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Eintracht-Spieler Michael Fink: "Das gibt unheimliche Kraft"

Vor dem Spiel gegen die Bayern spricht Eintracht Frankfurts Mittelfeldspieler Michael Fink im FR-Interview über das gedrehte Spiel in Cottbus, seinen Gewaltschuss und die Auswirkungen auf die Psyche.

Auf dem Vormarsch: Michael Fink kommt auf Touren.
Auf dem Vormarsch: Michael Fink kommt auf Touren.
Foto: Schneider/FR

Herr Fink, die Eintracht hat, so scheint es, die Wende geschafft. Wie groß ist die Erleichterung?

Riesengroß. Gestärkter kann man aus so einem Spiel wie in Cottbus nicht hervorgehen. Wir haben den Schub aus der Partie gegen Karlsruhe mitnehmen können. Und das waren ja nicht irgendwelche Siege: Wir haben zweimal Spiele gedreht, die schon verloren schienen. Das gibt einem unheimliche Kraft.

In Cottbus sah es anfangs ja ziemlich schlecht aus.

Da haben wir die Anfangsphase verpennt, aber wir sind dann umso stärker zurückgekommen. Das war auch ein Sieg der Moral. Man muss der ganzen Mannschaft ein Riesenkompliment machen, da haben alle Mann alles gegeben. Wir mussten ja auch sehr, sehr wichtige Spieler ersetzen. Und wir haben dennoch spielerisch endlich mal gezeigt, dass wir es können.

Rückblick - Energie Cottbus vs Eintracht Frankfurt 2:3 (2008)

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Vorher lief es gerade fußballerisch nicht rund. Ist das normal in dieser Situation?

Ich denke schon. Ich denke auch, dass man in Zukunft keine spielerischen Glanzleistungen erwarten darf. Es geht erst mal darum, die Primärtugenden abzurufen: Einsatz, Aggressivität, Laufbereitschaft - Kampf bis zum Umfallen. Und wenn dann noch die spielerische Linie stimmt - umso besser. Aber es ist nun mal so: Wenn man unten drin steht, sind andere Dinge gefragt. Da muss man die Tore erzwingen, irgendwie. Die Duelle gegen die anderen Kellerkinder werden richtige Schlachten. Davon bin ich überzeugt.

Wie konnte die Eintracht denn überhaupt in den Keller abrutschen?

Wir sind da irgendwie reingeschliddert. Wie genau, das kann heute wahrscheinlich keiner mehr sagen. Ich glaube, das erste Spiel gegen Berlin war der Knackpunkt. Da lief nichts, da funktionierte nichts - und auf einmal stellst du alles in Frage, was vorher perfekt lief. Auf einmal fängst du an zu zweifeln. Dann geht das Selbstvertrauen weg - und plötzlich hängt man tief drin im Schlamassel. Gerade mental ist es dann schwierig, sich zu befreien. Im Kopf entsteht eine totale Leere - und du verzweifelst so arg. Da helfen nur Erfolgserlebnisse wie jetzt gegen Cottbus.

Was hat rückblickend das Trainingslager am Wiesensee bewirkt?

Das war meiner Ansicht nach eminent wichtig. Es war für den Teamgeist sehr gut. Wir haben sehr, sehr viel miteinander gesprochen, wir haben Meinungen eingeholt und uns beraten. Alle haben zusammen erörtert, woran es liegen könnte. Und wir haben dann Nuancen verändert. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir den Gegner mehr einschüchtern müssen. Es geht im Grunde darum, dem Gegner klar zu zeigen, dass wir das Spiel gewinnen wollen. Das hat in Cottbus zwar nicht am Anfang geklappt, aber dann zum Schluss. Da war der absolute Wille zu erkennen. Wir wollten das Spiel unbedingt gewinnen.

Kann die Mannschaft den Ausfall der Leistungsträger Amanatidis und Chris auf Dauer kompensieren?

Das wird man sehen. Es ist natürlich sehr bitter. Amanatidis ist der Führungsspieler schlechthin, und Chris hat erst gegen Karlsruhe gezeigt, dass er im Grunde unverzichtbar ist. Aber was sollen wir machen? Jetzt müssen halt die anderen zeigen, dass sie in die Mannschaft gehören.

Bei Ihnen lief es ja auch nicht rund. War Ihr schönes Tor in Cottbus Ihre ganz persönliche Befreiung?

Es war einfach mal an der Zeit, dass ich wieder treffe. Ich habe mein Herz in die Hand genommen und abgezogen. Das Ding hat gepasst, und ich bin darüber natürlich sehr glücklich. Denn es war auch ein ganz, ganz wichtiger Treffer. Wenn man so will, die Initialzündung. Ich habe jetzt auch wieder Sicherheit gewonnen, und ich hoffe, dass ich den Schwung mitnehmen kann.

Wie sind Sie denn in Ihre Schaffenskrise geschlittert?

Ganz komisch. Das ist eine Frage der Selbstsicherheit. Ich habe im Training immer gute Bälle gespielt, aber im Spiel denkt man zu viel nach, im Unterbewusstsein läuft dann immer der gleiche Film ab, so nach dem Motto: ,Oh Gott, wenn ich jetzt einen Fehlpass spiele, was kann dann passieren...' Und je mehr man darüber nachdenkt, umso wahrscheinlich ist es, dass man dann tatsächlich einen Fehlpass spielt. Das hat viel mit Glauben an die eigene Stärke zu tun. Wenn die Verunsicherung groß ist, hat man auch eine Blockade im Kopf. Die löst sich nur, wenn man Zweikämpfe gewinnt, sich reinbeißt - und wieder Siege einfährt. Daran kann man sich hochziehen. Und so ein Tor ist natürlich auch ganz hilfreich.

Morgen kommen die Bayern. Kann man diese Partie jetzt, nach dem Zwischenspurt, genießen?

Ja. Die Bayern-Spiele sind immer die Highlights. Da herrscht noch mal eine ganz spezielle Atmosphäre, und die Bayern haben einfach die beste Mannschaft. Es ist doch toll, sich mit den Besten messen zu dürfen. Die Bayern werden auch alsbald wieder an der Spitze stehen, da bin ich mir sicher.

Schauen Sie auch speziell auf die defensiven Mittelfeldspieler der Münchner, Zé Roberto und Mark van Bommel?

Sicher. Van Bommel ist eine Führungspersönlichkeit, er haut auch mal dazwischen. Aber bei Zé Roberto komme ich richtig ins Schwärmen. Er ist der beste Mittelfeldspieler der Bundesliga, sein Auge, seine Dynamik, seine Technik - er ist im Grunde ein perfekter Spieler und schon so etwas wie ein Vorbild für mich.

Interview: Ingo Durstewitz

Datum:  28 | 10 | 2008
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Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
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