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Eintracht-Stammtorhüter: Der ewige Oka

Trainer Michael Skibbe entschied sich für Oka Nikolov als Torhüter für den Start in die neue Saison. Das haben nur die wenigsten erwartet, und es war auch anders geplant. Von Thomas Kilchenstein

Alles im Griff. Oka Nikolov, Stammtorhüter von Eintracht Frankfurt.
Alles im Griff. Oka Nikolov, Stammtorhüter von Eintracht Frankfurt.
Foto: ddp

Das erste Spiel als neue, alte Nummer eins bei Eintracht Frankfurt ist ihm nicht sonderlich schwer gefallen. Oka Nikolov, dem Trainer Michael Skibbe wie erwartet den Vorzug vor Markus Pröll gegeben hatte, hat sich an diesem Samstag im letzten ernsthaften Testspiel gegen den Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern (2:0) im Grunde darauf beschränken können, das zu tun, was er am besten kann: Ruhe ausstrahlen. Das Eintracht-Urgestein unter der Latte musste keinen Schuss abwehren, was nicht seine Schuld ist, aber allemal ein Kompliment für seine Vorderleute. Später sagte der 35-Jährige: "Ich bin froh, dass ich diesen Beruf ausüben kann. Ich freue mich auf die Bundesliga"

Das glaubt man ihm gern. Der ewige Oka, seit Sommer 1991 bei Eintracht Frankfurt und damit mit Abstand dienstältester Akteur, geht mal wieder als Stammtorhüter in eine neue Saison. Das haben nur die wenigsten erwartet, und es war auch anders geplant. Geplant war: Ralf Fährmann, der U21-Nationaltorhüter vom FC Schalke 04, sollte das Frankfurter Allerheiligste hüten, Nikolov den ruhigen Vertreter auf der Bank geben, Pröll gehen. Es kam anders: Fährmann brach die linke Hand, Pröll brachte sich mit ungewohnt unsicheren Aktionen (und einer undramatischen, aber öffentlich vorgetragenen Kritik an Vorgänger Friedhelm Funkel) während der Vorbereitungszeit selbst aus dem Gleichgewicht, und Oka Nikolov hielt im Training solide, so wie er das schon seit Jahr und Tag tut.

"Für ihn sprach eine sehr gute Körpersprache und Ausstrahlung. Oka hat im Training sehr souverän gehalten. Er passt gut zum neu zusammengestellten Team und zum neuem Spielsystem", begründete Skibbe die Entscheidung, die er den beiden Torleuten in einem Sechsaugengespräch mitgeteilt hat. Pröll, der Verlierer dieses Zweikampfes, habe diese Einstufung "sehr professionell" weggesteckt. "Er wird natürlich enttäuscht sein", sagte Skibbe.

Oka Nikolov indes ist ein Phänomen. Wie oft wurde er schon als Auslaufmodell bezeichnet, um dann, als es Ernst wurde, doch wieder im Tor zu stehen? Er selbst macht sich darüber schon lange keine Gedanken mehr: "Ich gehe eigentlich immer davon aus, dass ich spiele", sagte er am Samstag. Er sagt das oft, wenn er gefragt wird, ob ihn das ganze Gerangel um den Platz im Tor in den letzten Jahren nicht selbst verwundere. Es ist die Abgeklärtheit des Alters, ihn kann nichts mehr erschüttern.

Wann immer man ihn brauchte, war er zur Stelle, einerlei ob er als Stammtorwart ins Rennen geht oder erst ein paar Stunden vor der Partie erfährt, dass er auf die Linie muss. Nikolov, in Erbach im Odenwald geboren, seit 1999 deutscher Staatsbürger, kennt so was wie Nervosität nicht, nicht mehr. Warum auch? Dazu hat er, der 289-mal für die Eintracht im Tor stand, schon zu viel erlebt, außerdem ist er einer, der sich von Natur aus nicht aufregt. Sein Phlegma ist Stärke und Schwäche zugleich. Was ihn an Sachlichkeit, Routine und Ruhe auszeichnet, fehlt ihm vielleicht an Dynamik und Aggressivität. Ändern wird er sich nicht mehr.

Sein erstes Spiel für die Eintracht absolvierte Nikolov im September 1995, bei einem 3:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern, und bei der Eintracht spielten noch Jay-Jay Okocha, Jörg Böhme, Olaf Janßen, Ralf Falkenmayer oder Manfred Binz. Nikolov hat Torleute bei der Eintracht im Dutzend kommen und gehen sehen, er aber ist immer noch da. Weil er zuverlässig, solide, unkompliziert ist − und relativ selten von Formschwankungen heimgesucht wird. Ob das freilich für eine lange Bundesligasaison reicht, wird sich weisen. Zumal sich Nikolov, der zweifache Familienvater aus Kleestadt, in der vergangenen Saison zuletzt öfter mal leichtere Blessuren zugezogen hatte.

Die Entscheidung für Nikolov ist zugleich eine gegen Markus Pröll. Ausgerechnet in der entscheidenden Phase der Vorbereitung rutschte der 29-Jährige in eine veritable Krise. Dabei war er im ersten Trainingslager im Zillertal noch klar der beste Hüter im Dreikampf. Torwarttrainer Andreas Menger sagte: "Pröll wirkte zuletzt ganz anders als im ersten Trainingslager." Er wirkte unsicher und unstet. Und Oka Nikolov nutzte seine Chance.

Autor:  Thomas Kilchenstein
Datum:  26 | 7 | 2009
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2. Bundesliga
Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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