Eintracht Frankfurt
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12. März 2013

Eintracht Frankfurt: Torlos Frankfurt

 Von  und 
Alex Meier in Hannover: „Irgendwann geht auch wieder einer rein.“ Foto: S. Krieger

Der Eintracht fehlt trotz 59 Torschüssen in den letzten fünf Spielen weiterhin die absolute Entschlossenheit vor des Gegners Kasten.

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Torflauten

1. 1. FC Köln: Saison 2001/02:
1033 Minuten ohne Tor. - 0:17 Tore.-
Saisonende: Abstieg.
2. 1. FC Saarbrücken: 1992/93:
964 Min. - 0:23. - Abstieg.
3. Eintracht Frankfurt: 2010/11:
793 Min. - 0:13. - Abstieg.
4. Karlsruher SC: 2008/2009:
752 Min. - 0:9. - Abstieg.
5. Tasmania Berlin: 1965/66:
741 Min. - 0:27. - Abstieg.
6. Schalke 04: 1967/68:
705 Min. - 0:13. - Tabellen-15.
7. FC St. Pauli: 1996/97:
655 Min. - 0:11. - Abstieg
... Eintracht Frankfurt: 2012/2013: 504 Min. - 0:4. - ????


Auch nach dem Waldlauf am Morgen danach war aus dem Abseitstor kein reguläres Tor geworden. Da konnte Eintracht-Trainer Armin Veh trotzig wie ein kleiner Bub vehement das Ende der Torflaute ausrufen. Es bleibt dabei: 0:0, nicht 1:0, 39 Punkte statt 41, Stunden ohne eigenen Treffer: 8:24. Das ist schon eine Hausnummer. Alexander Meier, der verhinderte Torschütze von Hannover, nahm es locker, haderte nicht mit der falschen Millimeterentscheidung des Schiedsrichters zu seinen und den Ungunsten der Eintracht. „Irgendwann geht auch wieder einer rein“, befand der Lange lakonisch. Daran glauben sie schon ziemlich lange, die nicht mehr torhungrigen Hessen.

Wie vernagelt

Natürlich wird in und um Frankfurt herum viel diskutiert über diese Krise, über die Tore des Gegners, die wie vernagelt scheinen. Manch einer fühlt sich gar ein ganz kleines bisschen erinnert an diese vermaledeite Rückrunde der Abstiegssaison 2011, als die Hessen 17 Halbzeiten, 793 Minuten oder achteinhalb Spiele ohne eigenes Tor blieben. Damals beendete Georgios Tzavellas diese fast schon absurde Negativserie − mit einem Glücksschuss aus 73 Metern. Der Eintracht war dennoch nicht mehr zu helfen.

Seriös betrachtet verbieten sich aber Parallelen zu damals, die Hessen sind in anderen Gefilden zu Hause, sie stehen immer noch auf einem Europapokalplatz − und sie spielen einen anderen Fußball, einen, der zwar nicht mehr so spektakulär und atemberaubend wie in der Hinrunde ist, aber immer noch gepflegt und gut genug, um früher oder später mal wieder zu einem Torerfolg zu kommen. Früher, das ist einigermaßen logisch, wäre für die Hessen eindeutig besser als später. Die Eintracht spielt sich Chancen heraus, zwar nicht in Hülle und Fülle, und auch nicht solche, die zwangsläufig zu Toren führen müssen, „aber wir kommen ja zu Abschlüssen“, sagt Meier. „Es wird schon wieder besser. Wir sind auf keinem schlechten Weg.“ Seit ihrem letzten Tor gab die Eintracht 59 Torschüsse ab − mit bekanntem Ergebnis.

Was fehlt, ist diese absolute Entschlossenheit, den Ball über die Linie zu wuchten, das Glück und das Tor zu erzwingen. Dieses Bedingungslose, der eiserne Wille geht der Mannschaft irgendwie ab. Die Eintracht stirbt nicht selten in Schönheit, vergisst zuweilen, die Ballzirkulation zu einem Abschluss zu bringen. Gegen Stuttgart am Sonntag, dessen sind sich alle bewusst, muss nicht nur ein Tor, sondern ein Sieg eingefahren werden, sonst ist die Gefahr groß, ins Mittelfeld durchgereicht zu werden, sonst ist ein Stimmungsumschwung zu befürchten, sonst würde diese famose Saison irgendwo mit einem Makel belegt. Sicher liegt diese Torkrise auch am Trend, der ganz gewiss nicht der Freund der Frankfurter ist. Da kann es schon mal sein, dass die Spieler blockieren. Alexander Meier, der Torschütze vom Dienst aus der Hinrunde, ist da ein ganz gutes Beispiel, im alten Jahr traf er elfmal, nach Belieben und mit traumwandlerischer Sicherheit, jetzt wartet er seit sieben Partien auf ein persönliches Erfolgserlebnis. Es ist bekannt, dass die Eintracht am Tropf von Alex Meier hängt. In Hannover etwa kam der 30-Jährige einmal, in der zweiten Hälfte, von der Strafraumgrenze zum Schuss, ein Ball, der vor ein paar Wochen mit Sicherheit in den Winkel gezischt wäre, nun aber streifte er 50 Zentimeter über die Querlatte. Ansonsten aber ist Meier wieder im Aufwind. „Es war schon wieder besser.“ Das gilt für Meier, für andere nicht: Stefan Aigner ist in einem Leistungstief, auch Linksverteidiger Bastian Oczipka kommt nicht so recht auf Touren, er wirkt manchmal unkonzentriert, in der Offensive nicht mehr so zielgerichtet. Es sind einige Leistungsträger, die sich mühsam aus dem Tal kämpfen müssen. Über allem schwebt die Stürmer-Problematik. Srdjan Lakic hat noch Rückenprobleme, Karim Matmour ist keine Offenbarung, das Thema Olivier Occean hat sich erledigt. „Im Grunde haben wir die ganze Saison ohne Stürmer gespielt, auch wenn einer auf dem Platz stand“, giftete Veh.

Zudem schafft es die Eintracht auch nicht mehr, Gefahr bei Standards heraufzubeschwören, Ecken und Freistöße kommen viel zu harmlos. Und natürlich ist die Frage, ob sich die Mannschaft in dem so lange praktizierten 4-2-3-1-System nicht am wohlsten fühlt. Zwar kommt sie auch mit der Raute zurecht, doch die wirklich furiosen und zügellosen Spiele hat sie in der Ausrichtung mit einem Stürmer und schnellen Außen absolviert. Über Monate sind da auch die Automatismen erarbeitet worden. Natürlich hat Veh nicht aus Jux und Dollerei die Taktik geändert, er hat gemerkt, dass die Eintracht leichter auszurechnen war, dass sich der Gegner besser eingestellt hatte. Nun wird er überlegen müssen, wie die Eintracht wieder zündet.

FR-"Volltreffer" vom 11.03.2013

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