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Eintracht-Stürmer Altintop: "Ich bin Halil, das muss reichen"

Halil Altintop spricht im Interview mit Ronny Blaschke über seine Existenz innerhalb zweier Kulturen, die Erziehung durch seine Mutter und ob er als Vorbild für Integration taugt.

Halil Altintop bei seiner Vorstellung bei Eintracht Frankfurt (Archivbild vom 28.1.2010).
Halil Altintop bei seiner Vorstellung bei Eintracht Frankfurt (Archivbild vom 28.1.2010).
Foto: Bechmann

Herr Altintop, Sie wurden in Gelsenkirchen geboren, sind dort aufgewachsen, aber Sie spielen in der türkischen Nationalmannschaft. Wir sehen Sie sich selbst? Als Deutscher oder als Türke?

Halil Altintop: Die Frage ist berechtigt, ich habe oft darüber nachgedacht, aber es fällt mir noch immer schwer, Worte zu finden. In manchen Situationen fällt mir auf, dass ich sehr türkisch bin. Das kann an türkischer Musik liegen, an ausgelassenen Feiern oder an Kleinigkeiten, wo ich mich plötzlich sehr wohl fühle. Das ist dann eine spezielle Emotionslage. Auf der anderen Seite ist die deutsche Zielstrebigkeit für mich wichtig, die Hartnäckigkeit, die fleißige Arbeit. Diese Eigenschaften habe ich früh angenommen. Deutscher oder Türke? Egal, ich bin der Halil, das muss reichen.

Das Buch

Das Interview mit Halil Altintop entstammt einem Buch: Diethelm Blecking/Gerd Dembowski (Hrsg.), Der Ball ist bunt; Fußball, Migration und die Vielfalt der Identitäten in Deutschland, Frankfurt/M.: Brandes & Apsel 2010.

Halil Altintop, Stürmer von Eintracht Frankfurt.
Halil Altintop, Stürmer von Eintracht Frankfurt.
Foto: Krieger/blog-g.de

Verzichten Sie bewusst auf eine Zugehörigkeitsbeschreibung?

Ich glaube, dass man ein Zugehörigkeitsgefühl braucht. Wo fühle ich mich wohl, wo kann ich mich zurücklehnen? Diese Fragen sind mir wichtig. Aber wenn ich jemanden kennenlerne, würde ich nie auf die Idee kommen, ihn zuerst zu fragen: Woher kommst du? Wo wurdest du geboren? Das interessiert mich nicht. Es gibt in Deutschland so viele Kulturen, so viele Einflüsse, die uns von Anfang an in unserer Entwicklung prägen. Warum sollte ich nur Dönerfleisch oder türkische Pizza essen, wenn es überall sehr gute Restaurants aus aller Welt gibt.


Foto: Brandes & Apsel

Wie hat der Fußball Ihnen geholfen, diese Wahrnehmung zu entwickeln?

Ich habe schon in den Jugendmannschaften mit Deutschen, Italienern, Griechen, Arabern oder Bosniern gespielt, ich habe gesehen, wie sie leben, wie sie zu Hause aufwachsen, was sie essen. Deswegen finde ich es nicht wichtig, jemandem einen Stempel aufzudrücken. Du bist Deutsch! Du bist Türkisch! Warum muss man sich da so streng festlegen, klüger macht uns das auch nicht.

Lässt der Fußball, in dem Spieler aus aller Welt aufeinander treffen, Heimatgefühle überhaupt zu?

In Deutschland werde ich von vielen als Ausländer angesehen, in der türkischen Nationalmannschaft aber auch, dort haben mich Medien und Spieler lang als "den Deutschen" bezeichnet, weil ich angeblich so emotionslos bin. Das ist vielleicht so, weil ich nirgendwo eine Kultur zu hundert Prozent übernommen habe. Früher, in der türkischen Jugendnationalmannschaft, habe ich mich nicht besonders wohl gefühlt. Es war alles so anders als in Gelsenkirchen. Der Fußball wird in der Türkei noch höher angesiedelt, fast wie eine Religion, Spieler werden auf Händen getragen. Das war mir am Anfang zu viel, ich habe dann überlegt, ins deutsche Team zu wechseln, ich hatte schon Kontakt zu dem Trainer Uli Stielike. Bei meinem Bruder Hamit war das ganz anders, er hat sich in den türkischen Auswahlteams sofort rundum wohl gefühlt.

Was hat Sie mit der Zeit umgestimmt?

Erstens wollte ich mit dem Nationalteam nie gegen Hamit spielen. Und ich habe natürlich dazugelernt, ich sehe meine Rolle in der Türkei inzwischen sehr positiv, weil ich die Mischung mag. Wenn der Trainer nicht dabei ist, sprechen die Deutsch-Türken im Nationalteam auch mal deutsch, aber das sehen die anderen Spieler nicht so gern. Wir nehmen es locker. Ich spreche längst akzentfrei türkisch. Ich habe enorm von den Reisen in die Türkei profitiert, kulturell, sprachlich. Dass ich in Deutschland aufgewachsen bin, und zugleich in der Türkei spielen darf, ist ein großes Privileg.

Nach dem entscheidenden Qualifikationsspiel für die WM 2006 der Türkei gegen die Schweiz traten Sie und Ihr Bruder sehr besonnen auf, einige Ihrer Kollegen hingegen gingen auf gegnerische Spieler los. Haben Sie aus diesem Vorfall Lehren gezogen?

Irgendwie war das eine Bestätigung dafür, dass ich nicht wirklich türkisch bin. Dieses Temperament, dieses Hochkochen der Emotionen, habe ich vorher nie erlebt. Ich kannte Raphael Wicky aus der Bundesliga, der hatte sich vor Angst an meinen Arm geklammert. Ich habe versucht, ihn gesund in die Kabine zu bringen. Ich bin auch jemand, der sich im Training leicht reizen lässt oder in der Kabine vorlaut ist, aber nachgetreten habe ich nie. Was ich damals in Istanbul erlebt habe, war total neu und erschreckend. Man darf sich nicht von Emotionen beherrschen lassen.

Hätten Sie genauso überlegt reagiert, wenn Sie in der Türkei aufgewachsen wären?

Ich weiß nicht, ob ich auch so aufbrausend geworden wäre, ich bin einfach froh, wie alles gekommen ist. Ich war immer tolerant, hatte nie einen Tunnelblick. Ich hatte schon in der Schule nie ein Problem, selbst mit Schülern, die Ausländer nicht mochten. Ich lasse mich nicht provozieren, ich habe mich noch nie in meinem Leben geprügelt, und ich denke, ich habe nichts verpasst. Wie ich damals im Stadion von Istanbul gehandelt habe, würde ich immer wieder handeln.

Wie groß ist der Anteil Ihrer Eltern an dieser Einstellung?

Sehr groß. Meine Mutter ist in einem Dorf bei Malatya aufgewachsen, im Osten der Türkei, ein Gebiet, das wirtschaftlich hinter Istanbul oder Ankara zurückhängt. Mein Vater war auf dem Land tätig, er hat im Sommer auf dem Acker schwer gearbeitet, so dass unsere Familie im Winter beruhigt leben konnte. Meine Eltern haben sich dann vor fast vierzig entscheiden, nach Deutschland zu gehen, sie wollten uns, ihren Kindern, eine bessere Zukunft ermöglichen. Sie wollten finanziell abgesichert sein, und in Deutschland wurde Arbeitskraft gebraucht. Die Entscheidung, ins Ruhrgebiet zu gehen, fiel auch deshalb, weil viele Verwandte und Bekannte aus der Türkei sich für diese Region entschieden hatten. So fühlten meine Eltern sich ein wenig sicherer.

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Datum:  18 | 4 | 2010
Seiten:  1 2
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Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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