Vor kurzem hat Friedhelm Funkel einmal eine zünftige Breitseite gegen seinen Spieler Martin Fenin abgefeuert. Der Frankfurter Stürmer war in junger Vergangenheit regelmäßig durch irgendwelche Eskapaden (Prügelei in Prag, erst Grill-, dann Autounfall in Neu-Isenburg) in die Schlagzeilen geraten, und der Eintracht-Trainer verlangte vehement eine ernsthaftere Einstellung zum Beruf. "Es geht nicht, dass einer dreimal auf Seite eins der Bild-Zeitung ist mit Sachen, die mit Fußball nichts zu tun", mahnte Funkel im FR-Interview, "er kann da wieder drauf sein, wenn er mal drei Tore schießt." Das hat Martin Fenin noch nicht geschafft. Aber der tschechische Nationalstürmer ist auf dem richtigen Weg.
In Gladbach rief der 21-Jährige seine beste Saisonleistung ab. Er schuftete unermüdlich und rannte sich die Hacken ab, oftmals war er nur durch rüde Attacken der Gegenspieler zu halten. Und Fenin bewies Vollstreckerqualitäten: Die Gladbacher Führung egalisierte er mit einem nicht technisch ansprechenden Linksschuss. Er war, neben Michael Fink, der beste Spieler im Dress der Hessen. Fenin, der das Bad in der Menge stets genoss und den Boulevard auch gerne mal zu Homestorys zu sich nach Hause einlud, weiß nun auch, wie schnell der Weg vom Rampenlicht ins Abseits führt.
Blog-G: Das Rundschau-Blog zur Eintracht. Unausgewogen, subjektiv, einseitig. Hier mitreden...
Funkel, der sich den Angreifer vor dem Spiel in Cottbus während eines ausgedehnten Spaziergangs mal zur Brust genommen hatte, wollte nun natürlich keine Jubelarie auf sein einstiges Sorgenkind singen. Ihm ist der mediale Hype um die Fußballspieler ohnehin suspekt, weshalb er auch nun nur süffisant erklärte: "Erst war er hier die Vollgranate, dann nicht mehr bundesligatauglich." Die Wahrheit liegt in der Mitte. Funkel: "Er kann sich zu einem guten Bundesligaspieler entwickeln." Das trifft wohl den Nagel auf den Kopf. Fenin ist weder der Wunderstürmer, zu dem er nach seinem phänomenalen Einstand mit drei Toren in Berlin schnell hochgejazzt wurde, noch ist ihm nach den schwachen Leistungen zuletzt die generelle Tauglichkeit abzusprechen. Er pendelt sich auf Normalmaß ein.
Was auffällt, ist vor allem, dass sein ganzes Spiel auf einmal klarer und durchdachter wirkt, er wuselt nicht mehr wie von der Tarantel gestochen auf dem Feld umher, um dann im entscheidenden Moment nicht mehr das erforderliche Maß an Konzentration zu haben. "Weniger ist oft mehr", hat ihm Funkel eingebimst.
Und auch Assistenztrainer Armin Reutershahn, der gestern für den grippekranken Chefcoach die Übungen leitete und heute wieder ins zweite Glied treten muss, hat erkannt, dass Fenin in den vergangenen Monaten "nicht die nötige Ruhe gefunden", sich "oft festgedribbelt" und den "Überblick verloren" hat. Fenin aber habe sich nie hängen lassen und sei stets voran marschiert, er habe halt nach der Europameisterschaft Zeit gebraucht, um seinen Rhythmus wiederzufinden.
Außerdem hat das Trainerteam in der vergangenen Woche intensiv an den Laufwegen der Stürmer gefeilt, weil Nikos Liberopoulos in der Mitte zu oft in der Luft hing. "Wir haben die Laufwege strukturierter festgelegt", sagt Reutershahn. Fenin hat das geholfen. Und für Stürmer, sagt Reutershahn, gebe es halt auch ein Allheilmittel, um sich selbst aus der Schaffenskrise zu befreien. "Tore sind durch nichts zu ersetzen", sagt er. "Tore geben Selbstvertrauen."
Fenin ist glücklich über sein Comeback, natürlich wurde auch er von Selbstzweifeln geplagt. "Ich bin Stürmer, ich brauche Tore, dann läuft es wieder", sagt er. Sein Arbeitsnachweis in dieser Saison liest sich ordentlich: drei Bundesligatore, eines im Pokal. Der Weg auf die Titelseiten ist trotzdem noch ziemlich weit.
Spielplan, Ergebnisse, Tabelle und mehr Statistik
Reden Sie mit! Im Blog-G.
Verfolgen Sie die Spiele im Bundesliga-Live-Ticker
Sehen Sie die FR-Videokolumnen.
| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
Verfolgen Sie unsere Nachrichten in Ihrer Lieblingsdarstellung - via RSS-Feed. Für Ihren Windows-PC bieten wir sogar einen kostenlosen Newsreader an. Informationen im Digital-Bereich.