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Eintracht Frankfurt
Spielberichte und Interviews, News und Hintergründe zu Eintracht Frankfurt

21. Januar 2013

Eintracht Frankfurt: Spiel mit dem Feuer

 Von Ingo Durstewitz, Jan Christian Müller und Thomas Kilchenstein
Pause wider Willen. In der Frankfurter Ecke wird mit dem Feuer gespielt und geworfen. Dann ruht der Ball in Leverkusen.  Foto: imago sportfotodienst

Die neuerliche Zündelei einer Gruppe von Störern trifft die Eintracht ins Mark. Vorstand Hellmann: „Wenn das unser Trend ist, können wir die Saison in die Tonne treten“.

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Am Tag danach hat Axel Hellmann erst einmal die Fußballschuhe geschnürt und ist unterm Hallendach dem Ball nachgelaufen. Der Kick am Sonntagmorgen hat gute Tradition. Und für den Vorstand von Eintracht Frankfurt bedeutete der volle Körpereinsatz an diesem Sonntag auch Abwechslung und Zerstreuung. Denn die Ereignisse von Leverkusen ließen den Finanzmann nicht kalt, sie wühlten ihn auf. Und nicht nur ihn, auch Heribert Bruchhagen, den Vorstandschef, verhagelte die blödsinnige Zündelei einiger sogenannter Fans die Laune. „Das ist total deprimierend“, presste Bruchhagen mit finsterer Miene hervor. Die Rowdys nannte er in der Folge nur noch „Problem-Besucher“.

Kollege Hellmann giftete unmissverständlich: „Wenn das jetzt auswärts unser Trend ist, dann können wir die ganze Saison in die Tonne treten.“ Auch die Spieler sind besorgt. Sie überlegten für einen Moment, sich nach dem Abpfiff nicht in der Kurve für die Unterstützung zu bedanken. „Aber wir können ja nicht die anderen 98 Prozent bestrafen“, reflektierte Kapitän Pirmin Schwegler.

Pünktlich zum Rückrundenauftakt in Leverkusen hatten einige unverbesserliche Eintracht-Chaoten nach 15 Spielminuten Kracher, Böller, Bengalos, Leucht- und Silvesterraketen ausgepackt und im Frankfurter Block ein Feuerwerk abgebrannt, einige Leuchtraketen flogen aufs, andere unters Tribünendach. Die Spieler brachten sich im Mittelkreis in Sicherheit, Rauchschwaden zogen durchs Stadion. Schiedsrichter Wolfgang Stark sah sich gezwungen, die Partie zu unterbrechen. Es war die einzige richtige Entscheidung. Nach sieben Minuten kamen die Mannschaften wieder aufs Feld, die Partie wurde unter einer Bedingung fortgesetzt: Referee Stark hatte der Eintracht den klaren Hinweis gegeben, dass die Begegnung abgebrochen wird, wenn auch nur noch eine Wunderkerze gezündet würde. Das blieb aus. Machte das miese Schauspiel aber gewiss nicht besser.

Kontrollausschuss ermittelt

Für die Eintracht hat der Eklat von Leverkusen unschöne Folgen: Der DFB-Kontrollausschuss hat die Ermittlungen bereits aufgenommen. „Wir hoffen, dass mit Hilfe der Polizei und Vereine die Täter identifiziert werden können und auch gezielt gegen einzelne Chaoten vorgegangen werden kann“, sagte Mediendirektor Ralf Köttker. Die Hessen haben in jedem Fall mit einer hohen Geldstrafe zu rechnen, auch ein Zuschauer-Teilausschluss scheint nicht unwahrscheinlich, womöglich gar ein Geisterspiel. Schließlich gelten die Frankfurter als Wiederholungstäter, sie haben schon zwei Teilausschlüsse (einen zu Beginn der der Zweitligasaison gegen St. Pauli, einen zum Auftakt der Bundesligaspielzeit gegen Leverkusen) und einen Ausschluss der Auswärtsfans (bei Union Berlin) aufgebrummt bekommen. Allein durch das auf 28.000 Zuschauer beschränkte Hinspiel gegen Leverkusen gingen den Frankfurtern fast 750.000 Euro flöten. Auch durch die Verfehlungen in dieser Spielzeit (in Nürnberg und Düsseldorf) kommen schon wieder Strafen im sechsstelligen Bereich zusammen. Insgesamt, rechnet Hellmann vor, werde die Eintracht durch Strafen, Fanarbeit, Sicherheitsmaßnahmen, Anwaltskosten und Einnahmeverluste „die Schallmauer von drei Millionen Euro durchbrechen − das sind zwei Spieler.“

Die Verantwortlichen sind auch deshalb so empört und fassungslos, weil es keinerlei Anzeichen dafür gab, dass es eine Pyroshow geplant ist. Auch den Verantwortlichen von Bayer Leverkusen lagen keine Hinweise vor, weshalb sie auch darauf verzichtete, die Eintracht-Fans massiv zu kontrollieren.

Im September 2010 hatten die Leverkusener das Modell der Ganzkörperkontrollen eingeführt, damals mussten sich Frauen und Mädchen in einem eigens aufgebauten Zelt ausziehen und in intimen Körperbereichen untersuchen lassen. Ein Sturm der Entrüstung war damals losgebrochen. Nun, teilte Bayer 04 vor dem Spiel mit, seien die Eintracht-Fans willkommen. Das Vertrauen wurde schamlos ausgenutzt. „Wir sind als gute Gäste eingeladen worden, aber wir haben uns nicht so benommen“, zürnte Hellmann. Der Jurist befürchtet, dass die Frankfurter Anhänger nun auswärts wieder „drangsaliert werden“ und mit einer „strengeren Behandlung“ rechnen müssten. „Und mit welchem Argument sollten wir als Verein dagegen jetzt etwas einwenden können?“

Holzhäuser droht

Die Vorfälle von Leverkusen, so der 41-Jährige, führten wieder dazu, dass eine Minderheit der Mehrheit einen Bärendienst erwiesen habe. „Das fördert Kollektivstrafen.“ Bayer-Boss Wolfgang Holzhäuser sucht schon nach Modellen, wie er die zu erwartende Geldstrafe durch den DFB wieder zurückholen will. „Man muss überlegen, die Kosten in wohl fünfstelliger Höhe auf das nächste Spiel der Eintracht bei uns umzulegen“, betonte er. Denkbar sei, beim nächsten Heimspiel gegen die Eintracht die Preise für die Gästetickets um drei bis fünf Euro zu erhöhen. Laut Holzhäuser wurden durch die Videoüberwachung immerhin vier mutmaßliche Täter festgestellt. Sie sollen nun identifiziert werden.

Die Eintracht will ebenfalls Härte zeigen. „Wenn wir jemanden dingfest machen können, werden wir hart bestrafen“, sagte Hellmann. Und auch Bruchhagen kündigte an: „Diese Problem-Besucher haben mit Fußball nichts am Hut. Das ist eine Gruppe von Provokateuren, die Lust an der Bambule hat. Es gibt nur ein Mittel: Man muss sie isolieren und ausgrenzen.“ Aber wie?

Michael Gabriel, der Leiter der Koordinationsstelle der Fanprojekte, erwartet nun umso mehr, dass „diejenigen Fans, die für eine Fankultur ohne Böller und Raketen stehen, jetzt die Eintracht und den Fußball nicht alleine stehen lassen“, sondern dem harten Kern der Ultras „signalisieren, dass sie das nicht mittragen“. Bei der Eintracht seien rund 8 000 Anhänger in der Fanabteilung organisiert, es gebe 600 Eintracht-Fanklubs, diese müssten sich stärker bemerkbar machen.

In Leverkusen fand die Minderheit der Störer Schutz in der Masse. Von einer gemeinsamen Empörung gegen die Pyrotechniker war nichts zu sehen oder zu hören. Doch nach dem Spiel waren die Proteste immens, kaum ein Eintracht-Anhänger tolerierte das Verhalten der Störenfriede, im FR-Eintracht-Blog (www.blog-g.de) etwa brach ein Sturm der Entrüstung los. Dieses Gefühl hat auch Hellmann. „Es ist eine beachtliche Absatzbewegung zu erkennen. Es gibt keine Solidarität mit dieser Gruppe, keine Akzeptanz dieser Aktion.“ Hellmanns Conclusio: „Das Fass ist voll.“

Der Vorstand verurteilt das Frankfurter Feuerspiel in Leverkusen als „vollkommen kontraproduktiv.“ Zumal die Verantwortlichen in den vergangenen Monaten auf Gespräche, Dialog und Austausch setzten. Dieser Ansatz ist mit Füßen getreten worden. „Wir müssen uns eingestehen, diese Gruppe erreichen wir nicht. Das Gefühl der Annäherung war trügerisch“, sagte Bruchhagen. Muss der Klub also die Zügel anziehen, den Ultras alle Privilegien streichen, als Hardliner auftreten? „Natürlich kann man sagen, Dialog war gestern. Heute gibt es Repressalien. Aber dann fangen wir wieder bei null an“, betonte Hellmann, der den eingeschlagenen Weg des Dialogs nicht verlassen will. „Wir werden weiter dicken Bretter bohren.“
Und reagieren. Auf der Außerordentlichen Mitgliederversammlung am 17. Februar soll endgültig der Passus verabschiedet werden, wonach sich die Mitglieder verpflichten, auf Pyros zu verzichten. Nach dem Eklat von Leverkusen ist der Druck auf die Mitglieder größer geworden.

FR-"Volltreffer" vom 20.01.2013

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