Die schwarze Serie bei den Mausgrauen ist gerissen. Eintracht Frankfurt hat am Freitagabend nach 15 langen Jahren mal wieder beim VfL Bochum gewonnen, hochverdient. Nach 90 einseitigen Minuten im Herzen des Ruhrpotts behielten die Hessen mit 2:1 (1:1) die Oberhand, Marco Russ und Caio schossen die Eintracht zum zweiten Sieg binnen sechs Tagen und nur drei Punkte hinter den auf dem sechsten Platz rangierenden Hamburger SV. In Frankfurt blühen wieder zaghafte Träume von Europa. Die Eintracht liegt auf der Lauer.
Die Frankfurter Fans waren aus dem Häuschen, noch eine knappe Dreiviertelstunde nach dem Abpfiff verharrten gut 1500 Anhänger in der Kurve und forderten lautstark die Mannschaft. Die ließ sich, frisch geduscht, auch noch mal blicken und feierte ausgelassen mit den Fans. Es herrschte eine besondere Atmosphäre. "Das ist einfach toll", sagte Trainer Michael Skibbe. Der Frankfurter Vorstandschef Heribert Bruchhagen war angetan von der Leistung seines Teams. "Außergewöhnlich war die Souveränität mit der wir aufgetreten sind", sagte er. "Michael Skibbe hat alles richtig gemacht, auf die spielerische und weniger auf die kämpferische Komponente zu setzen."
Die Frankfurter nahmen den Schwung aus dem Bayern-Spiel mit, sie traten mit einer Brust auf, die sicher nicht breiter sein kann. Da wurde kein einziger Ball unüberlegt durch das Stadion gebolzt, jede Aktion schien durchdacht, zumeist passten die Hessen den Ball direkt und schnörkellos, fast sah es schon ein bisschen überheblich aus, was die Frankfurter Spieler da auf den Rasen warfen, sie berauschten sich ein klein wenig an ihrem schönen Spiel - das fußballerische Übergewicht war frappierend. Trainer Michael Skibbe war denn auch hoch zufrieden: "Unsere beste Qualität ist der spielerisch starke Kader. Wir haben unser Spiel von der ersten bis zur letzten Minute durchziehen können." Bruchhagen pflichtete bei: "Das war schön anzusehen." In der Tat.
Nach zehn Minuten schien die Partie schon zu kippen, da schickte der starke Benjamin Köhler den erstmals seit dreieinhalb Monaten wieder in der Startelf stehenden Ümit Korkmaz mit einem herrlichen Außenristpass auf die Reise, dessen scharfe Hereingabe brachte Alexander Meier nicht unter Kontrolle. Es schien eine Frage der Zeit, wann das erste Tor fallen würde. Es fiel dann auch, noch in derselben Minute - für den VfL Bochum. Vahid Hashemian setzte sich am rechten Flügel gegen die etwas tollpatschig verteidigenden Marco Russ und Benjamin Köhler durch, sein Zuspiel verwertete Lewis Holtby. Der Spielverlauf war auf den Kopf gestellt.
Die Hessen ließen sich allerdings nicht aus der Ruhe bringen, sie spielten mit dem VfL weiterhin Katz und Maus, das erinnerte schon an ein Trainingsspiel, es war teilweise eine Vorführung. Caios Distanzschuss strich nach 24 Minuten noch Zentimeter am Pfosten vorbei, fünf Minuten später klingelte es dann im Bochumer Kasten. Köhler, als linker Verteidiger sehr umsichtig und ungemein ballsicher, zirkelte einen Freistoß in den Strafraum, Marco Russ verlängerte per Kopf zum Ausgleich. Ausgerechnet die beiden, die den Rückstand verschuldeten, machten ihn durch gemeinschaftliches Werken auch wieder wett. "Wir haben richtig stark und clever gespielt," meinte Russ. "Wenn wir so spielen, hat es jeder Gegner schwer."
Die Bochumer Zuschauer hatten daher alsbald die Nase voll von dem hasenfüßigen Auftritt ihrer Mannschaft, sie pfiffen sie noch vor der Halbzeit aus. Da hätten die Gastgeber schon zurückliegen müssen, Caio leitete einen schnellen Konter ein, er rannte mit dem Ball am Fuß schneller als alle Bochumer und behielt auch noch den Überblick, steckte durch zu Korkmaz, doch der Österreicher versuchte es alleine vor VfL-Torwart Philipp Heerwagen mit einem Lupfer - der ging aber einen guten Meter über die Latte (37.).
Das war schon fast fahrlässig. So ging es, das war fast zu erwarten, nicht weiter, die Bochumer bissen sich ins Spiel zurück. Die Eintracht blieb aber das reifere Team. Und sie ging, fast zwangsläufig, in Führung. Der spielfreudige Caio, ohnehin an den wichtigen Situationen beteiligt, zimmerte den Ball mit rechts aus 20 Metern flach ins Tor (64.). 2:1. Die Entscheidung. Es war der fünfte Auswärtssieg der Eintracht. Und natürlich wurde hinterher wieder gefragt, wie es denn mit den Träumen vom Europapokal aussehe. "Mal sehen, was noch geht", sagte Russ. "Uns muss man erstmal schlagen." Und selbst Bruchhagen, der nüchterne Funktionär, gab so ein bisschen seine Zurückhaltung auf: "Es müsste schon einiges zusammenkommen, da müssen wir auch auf eine Krise der vor uns stehenden Mannschaften hoffen. Aber es wäre ja töricht, wenn wir nicht nach diesen Plätzen schielen würden. Wenn wir unsere Leistung aus den Spielen gegen Bayern und Bochum konservieren können, haben wir gute Chancen." Neue Töne in Frankfurt.
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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