Der ehemalige Eintrachtler Marco Russ, so heißt es in der brodelnden Gerüchteküche, soll zu Eintracht Frankfurt zurückkehren. Ist das wirklich eine so gute Idee oder sollte man jenen Spielern, die den Verein 2011 nach dem Abstieg verließen und jetzt sportlich im Niemandsland dümpeln, lieber die kalte Schulter zeigen? Die FR wägt ab.
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PRO: Sportlich wäre eine Rückkehr von Marco Russ allemal ein Gewinn − was natürlich ganz stark an der Konkurrenz liegt. Marco Russ, der tätowierte Hundeliebhaber, bringt alle Voraussetzungen mit, um ein guter Bundesligaverteidiger zu sein: Er ist recht schnell, hat ein gutes Kopfballspiel (1,90 Meter groß) und eine sehr gute Technik, seine Spieleröffnung ist für einen Stopper ordentlich. Er ist besser als Vadim Demidov, wahrscheinlich auch stärker als Bamba Anderson −beide neigen freilich zu Schludrigkeit. An der Seite von Carlos Zambrano wäre der 27-Jährige bestens aufgehoben. Hinten zentral würde nicht viel anbrennen, zumindest nicht in der Luft.
Dazu ist der gebürtige Hanauer sozusagen ein Frankfurter Bub. Mit elf Jahren kam er zur Eintracht, er durchlief alle Jugendmannschaften bis zu den Profis. 163 Spiele bestritt er, er schoss 13 Tore. Gleich in seiner ersten Saison stemmte er sich, als 18-Jähriger, gegen den drohenden Abstieg − mit Erfolg. Er avancierte gleich zum Stammspieler, machte pro Saison fast immer alle Partien mit. Bei der Eintracht kennt er jeden Stein, kennt jeden Grashalm, weiß, wie die Leute hier ticken. Seinen Stallgeruch jedenfalls hat er nicht verloren.
Dass der Junge vor 16 Monaten dem Lockruf des Geldes erlegen ist − mein Gott, das kann ihm ernsthaft doch keiner vorwerfen bei den Summen. Sein Verkauf hat der Eintracht zudem dringend erforderliches Geld gebracht, 2,5 Millionen Euro flossen aus Wolfsburg. Und er hat im Übrigen nach dem Abstieg nicht sofort in den Sack gehauen, sondern hat die komplette Zweitliga-Vorbereitung absolviert und im ersten Spiel im Unterhaus gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth noch das Eintracht-Trikot getragen. Wenn der Deal finanzierbar ist, könnte Marco Russ der Eintracht auf alle Fälle helfen (kil.)
Er ist kein Nationalspieler geworden, der Sebastian Jung, aber um eine Erfahrung reicher. Am Mittwochabend durfte der Verteidiger der Eintracht keine Sekunde im DFB-Trikot spielen. Dennoch: „Das war eine schöne Sache. Ich bin gut aufgenommen worden. Die Mitspieler waren locker, offen und nett.“ Am Abend vor der Partie habe ihm Bundestrainer Joachim Löw mitgeteilt, dass er nicht von Anfang an spielen werde. Dann durfte sich der 22-Jährige nicht mal warmlaufen. Schließlich habe ihm Löw gesagt, sein Weg werde wohl erst einmal über die U-21-Auswahl führen.
CONTRA: Marco Russ, das muss man so hart sagen, war am Mittellandkanal nicht mal mehr gut genug für die zweite Mannschaft des VfL Wolfsburg, die kickt in der Regionalliga Nord, vierte Klasse. Russ, das bestätigte Trainer Lorenz-Günther Köstner, habe sich selbst bei der U23 nicht angeboten, sich mehr oder minder hängen lassen. Deshalb geriet Russ sogar in der Reserve aufs Abstellgleis. Das lässt tief blicken und ist kein Ruhmesblatt für den Spieler. Außerdem ist die große Frage, wie es um seinen Fitnesszustand bestellt ist. Russ neigt dazu, es schleifen zu lassen, er neigt zu Übergewicht. Auch deshalb ist er im Sommer von Felix Magath aussortiert worden. Auch bei der Eintracht kam Russ nach seiner Meniskusoperation im Winter 2010 mit einigen Kilogramm zu viel auf den Rippen zurück. Sein letztes Spiel hat er Anfang Mai 2012 gemacht, wenn er für Eintracht Frankfurt erstmals eingreifen könnte, hätte er fast neun Monate nicht mehr gespielt. Das ist gerade für einen wie Russ ein schwerwiegendes Problem, denn der Abwehrmann braucht einen Rhythmus, Spielpraxis, den Wettbewerb. Russ ist nämlich nicht selten etwas schläfrig, ja manchmal scheint er fast zu träumen, er neigt zum Phlegma.
Dazu kommt: Russ hat sich nach dem Abstieg entschieden, den Klub zu verlassen, um sich woanders zu verwirklichen und viel mehr Geld zu verdienen. Das ist völlig legitim. Aber er ist kolossal gescheitert – und das hat gute Gründe. Womöglich ist er nicht gut genug. Ihn zurückzuholen, wäre das falsche Signal. (dur.)
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