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Eintracht-Kolumne: Empfindlicher Rückschlag

Die unerwartete 1:2-Heimpleite gegen Mönchengladbach hat Frankfurt "empfindlich" getroffen, sagt Klubchef Bruchhagen. Rutschen die Hessen zum Ende der Hinserie in Abstiegsgefahr? Von T. Kilchenstein und I. Durstewitz

Eintracht-Mann Russ hat leider für ein Eigentor gesorgt.
Eintracht-Mann Russ hat leider für ein Eigentor gesorgt.
Foto: dpa

Wenn nicht alles täuscht, rückt der verlängerte Winterurlaub für die Fußballer von Eintracht Frankfurt in weite Ferne. Trainer Michael Skibbe hatte bekanntlich seinen Spielern Ferien bis zum 2. Januar versprochen, falls sie die Hinserie mit mindestens 23 Punkten beenden. Im Augenblick haben sie 16 Zähler auf dem Konto, und bis zum Ende der Hinrunde kurz vor Weihnachten stehen noch vier Spiele aus - in Berlin, gegen Mainz, in Hoffenheim, gegen Wolfsburg. Da müssten die Hessen sich schon mächtig strecken, diese Zielvorgabe noch zu erreichen. Sehr viel wahrscheinlicher ist nun, dass sie schon am 28. Dezember im alten Jahr wieder die Fußballschuhe hervorkramen müssen. Um auch über Neujahr die Beine hochlegen zu können, hätten die Hessen die drei Punkte im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach schon einfahren müssen. Taten sie aber nicht.

Am Ende musste die Eintracht eine 1:2 (0:0)-Niederlage hinnehmen. Die Niederlage war nicht zwingend, aber auch nicht ganz unverdient, die Eintracht hatte durchaus vier, fünf vielversprechende Tormöglichkeiten. Sie nutzte sie jedoch nicht. "Das muss eigentlich für ein gutes Ergebnis reichen", urteilte der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen. Doch den Frankfurtern fehlte einer, der diese Chancen auch in Tore hätte ummünzen können. "Amanatidis oder Liberopoulos hätten wohl den einen oder anderen reingeschossen", haderte Trainer Michael Skibbe mit der fehlenden Durchschlagskraft im Angriff, teilweise sahen die Bemühungen der "Ersatzstürmer" arg hanebüchen aus. Gerade in der ersten Halbzeit boten sich Pirmin Schwegler, Ümit Korkmaz oder Caio respektable Möglichkeiten, und wer weiß, wie ein gestandener, etatmäßige Stürmer mit diesen Chancen umgegangen wäre. Höhepunkt der Unzulänglichkeit war das Schüsschen von Korkmaz von der Strafraumgrenze. Der Österreicher schlenzte da in der 40. Minute die Kugel genau in die Arme des Gladbacher Torwarts Logan Bailly, statt flach in die linke oder rechte Ecke zu zielen. "Ich war da so aufgeregt", sagte er treuherzig. In seinem ersten Saisonspiel von Anfang glänzte er zwar nicht, sorgte aber mit seinen Dribblings für Unruhe. Pech hatte die Eintracht auch noch: Einen Kopfball von Alexander Meier kratzte der Gladbacher Jean-Sebastien Jaures von der Linie (43.). Dies sollte sich rächen.

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"Alles ganz normal: Man gewinnt nicht zwangsläufig jedes Heimspiel gegen einen Gegner auf Augenhöhe..." Mehr

Gladbach war zwar auch nicht viel zwingender, doch im entscheidenden Moment stellten sich die Borussen cleverer und kaltschnäuziger an. "Wir waren sehr effizient", lobte Gäste-Trainer Michael Frontzeck. Vor allem hatten sie auch Glück. Denn das 0:1 resultierte aus allerlei Frankfurter Fehlleistungen, erst ließen sich Chris und Maik Franz zu leicht von Karim Matmour düpieren, dann knallte Marco Russ den Ball beim Versuch, ihn aus der Gefahrenzone wegzuschlagen, genau in Oka Nikolovs Gesicht - von wo aus er hinter die Linie rollte. "Ich gehe davon aus, dass das ziemlich bescheuert aussah", sagte Verteidiger Russ. Auch beim 0:2 sah der lange Vorstopper nicht gut aus: Er sprang unter einer Flanke hindurch, Roel Brouwers köpfte ein (66.). Es war die Entscheidung, auch weil die Eintracht nicht in der Lage war, ernsthaft Druck auf das gegnerische Tor zu entwickeln. Torwart Bailly wurde im Grunde nie ernsthaft geprüft, einmal hatte er Glück, als ein Kopfball vom Alleinunterhalter im Sturm, Alexander Meier, vom Innenpfosten zurück ins Feld prallte - und Benjamin Köhler, der den Ball dann ins Tor schoss, im Abseits stand. Der einzige Treffer der Eintracht - ein von Pirmin Schwegler verwandelter Handelfmeter (86.) - kam zu spät, um der Partie noch einmal eine Wendung zu geben - selbst wenn Oka Nikolov in der Schlussphase mitstürmte. "Das ist eine Niederlage, die uns hart trifft", fasste Bruchhagen die 90 ernüchternden Minuten zusammen.

Haben womöglich die schweren Klatschen von Leverkusen und zu Hause gegen Bayer München nachgewirkt? Oder ist die Heimniederlage gegen eine Mannschaft auf Augenhöhe allein mit der personellen Misere im Angriff zu erklären? Pirmin Schwegler, auffälligster Frankfurter Spieler, aber bei weitem nicht so stark wie sonst, will eine generelle Verunsicherung innerhalb der Mannschaft ausgemacht haben. "Wir hatten nicht so viel Zutrauen. Das lag sicher an den Ergebnissen zuletzt." Der 22 Jahre alte Neuzugang will erst gar keine Debatte über Stürmernot aufkommen lassen. "Wir dürfen nicht jammern, wir dürfen nicht über die Spieler sprechen, die nicht da sind. Wir müssen die Spieler stark reden, die uns zur Verfügung stehen." In diese Kerbe schlug auch Kapitän Christoph Spycher. "Die Mannschaft wird enger zusammenrücken. Und ich bin mir sicher, die Mannschaft wird noch zu ihren Punkten kommen. Ich habe keine Lust, nach jedem Spiel das Gleiche zu diskutieren. Wir haben uns als Mannschaft ein Saisonziel gesetzt, dazu muss die Mannschaft stehen, dazu stehe ich." Das Ziel lautet bekanntlich: 46 Punkte. Die scheinen derzeit so weit weg wie der Mond.

Eintracht Frankfurt - Borussia Mönchengladbach 1:2

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Womöglich wäre Eintracht Frankfurt auch gut beraten, in die andere Richtung zu schauen. Der Trend läuft eindeutig gegen die Hessen, dazu kommt am nächsten Samstag das Spiel bei Hertha BSC Berlin und dem alten Trainer Friedhelm Funkel. "Es ist ein Abstiegstrend zu sehen", sagte Schwegler. Bruchhagen sieht es ähnlich: "Wir haben immer den Blick nach unten. Das machen wir permanent so." Vor allem, seitdem es eben in Frankfurt seit Samstagnachmittag nicht mehr den Automatismus gibt, die Klubs auf Augenhöhe zu schlagen. "Wir gewinnen ja nicht grundsätzlich gegen die Mannschaften um uns herum", sagte Bruchhagen.

Während der Klubchef also schon die Gefahr sieht, noch einmal hinten reinzurutschen, blendet Skibbe dies völlig aus. "Um Gottes Willen", sagte er, schier entgeistert, auf die Frage, ob sein Team jetzt in die Abstiegszone geraten könnte. "Ganz bestimmt nicht. Wir haben ein gutes Polster an Punkten, das wollen wir festigen und ausbauen. Schon in Berlin." Da ist immerhin Nikos Liberopoulos, dessen Vater am Samstag beerdigt wurde, wieder dabei. Ein Lichtstreif am Horizont. Mehr aber auch nicht.

Autor:  Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz
Datum:  21 | 11 | 2009
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Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
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