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Eintracht-Kolumne: Grenzen aufgezeigt

Die Frankfurter Eintracht hat von abgezockten Schalkern ihre Grenzen aufgezeigt bekommen. Just als die Hessen auf den Ausgleich drängten, konterte Königsblau eiskalt. Nun wird die Eintracht nach unten durchgereicht.

Durcheinander im Strafraum: Nikolov (von links), Chris, Schalkes Joel Matip und Frankfurts Alexander Meier.
Durcheinander im Strafraum: Nikolov (von links), Chris, Schalkes Joel Matip und Frankfurts Alexander Meier.
Foto: dpa

Es waren vielleicht 20, höchstens 30 Zentimeter. Derart knapp rollte der Ball am Schalker Pfosten vorbei, so wenig trennte die Eintracht vor dem 2:2-Ausgleich. Eine Stunde war gespielt, als Alexander Meier von Patrick Ochs am rechten Flügel, aber schon im Schalker Strafraum, eingesetzt wurde. Meier passte die Kugel flach und scharf herein, hinten am langen Pfosten lauerte der einschussbereite Marco Russ. Er hätte nur noch den Fuß hinhalten brauchen, selbst ein Tannenbaum hätte dieses Tor erzielt, es war so sicher wie das Amen in der Kirche. Doch dann fuhr der Schalker Nationalverteidiger Benedikt Höwedes sein langes Bein aus und grätschte die Kugel haarscharf neben den Pfosten zur Ecke. Er musste allerhöchstes Risiko gehen, ums Haar hätte er ein astreines Eigentor fabriziert. Doch er hatte das Glück, wahrscheinlich auch das Können, diese Situation so entschärfen zu können. Wer weiß also, wie diese Partie ausgegangen wäre, hätte die Eintracht da den Ausgleich erzielt. "In dieser Situation hatten wir großes Glück, der Sieg war aber keinesfalls glücklich", sagte der Schalker Trainer Felix Magath, in Frankfurt kein Unbekannter. Bis 2001 leitetet er die Hessen an.

Nein, der 4:1 (2:0)-Sieg der Schalker in Frankfurt war alles andere als unverdient, darüber gab es keine zwei Meinungen. Er mag ein Tor zu hoch ausgefallen sein, aber die Knappen hatten die bessere Spielanlage, sie waren cleverer und abgezockter und schafften es, mit fünf Schüssen aufs Tor vier Treffer zu erzielen. Es war zudem der erste Auswärtssieg der Schalker in diesem Jahr. Den Gästen spielte die Eintracht aber auch perfekt in die Karten. Die erste Halbzeit hatten die Hessen komplett verschlafen, nach einer Viertelstunde war die Messe eigentlich gelesen. Natürlich schlugen die Schalker nach zwei Standardsituation zu, erst nach einer kurz gespielten Ecke durch den langen Joel Matip (12.), dann nach einem Freistoss von Lukas Schmitz durch Höwedes (18.). "Bei denen sind sieben Mann über 1,90 Meter groß", stellte der Brasilianer Chris beeindruckt fest. Kein Wunder, dass man da bei ruhenden Bällen leicht ins Hintertreffen geraten kann. Genau das aber wollte Trainer Michael Skibbe auf alle Fälle verhindern, genau das hat er seinen Mannen in dieser Woche immer wieder eingetrichtert. Ohnehin wollte die Mannschaft ganz anders auftreten. "Von der ersten Halbzeit war ich restlos bedient. Da haben wir uns eine Menge versaut. Das war richtig schlecht. Wir haben genau das Gegenteil von dem gemacht, was wir uns vorgenommen haben", deckelte Skibbe sein Team. In der Halbzeitpause war der Trainer auch richtig laut geworden. "Natürlich war er laut", sagte Patrick Ochs, er hatte vollstes Verständnis für den Ausbruch des Fußballlehrer. "In der ersten Halbzeit haben wir Scheiße gespielt", sagte der rechte Mittelfeldspieler, der sich überraschend mit Rafinha auseinander zu setzen hatte. Magath hatte in die taktische Trickkiste gegriffen und den eigentlichen rechts verteidigenden Rafinha auf links gestellt, wo er sehr effektvoll die Kreise von Ochs störte. Tatsächlich klappte in den ersten 45 Minuten so gut wie nichts: Die Eintracht stand neben sich, reagierte nur, spielte pomadig quer und ohne jede Inspiration. "Da sind wir nur wie ein Scheibenwischer den Bewegungen des Balles gefolgt", zürnte Skibbe. Viel "zu passiv" habe man sich da verhalten, fand auch Chris, mal wieder einer der wenigen, die richtig gut waren.

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Warum sich die Eintracht diese Schlafmützigkeit im ersten Abschnitt leistete, vermochte hinterher keiner zu sagen. "So ist Fußball eben", sagte Ochs eher hilflos, man komme zu spät in die Zweikämpfe, spiele einen schlechten Pass, und schon laufe man hinterher. Im Grunde waren die ersten 45 Minuten ein krasser Rückfall in eigentlich überwunden geglaubte Zeiten aus der Hinrunde, als die Hessen gegen Mannschaften wie Stuttgart, Leverkusen oder Bayern binnen kürzester Zeit regelrecht vorgeführt wurde. "Heute haben wir in der ersten Halbzeit unter dem Niveau der Rückrunde gespielt", sagte Skibbe.

Dass der Frankfurter Fußball-Lehrer nicht restlos frustriert war, lag daran, dass sich die Eintracht in der zweiten Halbzeit "am Riemen gerissen" hatte. Nach der Standpauke beim Pausentee trat eine andere Eintracht auf. Auf einmal entwickelte sie den Druck, der erforderlich ist, um auch so eine starke Mannschaft wie Schalke 04 in die Bredouille zu bringen. Auf einmal wackelte auch Schalke. Caio, der nach der Pause für Benjamin Köhler ins Spiel kam, hatte da kurzfristig einen Löwenanteil. Seine Einwechslung brachte gleich frischen Wind, er war es auch, der den Anschlusstreffer durch Alexander Meier (52.) mit einem Dribbling und anschließenden Pass auf Ochs vorbereitete. Auf einmal schien es so, als ginge noch was. "Da hat die Mannschaft Charakter und Herz gezeigt", lobte auch Kapitän Christoph Spycher. Jetzt war die Eintracht Chef im Ring, da sah man, dass sie Schalke 04 durchaus Paroli hätte bieten können. Halili Altintop, die Schalker Leihgabe taute auf, Ochs drosch seine Hereingabe volley neben das Tor. Schalke wackelte - aber fiel nicht. Und dann kam die ominöse 60. Minute, als Höwedes in allerletzter Sekunde klärte. Da hatten die Frankfurter klar Oberwasser. Aber der Ausgleich wollte nicht fallen. Mehr und mehr konnten sich Gäste aus der Umklammerung befreien und ihrerseits mit Kontern für Gefahr sorgen. Der bärenstarke Edu, vom VfL Bochum und Mainz 05 aussortiert und nach Japan abgeschoben, ehe ihn Magath in die Bundesliga zurückholte, setzte Kevin Kuranyi auf dem Flügel ein, der passte quer in die Mitte, wo der weitgehend unauffällige Ivan Rakitic keine Mühe hatte, die Partie zu entscheiden - 3:1 (80.). Kuranyi setzte dann eine Minute vor Ultimo den Schlusspunkt unter eine Partie, in der die Eintracht die Grenzen aufgezeigt bekam. "Schön, dass ich mein gutes Spiel mit einem Tor gekrönt habe", sagte Kuranyi nach seinem 13. Saisontreffer.

Schalke führt Eintracht vor

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Die im Vorfeld als Lackmustest apostrophierten Spiele gegen die Großen im Klassement dürften die Frankfurter ernüchtert haben. Der Traum von Europa dürfte binnen dieser drei Wochen entgültig ausgeträumt sein, ein Punkt aus den Spielen gegen den HSV, den VfB Stuttgart und Schalke sind schlicht zu wenig, wenn man höhere Ambitionen anmelden möchte. Und vom Ergebnis war die Ausbeute sogar identisch mit jener aus der Hinrunde. Die Mannschaft hat sich also im Niemandsland der Tabelle eingependelt, sie ist bereits vom VfB Stuttgart überholt worden und wenn die TSG Hoffenheim am Sonntag den FSV Mainz 05 schlägt, stehen die Kraichgauer ebenfalls vor die Eintracht. Niemandsland freilich will Skibbe nicht gelten lassen, das "hat einen negativen Beigeschmack. Wir haben uns da etabliert, wo wir uns selbst einschätzen". Ein Platz auf der europäischen Fußball-Bühne war ohnehin ernsthaft nie ein Thema. Auch heute habe man wieder gesehen: "Diese Mannschaften stehen deutlich vor uns", resümierte Skibbe. Ohnehin habe man "noch reichlich zu arbeiten, um unser Ziel 46 Punkte zu erreichen", sagte der Eintracht-Trainer.

Er wollte den unerfreulichen Nachmittag aber nicht ohne ein positives Fazit beschließen. "Im Vergleich zur Hinrunde ist die Mannschaft ein gutes Stück nach vorne gekommen", auch heute habe man dem Tabellenzweiten bis zur 80. Minute sehr ernsthaft Paroli geboten - selbst wenn Eintracht Frankfurt am Ende mal wieder mit leeren Händen dastand.

Womöglich sollte Klubchef Heribert Bruchhagen das beherzigen, was ihm der Schalker Trainer Felix Magath ganz zum Schluss ausrichten ließ. "Einen schönen Gruß an Herri, er soll langsam mal in die Tasche greifen." Macht der Herri jetzt ganz bestimmt.

Autor:  Thomas Kilchenstein und Jörg Hanau
Datum:  6 | 3 | 2010
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Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
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