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Eintracht-Kolumne: Tiefschlag in letzter Minute

Um ein Haar hätte die Eintracht in München für einen Paukenschlag gesorgt. Doch eine gute Minute vor Abpfiff erzielte Daniel van Buyten das 2:1-Siegtor. Das schreit am Mittwoch nach einer Revanche. Von T. Kilchenstein und J. Hanau

Kurz vor Abpfiff macht Bayern-Spieler van Buyten das Tor zum Sieg.
Kurz vor Abpfiff macht Bayern-Spieler van Buyten das Tor zum Sieg.
Foto: rtr

Ganz zum Schluss, und das darf Eintracht Frankfurt durchaus als Kompliment nehmen, hat der ruhmreiche FC Bayern München ganz schnöde die Brechstange ausgepackt und nur noch Langholz gespielt. Sogar den langen, bulligen Vorstopper Daniel van Buyten, dessen Vater einst Catcher war, schickte der Bayern-Coach Louis van Gaal ins Zentrum - und opferte dafür Luca Toni, den italienischen Weltmeister-Stürmer, der zumindest in der ersten Halbzeit der einzige gefährliche Bayer war. Die Auswechselung Tonis, für den Verteidiger Martin Demichelis kam, wurde erst vom Publikum mit Pfiffen quittiert, doch zwei Minuten später sollte sich der Schachzug des umstrittenen niederländischen Trainers ausgezahlt haben: Philipp Lahm hatte eine von 15 Flanken in den Strafraum gelöffelt, Thomas Müller mit dem Kopf verlängert und ganz hinten links stand van Buyten und köpfte die Bayern ins Glück. 2:1, kurz darauf war Feierabend - die ganz große Blamage hatten die Münchner gerade noch mal verhindert.

Als der Ball vom Innenpfosten ins Netz getropft war, sprang van Gaal auf und tippte sich immer wieder wie wild gegen die Schläfe - so als wollte er damit andeuten: Ich habe das genau so gewollt. Später, in der Pressekonferenz auf diese Szene angesprochen, sagte der seltsame Holländer nur, er habe sich eine Haarsträhne zurecht gelegt. Sollte das witzig sein? Es kam dummerweise ziemlich arrogant herüber, auch nach niederländischen Maßstäben. Van Buyten sagte nach dem Last-Minute-Treffer augenzwinkernd: "Gottes Fußball war mit uns." Am Tag vor dem Spiel hatte van Gaal noch Wert darauf gelegt, nicht Gott zu sein. "Ich habe keine Lust, mich jeden Tag neu erklären und verteidigen zu müssen", sagte der Bayern-Trainer

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Natürlich war der Bayern-Sieg glücklich. Wenn in der vorletzten Minute eines Spiels ein Tor fällt, ist immer Fortuna mit im Bunde. Manche sprachen auch wieder vom berühmten Bayern-Dusel. Fest steht aber auch: Der Sieg war verdient, "hochverdient", wie van Gaal fand. Die Bayern hatten deutlich mehr vom Spiel, sie hatten 59 Prozent Ballkontakte, schossen 25 Mal aufs Frankfurter Tor, kreierten, wie van Gaals eigene Statistik ergab, "14 gute Chancen" und entwickelten einfach mehr Druck, dem das Frankfurter Bollwerk nicht mehr standhalten konnte.

"Die Dominanz der Bayern, die uns kräftemäßig überlegen waren, müssen wir anerkennen", sagte hinterher der Frankfurter Klubchef Heribert Bruchhagen. "Im zentralen Mittelfeld waren wir bewegungsmüder und schwerfälliger." Damit legte der Vortandsvorsitzender - ohne Namen zu nennen - den Finger genau in die Wunde. Zlatan Bajramovic und vor allem Selim Teber waren die Schwachpunkte bei den Hessen. Bajramovic ist nach seiner fast zweijährigen Pause körperlich immer noch nicht auf der Höhe, er kann das hohe Tempo nicht mehr gehen. Und dann gelang vor allem Teber, der wenigstens läuferisch engagiert war, rein gar nichts. 95 Prozent seiner Pässe landeten beim Gegner. In dieser Verfassung ist der Neuzugang aus Hoffenheim keine Hilfe für die Eintracht. Warum hat Trainer Michael Skibbe gerade in der Schlussphase, als die Hessen mehr und mehr ins Schwimmer gerieten, nicht gewechselt und frische Kräfte gebracht? Oder zumindest Zeit geschunden? Er habe keine kopfballstarken Spieler mehr gehabt, sagte der Coach hinterher.

Dabei hatte die Eintracht den Bayern das Leben lange, sehr lange "extrem schwer gemacht", wie Maik Franz sagte: Skibbe wählte eine überaus defensive Taktik, er beorderte drei Verteidiger (Maik Franz, Marco Russ und Chris) in die zentrale Abwehr, davor nominierte er vier defensive Spieler: Patrick Ochs auf rechts und Christoph Spycher auf links, Bajramovic und Pirmin Schwegler in defensive Mittelfeld. Vor allem wollte Skibbe den Spielraum von Lahm eingrenzen, das gelang nicht immer. Die Eintracht verlegte sich also darauf, möglichst lange das Zu-Null zu halten. Dabei konnten sie sich lange Zeit auf Oka Nikolov verlassen, der bis auf eine, allerdings spielentscheidende, Szene sehr gut hielt - vor allem gegen Luca Toni (23.), Thomas Müller (24.) und Bastian Schweinsteiger (53.). Er spielte wirklich souverän, fast schien es so wie vor zwei Jahren, als Nikolov beim 0:0 etwa 30 Torschüsse der Bayern abwehrte, doch dann kam die 70. Minute und Oka Nikolov patzte. Er bekam die Fäuste nicht an die Verlegenheitsflanke von Thomas Müller. Der Ball prallte von Mario Gomez, kurz zuvor für den darob sichtlich angefressenen Miro Klose eingewechselt, zurück an sein Bein und von dort vor die Füße von Arjen Robben, der keine Mühe hatte, die Kugel aus vier Metern ins leere Tor zu schieben. Es war ein klarer Torwartfehler, Nikolov fehlte da die nötige Entschlossenheit. Trotzdem hatte ihn Trainer Skibbe demonstrativ in Schutz genommen. Nikolov sei nicht mehr an die Flanke gekommen, er habe nur noch seinen Körper in den Flugbahn des Balles stellen können. "Ansonsten hat Oka sehr gut gehalten. Er gehört momentan zu den stärksten Torhütern der Liga", sagte Skibbe. Das ist vielleicht ein wenig zu euphorisch ausgedrückt.

Der Ausgleich war insofern ärgerlich, weil Eintracht Frankfurt zu diesem Zeitpunkt noch führte. Einer der ganz wenigen vernünftigen Angriffe der Eintracht führte über Nikos Liberopoulos und Patrick Ochs, der fein durchsteckte, zum 1:0: Alexander Meier nutzte den klasse Pass von Ochs zur Führung (60.). Kurz darauf wurde erneut Meier, der alleine aufs Tor zugesteuert wäre, wegen angeblicher Abseitsstellung vom unsicheren Schiedsrichter Jochen Drees zurückgepfiffen. Eindeutig war das nicht. Und wer weiß, wie die Partie geendete hätte, wenn der Ausgleich nicht so früh gefallen wäre. "Wir haben zu wenig für Entlastung gesorgt", nannte Skibbe später einen Grund für die Niederlage. Ein anderer war: Die vielen, teilweise hanebüchenen Abspielfehler. "Vom kämpferischen und läuferischen Einsatz war ich zufrieden. Wir hatten zu wenig Spielkontrolle und nicht den spielerischen Mut", sagte Skibbe, der in der vergangenen Woche lauthals angekündigt hatte, mutig und furchtlos in München auftreten zu wollen. Aber Reden und Taten sind ja immer zwei paar Schuhe. Dessen ungeachtet hat sich die Eintracht in München gut verkauft. In der vergangenen Saison war die Vorstellung der Hessen deutlich matter.

Der Auftritt von München macht also Mut für die Revanche. Die findet schon am kommenden Mittwoch im Achtelfinale im DFB-Pokal in Frankfurt (20.30 Uhr) statt. Auch da wollen sich die Frankfurter nicht kampflos verabschieden. "Die Mannschaft", fasste Skibbe die am Ende unglücklichen 90 Minuten zusammen, "darf daran glauben, die Bayern schlagen zu können." Vielleicht tippt sich ja Michael Skibbe am späten Mittwochabend an den Kopf - und wischt sich natürlich nur eine Strähne aus der Stirn.

Autor:  Thomas Kilchenstein und Jörg Hanau
Datum:  24 | 10 | 2009
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Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
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