Eintracht Frankfurt
Spielberichte und Interviews, News und Hintergründe zu Eintracht Frankfurt

10. Dezember 2012

Eintracht Frankfurt: Streicheleinheiten für den Dauerläufer

 Von Jörg Hanau und Ingo Durstewitz
Austausch von Herzlichkeiten: Occean wird gedrückt. Foto: S. Krieger

Eintracht-Stürmer Olivier Occean trifft wieder nicht das Tor, bereitet aber einen Treffer vor und erhält Lob von vielen Seiten.

Drucken per Mail

Auf dem Weg in die Kabine setzte es einen Klaps auf den Hinterkopf. Eine aufmunternde Geste des Trainers, die Olivier Occean ein Lächeln entlocken sollte. Der kanadische Stürmer grinste denn auch brav. Wirklich zufrieden blickte der 31 Jahre alte Angreifer von Eintracht Frankfurt aber nicht drein. Daran änderte auch Armin Vehs Nachschlag ins breite Kreuz des wuchtigen Mittelstürmers nichts. Da war einer sichtlich unzufrieden mit sich und der Fußball-Welt.
Olivier Occean ist mal wieder leer ausgegangen. Wieder war ihm kein Tor geglückt. In dieser Saison war ihm dieses Erfolgserlebnis bislang nur einmal vergönnt gewesen. Fast drei Monate ist das schon her. Ein Abstauber beim 3:2-Sieg gegen den Hamburger SV. Das tut einem wie ihm weh. Schließlich war er im Sommer als Torschützenkönig der zweiten Liga an den Main gewechselt, 1,3 Millionen Euro haben die Frankfurter für den Torjäger nach Fürth überwiesen. Für einen vermeintlichen Topstürmer ist das kleines Geld.

Anspruch und Wirklichkeit klaffen bei Occean seit Wochen weit auseinander. Der Druck ist immens. Den größten aber mache er sich selbst, sagte Veh. „Er denkt, er muss die Tore für uns machen.“ Das ist Occean im Grunde nicht zu verübeln. Warum sonst holt man einen Stürmer? Natürlich werden die an ihren Toren gemessen. Die Jobbeschreibung ist überall dieselbe. Occean steht bei der Eintracht dennoch unter Artenschutz. „Ich will gar kein Tor sehen, er soll nur laufen“, sagte Veh nach dem 4:1-Sieg gegen Werder Bremen. Natürlich hätte der Cheftrainer nichts dagegen, würde sein Neuner mal wieder treffen. Dann würde vielleicht der Knoten platzen, die Blockade gelöst. Bis es soweit ist, soll er allerdings „weniger denken, mehr laufen“ (Veh). Letzteres hat Occean am Samstag beherzigt: 11,4 Kilometer betrug seine Laufleistung − das ist gut. Kein Frankfurter ist mehr gerannt an diesem eiskalten Abend in der Arena im Stadtwald. Veh war zufrieden und hielt seine schützende Hand über den Goalgetter a. D.: „Stürmer ist ein schwerer Job.“

Arbeiten für die Mannschaft

Occean muss lernen, sein Ego außen vor zu lassen. Er soll sich vielmehr auf die Grundlagen konzentrieren. „Ich will nur, dass er einfach arbeitet für die Mannschaft“, sagte Veh. „Das ist ganz wichtig für unser Spiel. Wenn wir früh pressen, müssen alle mitmachen.“ Auch und vor allem Occean. Also rannte er über den Platz. Das sieht nicht immer rund aus. Liegt aber an der stämmigen Statur des bulligen Kanadiers. Nicht jeder Weg war der richtige. Aber er ließ sich nicht hängen. Auch nicht, als er seine größte und einzige Torchance (36.) liegen ließ, Prödl seinen Schuss blockte. Dass er es war, der vor dem Ausgleich der Bremer den Ball leichtfertig abgab, wollte nach dem Abpfiff niemand diskutieren. Viel lieber redeten Spieler und Offizielle über ihn, er selbst verkniff sich jeden Kommentar. Im Mittelpunkt jene Szene in der 63. Minute, „in der sich Oli super durchgespielt hat“, wie Sebastian Rode anmerkte. Sein Pass in den Fünfer vollendete Stefan Aigner zum 3:1, er profitierte davon, dass Lukas Schmitz ausgerutscht war. Ein Assist für Occean. Wenigstens das. Beeindruckender als Occeans Durchsetzungsvermögen waren die anschließenden Sympathiebekundungen seiner Kollegen. „Die haben Oli gefeiert, als wäre es sein Tor gewesen“, sagte Veh: „Das zeigt, das wir gute Charaktere in der Mannschaft haben.“ Das imponierte dem Trainer. „Es ist keine Floskel, dass wir eine Mannschaft sind.“

Außer dem im eigenen Fünfer jubelnden Torwart Kevin Trapp herzten und tätschelten alle ihren scheinbar hilfsbedürftigen Kollegen. „Er hat eine schwere Zeit und auch viel Kritik einstecken müssen“, begründete Rode den Austausch von Herzlichkeiten. „Wir müssen ihm helfen“, sagte Alexander Meier. Der Mittelfeldspieler ist mit nun zehn Treffern Ligaspitze und somit der neue Torjäger der Eintracht. Zehn Tore, die auch Occean irgendwie helfen. So lange die Kollegen seinen ureigenen Job mitmachen und so torgefährlich sind wie bisher, darf er sich auch der öffentlichen Unterstützung seiner Chefs sicher sein. Es gilt, sagte beispielsweise Vorstandschef Heribert Bruchhagen, „ihm Mut zu machen für die Zukunft“. Zweifellos ist dies der einzig richtige Weg. Occean wird gebraucht.
Der Kreis jener, die fürs Toreschießen engagiert worden sind, ist bei Eintracht Frankfurt überschaubar. Karim Matmour war gegen Bremen mal wieder nach einer Gelb-Roten Karte gesperrt, Erwin Hoffer wartet seit zwei Monaten auf einen Einsatz, Dorge Kouemaha schaffte es am Samstag nicht mal auf die Bank. Und von Rob Friend redet in Frankfurt schon lange niemand mehr. Die Eintracht sucht für den Großverdiener einen Abnehmer.
Der Boulevard spekulierte in der vergangenen Woche, der VfL Wolfsburg könnte einem Leihgeschäft von Srdjan Lakic nach Frankfurt zustimmen. Das erscheint allerdings eher unwahrscheinlich. Armin Veh lässt sich zu derlei Spekulationen ohnehin nichts entlocken. Aus gutem Grund. „Sage ich, der interessiert mich, wird er gleich teurer.“ Und wer weiß, vielleicht stimmt in der Rückrunde endlich nicht nur die Laufleistung von Olivier Occean. Sein Kerngeschäft bleibt unverändert: Tore schießen.

FR-Volltreffer vom 10.12.12
Zur Homepage

Jetzt kommentieren

Ressort

Spielberichte und Interviews, News und Hintergründe zu Eintracht Frankfurt.

Alles zur Eintracht Frankfurt

Reden Sie mit! Im Blog-G.

Verfolgen Sie die Spiele im Bundesliga-Live-Ticker

Sehen Sie die FR-Videokolumnen.

FR-Videokolumne
Weblog
Eintracht-Comics
In jeder Heimspiel-Beilage der FR: Im Herzen von Europa - Die Eintracht-Comics von Michael Apitz.
FR-App und E-Paper

Bei uns bekommen Sie das neue iPad Air von Apple im Paket mit der preisgekrönten FR-App - einschließlich aller FR-Ausgaben im Layout der Zeitung als E-Paper.

Fußball

Hier verpassen Sie nichts: Alle Vereine, Begegnungen, Spieler und Aufstellungen - mit großer Livestatistik über Ballbesitz, Torschüsse, Zweikämpfe, Ecken, Fouls - und Ihrer individuellen Livekonferenz. Im Web oder in der schlanken Mobil-Version fürs Handy.

1. Liga | 2. Liga | 3. Liga | Uefa Europa L. | Champ. L.


  • 2. Bundesliga »
Liveticker Bundesliga

Alle Spiele, alle Treffer, minutenaktuelle Tabelle und Torschützenliste - mit uns sind Sie live beim Geschehen in der Fußball-Bundesliga dabei.

Die FR auf Ihrem Smartphone

Unterwegs top informiert - holen Sie sich FR-Online.de aufs Handy. Neben News bekommen Sie Sport-Liveticker, die Verkehrslage, das Kinoprogramm samt Trailer, TV-Tipps und das lokale Wetter. Ganz ohne App: mobil.fr-online.de.

Für Sportler in Not

Die Hilfsaktion der FR-Sportredaktion unterstützt arme, kranke und behinderte Sportler, die unverschuldet in Not geraten sind.

Ergebnisse, Tabelle & Spielplan
Ergebnisdienst

Von Basketball bis Volleyball: Ergebnisse und Statistiken zu Spielern und Vereinen - bis zur Kreisklasse.

Spezial

Nach dem Ironman ist vor dem Ironman - aber auch auf kürzeren Distanzen wird in Rhein-Main geschwommen, geradelt und gelaufen.

Twitter