer 24 wie der heutige U23-Trainer. Bei der Nationalmannschaft „erwarte ich erst mal nichts, sagte der flinke Verteidiger, „aber wenn ich reinkäme − das wäre überragend.“
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