Am Ende spielte Benjamin Köhler dann den berühmten No-look-Pass, wahrscheinlich wusste der kleine, schlaue Techniker genau, dass dort draußen halbrechts Alexander Meier völlig frei wartete.
Zentimetergenau kam der Pass mit links, Meier täuschte kurz an, Freiburgs Torhüter Simon Pouplin tauchte ins Leere und Meier, ohnehin einer der stärksten Frankfurter, schob die Kugel ins leere Tor. Das war es dann auch, ein paar Sekunden später pfiff der Schiedsrichter ab: Eintracht Frankfurt hatte im Schwarzwald drei Punkte eingetütet, die Hessen bleiben weiterhin ungeschlagen, und Trainer Michael Skibbe durfte unwidersprochen feststellen: "Wir wollen uns jetzt da oben festbeißen."
Da oben ist Platz drei, und zumindest bis zum Sonntagnachmittag wird sich da auch nichts ändern. Die Eintracht auf Platz drei, vor den Bayern, Stuttgart, Schalke und Hoffenheim - an solch eine Platzierung muss man sich erst noch gewöhnen.
Hinterher freilich wusste ein jeder, den Erfolg richtig einzuordnen. Er war jetzt nicht nach einem beindruckenden Offensivfeuerwerk herausgesprungen, vielleicht hatte die Eintracht einfach im entscheidenden Moment das entscheidende Quäntchen Glück. Robin Dutt, der Trainer der Aufsteiger, hatte es bei der an schließenden Analyse auf den Punkt getroffen: "Irgendwann kam ein Punkt in dem Spiel, da hofften beide Trainer auf eine Standardsituation."
Tatsächlich kam die auch, und zwar zuerst für den SC Freiburg. Ivica Banovic schlenzte die Kugel nach einem Freistoß ans Lattenkreuz (49.), der tüchtige Torwart Oka Nikolov wäre da nie und nimmer herangekommen. 20 Minuten später spielte Zlatan Bajramovic einen Freistoß quer auf Pirmin Schwegler, der flankte direkt in den Strafraum, wo Selim Teber zwar verpasste, am langen Pfosten aber Maik Franz seinen Fuß hinhielt - die Kugel landete im Netz, die Eintracht lag vorn (68.).
Oka Nikolov rettet Eintracht den Sieg
Wären die Freiburger in Führung gegangen, womöglich hätten sie die Partie gewonnen, aber so ist Fußball. Was folgte, war ein Sturmlauf der Breisgauer, selten mit Sinn und Verstand, aber immer voller Leidenschaft. In dieser Phase, da "wir uns viel zu tief haben fallen lassen" (Skibbe), war Oka Nikolov der große Rückhalt. In drei, vier Szenen reagierte der Oldie ganz hervorragend, etwa bei einem vertrackten Flankenschuss seines Freundes Du-Ri Cha, oder auch bei Kopfbällen und Weitschüssen der Freiburger.
"Wir können uns bei Oka bedanken", lobte Skibbe, "das war geil, das war richtig gut. Ich hatte nicht mehr das Gefühl, dass noch einer reingeht. Ich dachte nur: Der hält ja eh alle". Und doch: Sehr souverän war es nicht, was die Eintracht an der Dreisam ablieferte, selbst Klubchef Heribert Bruchhagen mäkelte: "Richtig überzeugend haben wir nicht gespielt."
Phasenweise, vor allem in den ersten 20, 25 Minuten, lief das Bällchen gekonnt, die Hessen befreiten sich aus misslichen Lagen spielerisch leicht, "ganz tolle Ballpassagen" wollte Skibbe gar gesehen haben. Das war freilich übertrieben, spätestens 20 Meter vor dem SC-Tor war die Eintracht mit ihrem Latein am Ende.
Eintracht körperlich nicht fit
Auffällig war vor allen Dingen eines: Die Mannschaft wirkte insgesamt körperlich nicht auf der Höhe, viele Spieler pumpte schon vor der Halbzeit, gingen das Tempo nicht mehr mit. Bajramovic drückte das recht drastisch aus: "Wir waren alle ein bisschen im Arsch." Bei Teber, Bajramovic, Chris, aber auch Schwegler war das deutlich zu merken. Zwar wollte Skibbe die läuferischen Defizite auf die vielen Abstellungen der Nationalspieler während der letzten zehn Tage schieben, aber das ist nur eine Erklärung.
Kann es sein, dass die Eintracht im Training etwas zu wenig tut? Die Einheiten in der Länderspielpause dauerten selten länger als eine Stunde, zudem wurde nur einmal am Tag trainiert. Einige Spieler wie Alex Meier legten nach dem eigentlichen Training Zusatzschichten ein. In seiner Spielanalyse hob Bruchhagen ausdrücklich die Fitness des Gegners hervor: "Freiburg machte körperlich einen fitten Eindruck." Über seine Mannschaft mochte er das nicht sagen. Er sagte stattdessen: "Es war zu sehen, dass wir im Mittelfeld phasenweise vom läuferischen Vermögen nicht dagegen halten konnten."
Nach dem Spiel gab Michael Skibbe seinen Spielern zwei Tage frei - die Elf hatte den Trainer ausdrücklich darum gebeten, da sie am Samstagabend eine zünftige Party im Mannschaftskreis plante. "Austrinken statt auslaufen" kalauerte Skibbe. Aber im Grunde hat er auch Recht: So lange die Mannschaft Erfolg hat, kann er mit ihr auch eine Woche Schach spielen.
Für das Spiel gegen die Tempobolzer aus dem Breisgau hatte Skibbe die Mannschaft umgebaut. Caio blieb erstmals unter dem neuen Coach draußen. Der 44-Jährige begründete das damit, dass er Teber weit auf die linke Seite beordern wollte, um die Offensivkreise des zuletzt bärenstarken Du-Ri Cha einzuschränken. Für Caio spielte der defensivere Bajramovic, erstmals seit fast zwei Jahren stand der so ewig lang verletzte Bosnier in der Bundesliga wieder in der Startelf.
Alexander Meier auf Idealposition
Die Eintracht spielte deutlich defensiver als zuletzt, mit einem 4-1-2-2-1-System und Ioannis Amanatidis als einziger echter Spitze. Meier agierte zwischen Mittelfeld und Angriff, er machte das sehr gut, "das kann er perfekt spielen", sagte Skibbe. Vor allem verlor Meier kaum einen Ball. Diese Position dazwischen scheint ihm auf dem Leib geschneidert. Prompt belohnte er sich mit einem Tor selbst.
Ohnehin entwickelt sich der Schlacks zu einem Mann der letzten Minuten: In vier der letzten sechs Spielen hatte er in den Schlussminuten den Treffer auf dem Fuß, er traf gegen Kickers Offenbach und jetzt in Freiburg. Nicht auszudenken, wenn auch noch seine Möglichkeiten in Köln und Dortmund zu Toren geführt hätten.
Neun Punkte aus fünf Spielen sind eine Ausbeute, mit der nicht jeder unbedingt rechnen konnte. "Aus einem durchwachsenen Start ist jetzt ein guter geworden", sagte Skibbe. Der Dreier in Freiburg war auch deswegen nicht ganz unwichtig, weil jetzt in zwei aufeinanderfolgenden Heimspielen die "Top-Teams" (Skibbe) Hamburger SV und VfB Stuttgart kommen. Und dazwischen erwarten die Hessen im DFB-Pokal Alemannia Aachen. Danach wird die Eintracht in etwa wissen, wohin die Reise geht.
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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