Natürlich kam dann, als alle spielfachlichen Fragen erörter waren, noch die Rede auf das Niemandsland der Tabelle, in das sich Eintracht Frankfurt nach der glatten 1:4 (0:2)-Niederlage gegen den FC Schalke 04 hineinmanövriert hat. Der Frankfurter Trainer Michael Skibbe hat auch pflichtschuldigst etwas empört darauf reagiert und pikiert davon gesprochen, dass Niemandsland "einen negativen Beigeschmack" habe: "Wir haben uns da etabliert, wo wir uns selbst einschätzen", sagte Skibbe. Platz acht, neun oder zehn, Mittelfeld, Mittelmaß, Niemandsland eben.
Am Sonntag hat sich der Frankfurter Klubchef Heribert Bruchhagen vehement dagegen gewehrt, von der Rückkehr auf den Boden der Realitäten reden zu müssen. "Ich bin doch der Letzte, der sich dafür rechtfertigen müsste", sagte der Vorstandsvorsitzende. "Am Ende werde ich wieder recht behalten, weil ich es besser weiß." Es werden sich nach 34 Spieltagen vorne in der Tabelle jene Mannschaften einreihen, die mit den dicksten Etats wirtschaften könnten. Das sei eben so. "Und je öfter ich recht behalte, desto wütender werden meine Antipoden, die glauben, dieses zementierte Ranking aufbrechen zu können." Und wer glaube, diese Saison sei besonders erfolgreich für die Hessen verlaufen, möge zwei Jahre zurückschauen. "Da hatten wir am 25. Spieltag unter Friedhelm Funkel vier Punkte mehr."
Tatsächlich ist es so, dass die zuletzt als Lackmustest apostrophierten Spiele gegen die Großen, Hamburger SV (0:0), VfB Stuttgart (1:2) und Schalke 04, ein paar Dinge in Frankfurt zurechtgerückt haben. "Diese Mannschaften", so Skibbe, "stehen deutlich vor uns." In diesen drei Spielen wurden den Frankfurtern die Grenzen aufgezeigt, mit diesen Teams kann sich die Eintracht seriös noch nicht messen. Sie kann phasenweise mithalten, die Partien offenhalten, besiegen kann die Eintracht sie derzeit nicht. Es zeigte sich in diesen drei Begegnung, dass bei den Hessen alles passen muss, dass sie sich keinen Ausfall leisten und auf Augenhöhe nur attackieren können, wenn alle ihr Limit ausschöpfen. Das gelingt vereinzelt, wie in den Spielen gegen Bremen, in Berlin oder bei Borussia Dortmund - und bleibt doch die Ausnahme.
Der Sieg der Schalker in Frankfurt war alles andere als unverdient, darüber gab es keine zwei Meinungen. Er mag ein Tor zu hoch ausgefallen sein, aber die Knappen hatten die bessere Spielanlage, sie waren cleverer und schafften es, mit fünf Schüssen aufs Tor vier Treffer zu erzielen. Es war zudem der erste Auswärtssieg der Schalker in diesem Jahr. Den Gästen spielte die Eintracht aber auch perfekt in die Karten. Die erste Halbzeit hatten die Hessen komplett verschlafen, nach einer Viertelstunde war die Messe eigentlich gelesen. Die Schalker schlugen nach zwei Standardsituation zu, erst nach einer kurz gespielten Ecke durch den langen Joel Matip (12.), dann nach einem Freistoß von Lukas Schmitz durch Benedikt Höwedes (18.). "Bei denen sind sieben Mann über 1,90 Meter groß", stellte Chris beeindruckt fest. Kein Wunder, dass man da bei ruhenden Bällen leicht ins Hintertreffen geraten kann.
Genau das aber wollte Trainer Michael Skibbe auf alle Fälle verhindern, genau das hat er seinen Mannen immer wieder eingetrichtert. "Von der ersten Halbzeit war ich restlos bedient. Da haben wir uns eine Menge versaut. Das war richtig schlecht. Wir haben genau das Gegenteil von dem gemacht, was wir uns vorgenommen haben", deckelte Skibbe sein Team. In der Halbzeitpause war der Trainer richtig laut geworden.
Tatsächlich klappte in den ersten 45 Minuten so gut wie nichts: Die Eintracht stand neben sich, reagierte nur, spielte pomadig, quer und ohne jede Inspiration. "Da sind wir nur wie ein Scheibenwischer den Bewegungen des Balles gefolgt", zürnte Skibbe. Die Schalker, fand auch Bruchhagen, "haben uns da richtig eingekesselt." Im Grunde war die erste Halbzeit ein krasser Rückfall in eigentlich überwunden geglaubte Zeiten aus der Hinrunde, als die Hessen gegen Stuttgart, Leverkusen oder Bayern binnen kürzester Zeit regelrecht vorgeführt wurden. Skibbe: "Wir haben in der ersten Halbzeit unter dem Niveau der Rückrunde gespielt."
Immerhin rissen sich die Frankfurter in der zweiten Halbzeit "am Riemen". Nach der Standpauke entwickelte die Eintracht endlich den erforderlichen Druck. Auf einmal wackelte auch Schalke, prompt kam die Eintracht durch Alexander Meier zum Anschlusstreffer (52.). "Da hat die Mannschaft Charakter und Herz gezeigt", lobte Kapitän Christoph Spycher. Schalke wackelte, fiel aber auch deswegen nicht, weil Höwedes (60.) mit langem Bein die beste Frankfurter Ausgleichschance vereitelte. Dann schlugen die Knappen in der Schlussphase durch Ivan Rakitic (80.) und Kevin Kuranyi (89.) eiskalt zu.
Sicher ist aber: Eintracht Frankfurt hat einen Sprung nach vorne gemacht. "Wir spielen attraktiveren, ansehnlicheren Fußball als im vergangenen Jahr. Das war das einzige, was ich mir vom neuen Trainer erwünscht hatte", sagte Bruchhagen. Skibbe sprach von einem "guten Stück", das man "im Vergleich zur Hinrunde nach vorne gekommen" sei. Doch bis zum Saisonziel 46 Punkte habe man "noch reichlich zu arbeiten".
Womöglich sollte Klubchef Bruchhagen das beherzigen, was ihm Trainer Felix Magath ganz zum Schluss ausrichten ließ. "Der Herri soll langsam mal in die Tasche greifen." Macht der Herri aber nicht. "Selbst wenn wir uns 30 Millionen Euro leihen, dann ziehen die Herren Winterkorn und Hopp mit 50 Millionen wieder an uns vorbei."
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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