Marco Russ, ein bodenständiger Jungprofi aus dem Frankfurter Speckgürtel, ist die seltene Gabe der Selbstkritik im Laufe seiner 23 Lebensjahre noch nicht abhanden gekommen. Am Samstag, einem für ihn eher schwarzen Abend, stand er in Pfullendorf mit dem Rücken zum Mannschaftsbus und stellte sich tapfer den bohrenden Fragen der Reporter.
Wenn der Eintracht-Verteidiger in die Defensive gedrängt wird, kratzt er sich zumeist gedankenverloren am Kopf und blickt hektisch nach rechts und links. Die Worte aber kommen klar und gestochen, und sie haben immer etwas von einer Selbstanklage. Nach dem persönlichen Tiefpunkt im Linzgau polterte er in eigener Antiwerbung: "Solche Fehler darf ich mir nicht erlauben. So darf ich nicht auftreten. Das weiß ich selbst." Und auch das noch: "Ich weiß, dass ich mich mit solchen Spielen nicht aufdrängen und in den Vordergrund spielen kann."
Russ, von Trainer Friedhelm Funkel vor noch nicht allzu langer Zeit als ernsthafte Alternative für die wackelnde Innenverteidigung der Nationalmannschaft ins Gespräch gebracht, erwischte in Pfullendorf einen Tag, an dem er besser erst gar nicht aus dem Bett gekrabbelt wäre. Gleich zweimal vertändelte er den Ball leichtfertig als letzter Mann und ermöglichte den harmlosen Regionalliga-Spielern beste Einschusschancen, und zu allem Überfluss flog er kurz vor der Pause auch noch vom Platz. "Er muss ganz schnell seine Form finden, er ist ja Stammspieler", betont Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen.
Der gebürtige Hanauer befindet sich nun schon seit Wochen im Formtief, schon in den Vorbereitungspartien war er oftmals ein Unsicherheitsfaktor, er spielte so, als schleppte er einen Rucksack voller Steine mit sich herum. Dieses Phänomen ist nicht neu, es ist bekannt, dass Russ eine lange Anlaufzeit braucht, um Rhythmus und Form zu finden. Aber so gravierend wie dieses Jahr ist das noch nie aufgefallen. Nimmt man seine derzeitige Leistungsstärke zum Maßstab, dürfte er nie und nimmer am Sonntag zum Bundesligaauftakt gegen Hertha BSC in der Startelf stehen. "Ich habe noch eine Woche Zeit, um dem Trainer zu beweisen, dass das ein Ausrutscher war und dass ich in die Mannschaft gehöre." Sehr überzeugend klingt das nicht. Im Grunde müsste Coach Friedhelm Funkel die Innenverteidigung umbauen und Habib Bellaid und den Brasilianer Chris aufstellen. Chris, das ist die Krux an der Geschichte, ist aber im defensiven Mittelfeld vorgesehen, weil er da, wie nicht nur Funkel findet, wertvoller sei. Womöglich darf sich der von einer Schienbeinreizung genesene Aaron Galindo Hoffnungen auf einen Einsatz neben Bellaid machen.
Russ jedenfalls will um seine Chance kämpfen, "ich will schnell an die Form der Rückrunde anknüpfen", sagt er. Die Mitspieler dienen als Mutmacher. Chris etwa lobt die Vorzüge des jungen Abwehrmannes. "Er hat eine hohe Qualität, er muss sich nur konzentrieren." So sieht es auch Markus Steinhöfer: "Das waren Unkonzentriertheiten, aber deshalb muss uns nicht angst und bange sein."
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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