Die allerletzte Minute eines heiß umkämpften, dennoch torlosen Spiels war angebrochen, als das zu passieren schien, was sich jeder Trainer wünscht: Die unterlegene Mannschaft fährt einen letzten Konter, schließt ihn mit dem Siegtor ab und gewinnt die Partie. Fast wäre es so in Köln gekommen, Benjamin Köhler legte da in der 93. Minute nicht ganz perfekt quer auf den mitgelaufenen Alexander Meier, sechs, sieben Meter vor dem Tor, doch dem Schlaks sprang der Ball ein klein wenig zu weit weg vom Fuß. Ein Kölner Verteidiger blockte den Schuss noch ab. Danach pfiff Schiedsrichter Manuel Gräfe die Partie ab.
Wahrscheinlich wäre das ein bisschen des Guten zu viel gewesen. Auch so war Eintracht Frankfurt zufrieden mit dem Punkt. "Das war fußballerisch nicht wirklich ein Hochgenuss, aber unglaublich intensiv", fasste Eintracht-Trainer Michael Skibbe die 93 mehr oder weniger packenden Minuten zusammen. "Wir haben das 0:0 exzellent verteidigt." Die Frankfurter freuten sich vor allem darüber, dass sie die Begegnung in Unterzahl nicht noch verloren hatten. Es war eine lange Weile Unterzahl, 35 Minuten, um genau zu sein.
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Und das kam so: In der 54. Minute spielt Meier in der Vorwärtsbewegung einen katastrophalen Querpass an der Mittellinie, Fabrice Ehret spritzt dazwischen und geht aufs Frankfurter Tor zu. Patrick Ochs setzt nach und holt den Kölner Spieler von hinten rüde von den Beinen. Die logische Konsequenz: Rote Karte. Über die Berechtigung des Platzverweises gab es keine zwei Meinungen, Skibbe sprach hinterher von "einer harten, aber sicherlich vertretbaren" Entscheidung, Klubchef Heribert Bruchhagen war gar ziemlich angefressen über diese dumme Aktion: "Patrick muss sich fragen, ob das gut für die Mannschaft war."
Der rote Renner wird mit bis zu vier Spielen Sperre rechnen müssen, weil er zum einen Wiederholungstäter ist - schon bei der 0:5-Pleite in der Rückrunde gegen Werder Bremen flog er vom Platz - und sich zum anderen Fabrice Ehret verletzt hatte: Der linke Mittelfeldspieler musste mit Verdacht auf Bänderriss ausgewechselt werden. Eine interne Strafe wird es für Ochs nicht geben. Ochs selbst empfand sein Foulspiel als nicht so gravierend: "Eine Gelbe Karte hätte es auch getan. Ich wollte ihn nicht verletzen. Es war ein taktisches Foul, ich wollte nur das Spiel unterbinden. Ich komme nur von der Seite.
Da kann man auch mal ein Auge zudrücken." Eigentlich nicht. Immerhin hatte sich der Kollege Meier noch in der Kabine bei Patrick Ochs für seinen Fehlpass entschuldigt und Ochs später beim Kölner Ehret. Hilft aber auch nicht mehr. Für den Hitzkopf kam Maik Franz ins Team, der sich sofort einfügte, sich die obligatorischen Scharmützel mit seinen Gegenspielern lieferte, ansonsten aber den Part hinten rechts gut interpretierte.
Schon beim VfL Wolfsburg hatte er auf der rechten Verteidigerposition gespielt. Das habe er vor seiner Einwechslung auch Skibbe gesagt, der ihn eigentlich ins Zentrum beordern wollte und Marco Russ auf rechts. "Ich bin ein Mann für alle Fälle", sagte der Ex-Karlsruher. Womöglich spielt er auch in den nächsten Wochen auf dieser Position. "Er hat jetzt einen kleinen Bonus", sagte Skibbe. Konkurrenten sind noch Sebastian Jung und Pirmin Schwegler, sofern er rechtzeitig fit wird.
Die Mannschaft hat sich gut verkauft
Dessen ungeachtet schwang sich die Eintracht danach zu einer sehr respektablen, kämpferisch starken Leistung auf. "Toll, die Mannschaft hat sich in Unterzahl mächtig gut verkauft", lobte Skibbe. Jeder Spieler legte noch einen Schippe extra drauf, vor allem die Innenverteidigung um Aleksander Vasoski und Marco Russ sowie Chris als Staubsauger vor der Abwehr ragten heraus und sorgten im Grunde dafür, dass der 1. FC Köln zwar klar feldüberlegen war, aber im zweiten Abschnitt keine ernsthafte Chance hatte.
In der Statistik steht bei Kölner Schüssen aufs Frankfurter Tor: eins. Oka Nikolov, der souveräne Torhüter, hatte keinen schweren Ball zu halten gehabt. "Köln war über weite Strecken die bessere Mannschaft, aber zwingende Torchancen hatten sie auch nicht", sagte Marco Russ, der Punkt sei durchaus verdient. Die Eintracht verdiente ihn sich durch eine engagierte, kämpferische Leistung, spielerisch ging nur in der ersten Hälfte etwas.
Da kombinierten die Frankfurter zeitweise ordentlich, aber auch sie hatten kaum eine ernsthafte Möglichkeit. Zwei halbe Möglichkeiten des überraschend aufgebotenen Nikos Liberopoulos blieben die einzige Ausbeute. Glück hatten die Frankfurter ganz am Anfang, als Milivoje Novakovic eine Ehret-Hereingabe um Haaresbreite verpasste. "In der zweiten Halbzeit haben wir zu schlecht nach vorne gespielt", urteilte Skibbe. Trotzdem hatte Klubchef Heribert Bruchhagen Mitte der zweiten Halbzeit Sorgen, dass "noch einer durchrutschen könnte". Allerdings waren die Kölner nur bei Standardsituationen gefährlich, aus dem Spiel heraus lief bei ihnen wenig zusammen.
Nach drei Spielen ohne Niederlage und fünf Punkten bei zwei Auswärtsspielen kann der Start in die Runde für Eintracht Frankfurt als durchaus gelungen bezeichnet werden. "Darauf lässt es sich aufbauen", sagte auch Kapitän Christoph Spycher, auch wenn seriöse Rückschlüsse auf die neue Runde noch nicht gezogen werden können. Drei Spiele sei noch "nicht aussagekräftig", meinte Skibbe, trotzdem sei das Ergebnis durchaus positiv. "Das war okay heute", sagte auch Ioannis Amanatidis, dem freilich in der zweiten Hälfte kaum etwas gelungen war. Aber da ging es ja nur darum, den Punkt festzuhalten. "Die Mannschaft hat Charakter bewiesen", sagte Spycher.
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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