Das größte Sorgenkind der Eintracht hat keine zehn Minuten gebraucht an diesem nasskalten Wintersamstag, um einem spielerisch äußerst ärmlichen Spiel seinen Stempel aufzudrücken: 54 langweilige Minuten waren im Wildpark absolviert, da ging Patrick Ochs das erste Mal auf rechts steil. Seine Flanke, im Grunde nur scharf, weniger platziert, wurde von der Karlsruher Hintermannschaft nicht weit genug geklärt.
Der Ball hüpfte zu Caio, zur Pause für den schwachen und gelb-rot gefährdeten Nikola Petkovic gekommen, und der Brasilianer nahm Maß: Der Kunstschuss mit links sauste ins Karlsruher Netz, so knapp zwischen Pfosten und Latte, dass "keine Bild-Zeitung dazwischen" gepasst hätte, wie KSC-Schlussmann Markus Miller später sagte.
"Das war kein Zufallstor", sagte Klubchef Heribert Bruchhagen, "den wollte er genau dort hinschießen." KSC-Torhüter Miller musste darüber schmunzeln: "Wenn er das gewollt hat, war es überragend." Trainer Friedhelm Funkel relativierte wieder schnell: "Das Tor war gut gemacht, ansonsten aber ist Caio weder auf- noch abgefallen." Das mag zwar im Kern stimmen, man hätte es aber auch ein wenig freundlicher formulieren können.
Not spielte gegen Elend
Denn Caios Volltreffer war die Entscheidung. Und einer der ganz, ganz wenigen Höhepunkte in einem lausigen Fußballspiel. Eintracht Frankfurt ging es nach dem verpatzten Rückrundenstart zunächst einzig und allein darum, nicht auch diese Partie noch zu verlieren. Trainer Friedhelm Funkel rührte mächtig Beton an: Er beorderte einen zweiten defensiven Mann (Junichi Inamoto) ins Mittelfeld, vorne rieb sich Nikos Liberopoulos allein auf weiter Flur auf, Martin Fenin wurde auf den linken Flügel geschickt und Mehdi Mahdavikia offenbar strikt untersagt, auch nur einen Pass nach vorne zu spielen.
Was folgte, war ein fußballerisches Armutszeugnis, Not spielte da gegen Elend, denn auch der KSC war alles andere als ein gut aufgelegter Widerpart. "Das ist alles egal. Wir wollten heute effektiv sein, da muss man auch mal über Schönheit hinwegsehen", sagte Torhüter und Kapitän Markus Pröll. Interessanterweise hatte Pröll während der 90 Minuten nicht sonderlich viel zu tun, seine größte Leistung vollbrachte er, als die Partie noch gar nicht freigegeben war.
Feuerwerkskörper flogen auf das Spielfeld
Unmittelbar vor dem Wiederanpfiff hatten einige Unverbesserliche aus dem Frankfurter Fanblock Feuerwerkskörper auf das Spielfeld geschossen, Kanonenschläge hallten durch den altehrwürdigen Wildpark, und als auch noch eine Leuchtrakete gefährlich nahe bei KSC-Torhüter einschlug, schickte Schiedsrichter Michael Weiner die Spieler für zwei Minuten wieder vom Feld. Gleichzeitig forderte er Pröll auf, beschwichtigend auf die Fans einzuwirken. "Ich habe sie um Vernunft gebeten", sagte Pröll. Nach ein paar Minuten war der Spuk zu Ende, der den KSC und die Eintracht sicherlich ein paar Tausend Euro Strafe kosten wird. "Ich werde es nie begreifen, dass Leute mit dem Willen ins Stadion gehen, so etwas zu tun", sagte der Vorstandsvorsitzende Bruchhagen. Funkel nannte diese Leute "Chaoten".
Fußball wurde auch gespielt, zwar nur in homöpathischen Dosen, aber immerhin. "Das war heute ein sehr, sehr glücklicher Sieg", resümierte Funkel zu Recht. Außer dem Volltreffer von Caio brachten die Frankfurter in der Offensive kaum was auf die Beine, einmal strich ein Fenin-Schuss noch am Tor vorbei. Mehr war nicht. Die Karlsruher war in der letzten Viertelstunde dem Ausgleich nahe, doch auch sie hatten nicht gerade einen Sahnetag erwisch. "Zum erfolgreichen Fußballspiel gehört halt auch, mal das Tor zu treffen", gab KSC-Trainer Edmund Becker eine Binsenweisheit zum Besten.
Bruchhagen: "Extrem wichtiger Sieg"
Den Frankfurter war es natürlich einerlei, wie der Sieg zustande gekommen war: Die Steine waren laut zu hören gewesen, die allen Beteiligten nach dem wichtigen Sieg von den Schultern gefallen waren. Zumal die Konkurrenz durchweg gewonnen hatte. Der Vorsprung der Hessen auf einen Relegationsplatz beträgt jetzt wieder fünf Punkte, das ist nicht viel. Andererseits war der Sieg "extrem wichtig" (Bruchhagen). Nicht auszudenken, die Eintracht hätte diese Begegnung verloren, sie hätte so tief wie lange nicht mehr im Abstiegsschlammassel gesteckt.
Nun kann Eintracht Frankfurt wenigstens für einen Moment durchschnaufen. Aber nicht sehr lange: Am nächsten Samstag kommt der FC Schalke 04 - und in dieser Saison können die Frankfurt ganz offensichtlich nur gegen Mannschaften gewinnen, die unter ihnen stehen. Schalke gehört nicht dazu.
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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