Der Präsident hat schnell zum Telefon gegriffen und Heribert Bruchhagen angerufen. Man darf getrost davon ausgehen, dass sich Wolfgang Niersbach nicht sonderlich wohl gefühlt hat in seiner Haut, weil er erklären musste, was schwer zu erklären ist: Wie nämlich kann es passieren, dass sich ein Profi beim DFB bei einem Werbedreh für einen Sponsor so schwer verletzt, dass für ihn die Saison gelaufen ist. Er muss seinem Sitznachbar im Frankfurter Stadion erklären, dass die Hessen in den entscheidenden Spielen der Saison wegen Werbemaßnahmen auf ihren besten Mann verzichten muss. Das kann passieren, ist aber allemal schwer zu akzeptieren. Der Frankfurter Ärger ist nur zu verständlich.
Dieser bislang einmalige Fall ist im höchsten Maß peinlich für den DFB. Er ist auch deswegen peinlich, weil die Auswahlspieler seit der Ära Klinsmann/Bierhoff in einer Art Wohlfühloase permanent in Watte gepackt werden. Und ist in diesem speziellen Fall − Stollenschuhe auf glattem Boden − womöglich die Fürsorgepflicht verletzt worden? Natürlich können Verletzungen, auch schwerwiegende, immer wieder passieren, wenn Profis bei ihren Auswahlteams im Einsatz sind: Im Training, im Spiel, selbst im Kraftraum spielt das Risiko einer Blessur immer mit.
Eintracht Frankfurt ist gut beraten, diesen bislang eher nebulösen Vorgang juristisch sauber aufarbeiten zu lassen. Natürlich kann es auch um Schadenersatz gehen, zu viel steht auf dem Spiel. Es geht um 15, 20 Millionen Euro. Noch haben die Frankfurter beste Chancen auf einen Platz, der zur Champions-League-Relegation berechtigt. Doch diese Chancen haben durch den langwierigen Ausfall ihres besten Mannes (weshalb er logischerweise ja auch zur U 21 berufen wurde) eine gehörigen Dämpfer erhalten, wenn sie jetzt nicht gar gänzlich illusorisch sind. Unstrittig ist auch: Dies alles sind hypothetische Annahmen. Kein Mensch kann sagen, ob die Eintracht mit einem Kevin Trapp im Tor ins internationale Geschäft eingezogen wäre.
Es bleibt aber mehr als ein fader Beigeschmack, wenn Profis unter der Obhut des mächtigen DFB außer Gefecht gesetzt werden bei fußballfernen Aktivitäten.
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