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Eintracht Frankfurt: Zu wenig Mut, zu viel Jähzorn

Warum der Bundesliga-Vorletzte zwar nur ein Tor bei Schalke 04 kassiert, aber sich ansonsten als Ausbund an Harmlosigkeit präsentiert. Von Thomas Kilchenstein

Die Eintracht hat keine Chance gegen Schalke.
Die Eintracht hat keine Chance gegen Schalke.
Foto: ap

Später dann sprach der Frankfurter Trainer Friedhelm Funkel: "Ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment aussprechen. Sie war fast eine Stunde ein Mann weniger, war sehr gut organisiert, hat mit sehr viel Leidenschaft gespielt, sehr gut gestanden und das Spiel der Schalker nicht in Fluss kommen lassen. Zum Kontern hat leider die Kraft gefehlt. Wille, Einsatz und Leidenschaft haben gestimmt." Nun ja, muss ja ein gutes Spiel gewesen sein.

Vielleicht muss man an dieser Stelle sagen: Eintracht Frankfurt hat beim FC Schalke 04 0:1 verloren, die Frankfurter erspielten sich zwei "kleine Chancen" (Funkel), hatten ganze 30 Prozent Ballbesitz, erkämpften sich ihren ersten Eckball in der 86. Minute und waren von einer ziemlich ernüchternden Harmlosigkeit. Und: Die Frankfurter belegen mittlerweile einen Abstiegsplatz.

Nun ist es sicherlich nicht verkehrt, das Positive auch in solch einem Spiel zu suchen und, siehe bei Funkel, auch zu finden. Tatsächlich hat sich die Eintracht auch im Rahmen ihrer Möglichkeiten halbwegs achtbar aus der Affäre gezogen: Man kann auf Schalke 0:1 verlieren, keine Frage. Und sicherlich hat Funkel auch recht, wenn er sagt: "Entscheidend ist, dass man gut steht und auf seine Chance wartet. Alles andere wäre tödlich." Natürlich hat kein Mensch erwartet, dass die Eintracht, nicht eben brillant in die Saison gestartet, die Schalker im eigenen Stadion überrennt. Aber ein bisschen mehr Fußball hat man sich schon erhofft. Ein bisschen mehr Mut vielleicht auch.

Doch dazu war die Eintracht nicht in der Lage: Zu viele Spieler blieben am Samstag wieder unter ihren Möglichkeiten, Christoph Spycher, Michael Fink, Martin Fenin oder Faton Toski etwa, denen kaum etwas gelang. Und trotz der Rückkehr des Spielmachers Alexander Meier bleibt erneut festzuhalten: im kreativen Mittelfeld der Hessen passierte einfach zu wenig. Insgesamt fehlte es an Dynamik und Aggressivität, insgesamt war die Eintracht für die Knappen zu schwach. Erst ganz, ganz zum Schluss, als die Schalker nach einem "perfekten Spiel in der ersten Halbzeit" (Manager Andreas Müller) ihre Bemühungen komplett eingestellt hatte, bekamen die Gäste leicht Oberwasser. Doch in dieser Phase, acht, neun, zehn Minuten vor dem Ende, scheute Funkel das Risiko, er wechselte statt Caio nur Markus Steinhöfer ein, der zwar ein bisschen "frischen Wind" (Funkel) brachte, aber nicht mehr die Wende. Womöglich hätte Caio in den Schlussminuten mit einer Ecke, mit einem Freistoß, mit einem Dribbling, noch etwas bewegen können. Verdient wäre es nicht gewesen, der Sieg der Schalker, das gab auch Funkel fairerweise zu, ging in Ordnung, "darüber gibt es keine zwei Meinungen". Und Sorge wegen der mangelnden Durchschlagskraft in der Offensive hat er auch nicht: "Wieso Sorge? Wir schießen doch unsere Tore, in Wolfsburg zwei, im Pokal drei". Das war allerdings gegen Pfullendorf.

Unstrittig war, dass der genauso überflüssige wie berechtigte Platzverweis für Chris, der nach einem Gerangel mit Heiko Westermann ("Ich habe nicht geschauspielert") dem Nationalspieler den Ellenbogen ins Gesicht drückte, der Eintracht einen dicken Strich durchs taktische Konzept gemacht hatte. Danach war klar, dass es einzig um Schadensbegrenzung ging. Der Schaden blieb dann ja auch in Maßen, sieben Minuten später profitierten die Schalker von einem doppelten Missgeschick der Frankfurter: Erst waren sich Aaron Galindo und Habib Bellaid nicht einig, dann grätschte Patrick Ochs im Zweikampf mit Jefferson Farfan den Ball ins eigene Netz (41.). .

Funkel kritisiert Fandel

Den Platzverweis empfand Funkel als zu hart. "Wenn der (Schiedsrichter Herbert, Anm. d. Red.) Fandel ein Champions League-Spiel oder in England gepfiffen hätte, dann hätte er nie Rot gezeigt." Und mit elf Mann "verlieren wir das Spiel nicht". Alle anderen Beteiligten werteten die Rote Karte als berechtigt. "Wer schlägt, fliegt", sagte etwa Klubchef Heribert Bruchhagen, sogar über eine interne Geldstrafe wolle er nachdenken. Funkel hält davon freilich nichts. In Chris, der wohl drei Spiele gesperrt werden dürfte, Ioannis Amanatidis, Ümit Korkmaz und Zlatan Bajramovic fällt der Eintracht vorerst ein weiterer wichtiger Leistungsträger aus.

Das ist insofern bedeutend, da die Eintracht nun genau in der Situation ist, die sie verhindern wollte: Sie steht als Tabellenvorletzter mit dem Rücken zur Wand: "Ich habe gehofft, dass es nicht so kommt", sagte Bruchhagen auf Schalke, "aber ich habe es nach dem Spielausfall gegen Karlsruhe befürchtet". Drei Auswärtsspiele hintereinander, dazu der verpatzte Heimauftakt gegen Berlin (0:2) haben die Eintracht in eine missliche Lage bugsiert. Nun spielen die Frankfurter zweimal vor eigenem Publikum, am Dienstag (19 Uhr) im DFB-Pokal gegen den Zweitligisten Hansa Rostock und am kommenden Sonntag (18 Uhr) gegen Arminia Bielefeld. Zwei Siege und Ruhe wäre wieder eingekehrt in Frankfurt. "Gegen Rostock muss ein Sieg her", sagte Ochs, Frankfurts Bester. Auch gegen Bielefeld. Und wenn nicht? Dann dürfte das Gerede in Frankfurt losgehen.

Autor:  THOMAS KILCHENSTEIN
Datum:  21 | 9 | 2008
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2. Bundesliga
Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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