Eintracht Frankfurt
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17. Februar 2013

Eintracht Frankfurt: Von Bauchschmerzen und Pyrotechnik

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„Wir sind ein lebendiger Verein.“ Peter Fischer kennt die Eintracht. Foto: Heiko Rhode

Eintracht Frankfurt nimmt Anti-Pyro-Paragraf in Satzung auf

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Axel Hellmann war schon vorher klar, dass „das kein Spaziergang“ werden würde. Und dabei meinte der Finanzvorstand von Eintracht Frankfurt nicht etwa die Partie der Profimannschaft am Samstagabend in Dortmund. Die Krux war vielmehr, anderntags, am Sonntagmorgen, eine Satzungsänderung des eingetragenen Vereins, dem Anteilseigner der Fußball AG, durchzukriegen, die den Einsatz von Pyrotechnik ächtet. Das, so viel sei verraten, gelang auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung, allerdings erst nach teilweise chaotischer Abstimmung und kontroverser, aber immerhin durchweg niveauvoller Diskussion. „Das ist ein gutes Signal nach draußen“, sagte Hellmann hinterher. Er klang erleichtert.

Unter Beobachtung

Eintracht Frankfurt ist damit der erste Bundesligist, der mit der erforderlichen Zweidrittel-Mehrheit von 416 Stimmberechtigten (112 Nein-Stimmen, elf Enthaltungen, 293 Ja-Stimmen, die aber nicht explizit gezählt wurden) einen Anti-Pyro-Passus in seine Vereinssatzung aufnimmt. In Paragraf 7 Ziffer 1 heißt es jetzt wörtlich: „Der Verein und seine Mitglieder stehen für eine lebendige und friedfertige Fankultur und lehnen daher die Gefährdung von Stadionbesucher, zum Beispiel durch den Einsatz nicht genehmigter Pyrotechnik, ab.“
Bekanntlich steht Eintracht Frankfurt spätestens seit den Vorfällen in Leverkusen, als eine Handvoll Chaoten zündelte, unter besonderer Beobachtung. Als Wiederholungstätern droht den Hessen ein Geisterspiel. Aus DFB-Kreisen ist dem Klub signalisiert worden, dass eine Reduzierung der drohenden Strafe nur möglich sei, wenn sich die Eintracht aktiv an der Ermittlung der Täter beteiligt. Tatsächlich sind eine Reihe von Tätern bereits identifiziert. „Man erwartet von uns ein klares Signal. Wenn wir das jetzt schleifen lassen, kann ich nur den Kopf schütteln“, warnte Aufsichtsratsmitglied Reinhard Gödel.
Dass das prominente Eintracht-Mitglied Sylvia Schenk, die ehemaligen Leichtathletin, frühere Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahren und Arbeitsrichterin, vehement gegen die Aufnahme des Pyro-Passus in die Satzung argumentiert, hatte allein formaljuristische Gründe. Die Problematik stelle sich in erster Linie der Fußball AG, nicht dem e.V. „Ich wundere mich, weshalb es ein Signal des Vereins braucht, weil Leute zündeln, die nichts mit dem Verein zu tun haben. Es ist ein allgemeines Problem des deutschen Fußballs.“ Vereinsmitglieder seien sicher nicht unter den Chaoten. „Wer meint, dass er damit an der Realität irgendetwas ändert, der macht sich selbst was vor. Ein solches Bekenntnis an exponierter Stelle in die Satzung aufzunehmen, die eigentlich für grundlegende Dinge des Vereins stehen soll, ist ein Armutszeugnis und eben kein positives Signal“. Sie nannte das ganze Prozedere „Aktionismus“.
Auch Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS), verwies genau wie Schenk darauf, dass der Gesamtverein Eintracht Frankfurt nicht allein aus den Profifußballern, sondern aus 16 Abteilungen besteht. Pyrotechnik und Fangewalt seien aber ein spezifisches Problem der ausgegliederten Fußball AG. „Ich habe Bauchschmerzen bei der Geschichte“, meinte Gabriel. „Dann könnte man genauso gut etwas gegen Doping in die Satzung aufzunehmen.“

Verwirrung durch Abstimmung

Auftrieb erhielten die Befürworter einer Satzungsänderung am Ende durch das klare Bekenntnis des Leiters der Fan- und Förderabteilung Stefan Minden. „Das ist nicht blinder Aktionismus, sondern eine wohl überlegte, kalkulierte Antwort auf die öffentliche Hysterie“, so Minden. „Wir müssen versuchen, das Problem Pyro innerhalb des Fußballs zu lösen und die Politik außen lassen.“ Andererseits drohten „italienische Verhältnisse“. Dort kümmert sich einzig „der Staat“ um die Fans.
Für Verwirrung sorgte zum Schluss Versammlungsleiter Stephan Winterling, der nach der Diskussion noch einmal über das gesamte Paket Satzungsänderung abstimmen ließ (was er nicht hätte tun müssen). Dabei fanden sich genau jene 268 Ja-Stimmen, die für eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich waren. Der Saal witterte da etwas anderes als Zufall.

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