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Eintracht-Kolumne: Abschied ohne Happy End

Nach seinem 170. und letzten Spiel für Eintracht Frankfurt hat der scheidende Trainer Friedhelm Funkel seinem Ex-Klub ein paar warnenden Sätze ins Stammbuch geschrieben. Von Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz

Die letzten Gesten des Eintracht-Trainers Funkel.
Die letzten Gesten des Eintracht-Trainers Funkel.
Foto: dpa

Um 18.05 Uhr wurde es an diesem sommerlich warmen Nachmittag plötzlich eiskalt. Aufsichtsratsvorsitzender Herbert Becker, der größte aller Funkel-Kritiker, musste dem ungeliebten Trainer bei der offiziellen Verabschiedung im Presseraum des Stadions die Hand geben.

Auch dem Frankfurter Trainer war der Moment sichtlich unangenehm, Becker hat den unfreiwilligen Rücktritt des Fußballlehrers maßgeblich forciert. Beide Kontrahenten würdigten sich keines Blickes. "Viel Gesundheit und Erfolg, Herr Funkel", presste der Rastchef schnell hervor, dann drückte er sich geschwind am Coach vorbei. Zum Glück kam dann Peter Fischer, der launige Präsident, den konnte Funkel dann herzlichst umarmen und drücken.

Zuvor hatte Klubchef Heribert Bruchhagen dem scheidenden Trainer, im Beisein der Journalisten, noch einmal Dank gesagt für fünf erfolgreiche Jahre und ihm "eine werthaltige Uhr mit einer werthaltigen Widmung" übergeben. Die Zeremonie war Funkels Verdiensten um den Klub nicht angemessen, es wirkte sehr improvisiert und geschäftsmäßig.

Funkel hatte es aber auch eilig, eine knappe Stunde nach dem Schlusspfiff wurde er von seinem Bruder Wolfgang und einigen Freunden zu einem "feuchtfröhlichen Abend" (Funkel) abgeholt. Der 55-Jährige feierte nicht mit der Eintracht in den diversen VIP-Räumen, auch von der Mannschaft hatte er sich schon am Vormittag verabschiedet. "Es war alles ein bisschen chaotisch", fasst Christoph Spycher die letzten Stunden zusammen.

Eintracht Frankfurt - Hamburger SV (2:3)

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Am Sonntagnachmittag steigt Friedhelm Funkel in den Flieger nach Mallorca, "ich bin dann sechs Wochen im Urlaub", sagte er. In der Zeit wird sich auch seine Zukunft klären. Er könnte sich durchaus auch vorstellen, einen "gut aufgestellten Zweitligisten" zu übernehmen, denn "würde ich das ausschließen, wäre ich hochnäsig und arrogant."

Auf Eintracht Frankfurt wartet hingegen ein neuer Mann. Und auch die Spieler denken mittlerweile, dass das auch besser so ist. "Das ist ein neuer Start, eine neue Aufbruchstimmung", sagte Vizekapitän Christoph Spycher. "Wenn wir in der gleichen Konstellation in die neue Saison gegangen wären, wäre das sehr, sehr schwer für uns gewesen. Da hätten wir nur eine Chance gehabt, wenn wir eine Serie gestartet hätten."

Das ist ohnehin nicht sehr wahrscheinlich. Kapitän Ioannis Amanatidis, der zur zweiten Hälfte eingewechselt wurde, stark spielte und an beiden Eintracht-Toren beteiligt war, wählte gar pathetische Worte: "Eine Epoche ist zu Ende, jetzt muss eine neue Periode beginnen." Und der Grieche setzte nach dem letzten Spiel gleich mal ein Ausrufezeichen: "Ein einstelliger Tabellenplatz wird in der neuen Runde unser Ziel sein."

Wer aber wird die Nachfolge Funkels antreten? Neben Michael Skibbe, der schon sofort zu den üblichen Verdächtigen zählte, gehört wohl auch der derzeit bei der Spielvereinigung Greuther Fürth tätige Benno Möhlmann zu den Kandidaten.

Funkel selbst hatte an seinem letzten Arbeitstag bei Eintracht Frankfurt seine Emotionen im Griff. "Es waren fünf fantastische Jahre, da ist ein Stück Wehmut dabei", sagte er, doch das große Gefühlskino blieb aus. "Ich bin ziemlich ruhig." Doch er verzichtete, was man gut verstehen kann, sowohl vor dem Anpfiff als auch nach dem Schlusspfiff darauf, den Weg in die Fankurve anzutreten, um sich den warmen Beifall abzuholen. Der brandete nach all den Anfeindungen der letzten Wochen dann doch noch einmal auf.

Das Spiel gegen den Hamburger SV, der durch ein Abseitstor in der letzten Minute durch Piotr Trochowski mit 3:2 gewonnen und damit den Einzug in den Uefa-Cup noch geschafft hat, war ein Spiegelbild der so faden Spielzeit. "Es war eine enttäuschende Saison", resümierte Bruchhagen. "Wir müssen künftig unseren Ansprüchen mehr gerecht werden. Vor allem von den so genannten Leistungsträgern erwarten wir in der neuen Saison mehr."

In den Minuten nach dem letzten Spiel ließ es sich Funkel dann nicht nehmen, dem Frankfurter Klub ein paar Dinge ins Stammbuch zu schreiben. "Ich wünsche der Eintracht, dass sie stabil bleibt, dass sie die Bundesliga zu schätzen weiß. Denn immer, wenn man unzufrieden ist und nach mehr strebt als man kann, steigt man ab. Die Fans sollen sich freuen, dass jedes Jahr Bayern München, Schalke 04 und Borussia Dortmund herkommt", sagte Funkel. Diese Worte waren ihm ein Anliegen, denn nicht nur der Trainer ist der Ansicht, dass er letztlich über die nicht zu erfüllenden Erwartungen stürzte.

Ganz zum Schluss wagte Funkel dann sogar einen kleinen Scherz. "Irgendwann werde ich hier sitzen und werde über einen Auswärtssieg referieren", sagte der Coach. Und dann beendete er das Kapitel Eintracht Frankfurt: "Tja, das war’s. Tschüss zusammen."

Autor:  Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz
Datum:  23 | 5 | 2009
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2. Bundesliga
Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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