Es war so etwas wie der allerletzte Strohhalm, als der Frankfurter Trainer Michael Skibbe diesen jungen, langen Kerl zu sich holte. Ein, zwei Sätze kriegte er noch mit auf den Weg, dann ein Klaps auf den Hinten. Sieben Minuten waren noch zu spielen, er sollte halt versuchen, das Beste draus zu machen. 1:0 führten da die Bayern, und nichts, aber auch gar nichts deutete noch drauf hin, dass sich da was ändern sollte. Die Eintracht schien, nach einer klasse Leistung, ausgebrannt, die Beine wirkten schwer, immer seltener kam sie noch gefährlich vor das Tor. Juvhel Tsoumou, 19, Stürmer der U23-Elf, vierte Klasse, rannte auf den Rasen. Bislang hat er in dieser Saison noch keine einzige Sekunde bei den Profis gespielt, weder in der Liga noch im Pokal. Seine "Bulligkeit, sein Körper und sein Mut" hätten den Ausschlag gegeben, sollte Skibbe später sagen, deshalb habe er den Deutschen mit kongolesischen Wurzeln in diese hochklassige Partie gebracht. Letzter Strohhalm halt.
Vier Minuten und eine fast zufällige Ballberührung später war von Juvhel Tsoumou, 1,86 Meter groß und 86 Kilogramm schwer, nichts mehr zu sehen. Er war unter einem Berg Frankfurter Leiber begraben. Eben war er in eine zu knappe Rückgabe des 17-Jährigen David Alaba gespritzt, schon lag er der Ball nach einem Pressschlag mit Bayern-Torhüter Hans-Jörg Butt im Netz - 1:1 (87.). Doch das sollte nicht das Happyend sein. Das kam zwei Minuten später und wieder hatte da ein Joker seinen Fuß im Spiel: Martin Fenin. Er war nur unwesentlich früher als Tsoumou in die Partie gekommen, in der 74. Minute, und er sollte eine Minute vor Ultimo den 2:1-Siegtreffer erzielen. Es war "ein fantastisches Tor", aus spitzem Winkel erzielt, und wieder avancierte David Alaba, der österreichische Nationalspieler, zur tragischen Figur. Er griff Fenin einfach nicht an, dabei hatte der Frankfurter Stürmer den Ball gar nicht richtig unter Kontrolle. Dann eine halbherzige Körpertäuschung und schon schlug die Kugel, die Fenin mit Absicht leicht über den Spann hatte rutschen lassen, vom Innenpfosten ins Tor - 2:1. Die Eintracht hatte das Spiel gedreht, ein paar Sekunden später pfiff Schiedsrichter Michael Weiner die Partie ab. Ausgerechnet Fenin schoss das Siegtor, dabei lag doch hinter dem Tschechen eine fast achtmonatige Leidenszeit nach zwei Operationen an beiden Leisten. "Ich bin glücklich, das Tor erzielt zu haben, dass es gegen die Bayern war und zum Sieg führte, daran denkt man erst im nachhinein", sagte der Angreifer. Zu diesem Zeitpunkt war der Münchner Innenverteidiger Daniel van Buyten wegen einer Jochbeinprellung schon nicht mehr auf dem Platz. Er wird den Bayern in den nächsten Spielen fehlen.
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Es war ein hochverdienter Frankfurter Sieg, darüber gab es später keine zwei Meinungen. Selbst der seltsame Trainer des FC Bayern München, Louis van Gaal, räumte dies ein: "Man kann sagen, es ist verdient, aber wir haben das auch weggegeben. Das ist schade." Tatsächlich hatten die Bayern nach dem sehr frühen 1:0 durch Miroslav Klose (6.) praktisch das Fußballspielen eingestellt. Die großen Bayern verwalteten die Partie nur, sie taten nichts nach vorne, blieben fast die gesamte Spielzeit seltsam passiv, mitunter gar arrogant. Das sollte sich rächen: Es war nach 18 Spielen in Folge die erste Niederlage der Bayern in der Bundesliga, und zuletzt hatten die Münchner in den letzten drei Minuten ein Spiel noch verloren - im Champions League-Finale 1999 gegen Manchester United. Gegen die spielen sie übrigens im Viertelfinale erneut. Einzig Arjen Robben versprühte so etwas wie Torgefahr, aber er schien am Samstag auch nicht gerade besonders motiviert zu sein. Trotzdem: Ohne Robben hätten in den weißen Bayern-Trikots auch Spieler von, sagen wir, Borussia Mönchengladbach, stecken können. Die Bayern waren eine einzige Enttäuschung. Das mag auch an dem sehr couragierten Spiel der Frankfurter gelegen haben, die den Tabellenführer niemals in Ruhe ließen, ständig attackierten und am äußersten Limit spielten. Die Eintracht, und das war bemerkenswert, dominierten die Bayern mit spielerischen Mitteln. Dazu ging die durchaus gewagte Taktik von Trainer Michael Skibbe auf. Entgegen den Erwartungen ließ er den US-Amerikaner Ricardo Clark erneut auf der Bank, brachte statt seiner die Offensiven Caio und Marcel Heller, der in dieser Runde bislang exakt sieben Minuten zum Einsatz kam und am Ende dieser Saison wohl gehen muss. "Ich wollte ein Signal ausgeben, ich wollte nach vorne spielen", sagte Skibbe hinterher und freute sich ganz besonders darüber, dass "wir uns dieses Mal nicht ins Hemd gemacht haben". Tatsächlich hat es selten einen Sieg gegeben, der so verdient gewesen war wie der vom Samstag. Natürlich ist es Glück, wenn in den letzten 180 Sekunden die entscheidenden Tore fallen. Aber es war keinesfalls ein Glückssieg. Denn: Die Eintracht war die bessere Mannschaft, sowohl spielerisch, kämpferisch als auch taktisch. Die Bayern hätten zwar nicht "fünf, sechs Stück" kassieren müssen, wie der mal wieder überragende Chris sagte, aber schon zur Halbzeit hätten die Gastgeber in Führung liegen müssen. Sie lagen aber 0:1 zurück: Köhler, Caio, Altintop, Schwegler, Meier, Jung - sie alle hatten beste Möglichkeiten, ein Tor zu erzielen, scheiterten aber entweder an Butt, an einem Bayern-Bein oder schossen vorbei. Als überaus belebendes Moment entpuppte sich die Frankfurter rechte Seite, im Kern aus der puren Not geboren, weil die etatmäßigen Spieler Maik Franz und Patrick Ochs gesperrt zusehen mussten. Doch Sebastian Jung, den Skibbe eigens hervorhob ("Er war herausragend"), und eben Heller machten ihre Sache auf dem Flügel ausgesprochen gut. "Heller hat richtig gute Aktionen gehabt", lobte Skibbe hinterher. "Heute hat man gesehen, was sich mit Mut und Schnelligkeit alles erreichen lässt." Auch Klubchef Heribert Bruchhagen nannte in erster Linie zwei Komponenten als Grund für die nicht kalkulierten drei Punkte: Das Aufbauspiel nach vorne und eben die rechte Seite. "Das spielerische Element hat heute den Ausschlag gegeben", sagte Bruchhagen. Und die bessere Qualität hatten überraschenderweise die Frankfurter. "Das Spiel war hochgradig erfreulich." Dass die Hessen vornehmlich über ihre Schokoladenseite, eben die rechte, kamen, war volle Absicht. Man habe gewusst, dass die linke bayerische Seite die schwächere ist, mit Alaba und Danijel Pranjic, sagte der Coach. "Wir wollten den Schnelligkeitsvorteil über rechts nutzen", sagte Skibbe. Ein Konzept, das aufging: Beide Treffer fielen über rechts, fast alle gefährlich Situationen entstanden auf diesem Flügel.
"Es ist natürlich total schön, wenn man gegen die Bayern gewinnt und auch noch so total verdient", war Skibbe hinterher "mächtig zufrieden" mit dem Spiel. Für ihn war es auch ein ganz besonderes Erlebnis, denn solange er als Trainer arbeitet, war ihm noch nie ein Sieg über die Bayern gelungen. "Es war eines unserer besten Spiele", sagte der Fußball-Lehrer. Eines der besseren, aber nicht das beste. "Das war die Partie in Dortmund." Ums Haar wäre es aber gegen die Bayern doch wieder schiefgegangen. Doch dann kam Juvhel Tsoumou. Der Junge konnte nicht viel feiern nach der Partie. Am Sonntag muss er schon wieder ran. Mit der U23, vierte Liga, gegen Bayern Alzenau.
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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