Eintracht Frankfurt
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23. Januar 2013

Eintracht-Trainer: Veh macht Druck

 Von Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz
Der Trainer ist ungehalten: Armin Veh.  Foto: Jan Huebner

Eintracht-Trainer Armin Veh pocht auf die Verpflichtung eines Stürmers und nimmt den Vorstand in die Pflicht. Aus seiner Sicht ist ein weiterer Angreifer jetzt eine dringende Notwendigkeit - und eine Weichenstellung für die Zukunft.

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Am Anfang konnte Armin Veh noch lachen. Da ließ er sich zum Gespräch auf einen Sessel mit ziemlich wackeliger Lehne plumpsen, und natürlich ließen die professionellen Beobachter diese prima Gelegenheit nicht unkommentiert. „1:3 verloren − und schon wackelt der Stuhl des Trainers.“

Doch so richtig war dem Frankfurter Fußballlehrer nicht zum Spaßen zumute. Der sonst so coole und entspannt auftretende Trainer war ziemlich angefressen. Ihm hatten in dieser Woche zwei Dinge die Laune gehörig verhagelt. Zum einen natürlich die Vorfälle von Leverkusen, die ihn, die Mannschaft, den ganzen Klub beschäftigen. „Das belastet uns im sportlichen Bereich. Wir werden jeden Tag mit diesem Mist konfrontiert. Was soll denn der Krampf? Fragt diese Typen mal, wer bei uns spielt. Das wissen die gar nicht. Die kommen ja nicht mal ins Kino, wenn die Filme ab 18 sind. Wenn wir sportlich bestraft werden wegen diesen Vollidioten, verstehe ich die Welt nicht mehr.“

Lob für Fanarbeit

Zur schlechten Stimmung passte die Aussage von Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der die Eintracht aus der Ferne barsch und höchst populistisch attackierte: „Warum geschieht so etwas? Weil der Verein seit vielen Jahren nicht konsequent und intensiv dagegen vorgeht“, sagte Hoeneß der Münchner tz. Das ist insofern falsch, als die Eintracht für ihre präventive Fanarbeit selbst vom DFB-Sportgericht jüngst noch gelobt wurde. „Die ist vorbildlich.“

Doch viel mehr war Armin Veh in Rage geraten über Dinge, die in seinem Verein vorgehen. Oder besser gesagt: nicht vorangehen. „Ich bin angesäuert, weil nix passiert.“ Immer noch wartet Veh auf einen zusätzlichen Stürmer. Aus seiner Sicht ist ein weiterer Angreifer aber jetzt eine dringende Notwendigkeit. Rob Friend (Vancouver Whitecaps) und Dorge Kouemaha (Gaziantepspor) werden den Verein verlassen, Benjamin Köhler ist bereits beim 1. FC Kaiserslautern. Derzeit verfügt Eintracht Frankfurt nur über zwei Stürmer: Olivier Occean und Erwin Hoffer, beide genießen nicht gerade das Vertrauen des Coaches. „Ein neuer Stürmer ist absolut notwendig. Ich kann nicht drei Spieler abgeben und keinen kriegen.“ Der Wechsel von Srdjan Lakic aus Wolfsburg dürfte sich zerschlagen haben, der nun favorisierte Transfer von Igor de Camargo (Borussia Mönchengladbach) zieht sich, wie immer ist es eine Frage der Finanzierung.

Veh lässt zudem keinen Zweifel daran, dass für ihn diese Personalfrage von entscheidender Bedeutung ist. Ja, er versteht sie als Weichenstellung für die Zukunft, als Hinweis darauf, wohin die Reise der Eintracht geht, was der Verein noch erreichen will. „Entweder wir wollen weiterkommen, oder wir wollen verwalten. Ich will vorankommen.“ Er hält sie gar für so relevant, dass er persönlich die Konsequenzen zu ziehen bereit ist. Vehs Vertrag läuft bekanntlich im Sommer aus. „Wenn man jetzt nichts macht, ist das ein Zeichen für mich.“ Und es sei auch „ein Zeichen nach außen“.

„Das plätschert so dahin“

Bereitet da einer seinen Abgang vor oder versucht er, Druck zu machen, um die Mannschaft in einer wichtigen Phase der Runde fit für höhere Aufgaben zu machen? Gerade in diesen Tagen, da die Negativ-Schlagzeilen den Klub zu überrollen drohen, hält Veh einen zusätzlichen Schub für dringend geboten und nimmt damit den Vorstand in die Pflicht. Er fürchtet, dass sich Verein und Mannschaft von der schlechten Stimmung herunterziehen lassen, er sieht gar die Arbeit der Hinrunde in Gefahr. Er vermisst eine Aufbruchsstimmung. Für die könnte ein neuer Stürmer sorgen.

Die Eintracht steht auf dem vierten Tabellenplatz, hat 30 Punkte angehäuft, eine Mannschaft mit Perspektiven. „Jetzt muss man was tun“, fordert der Trainer, wann denn sonst? „Bei uns laufen die Uhren halt anders.“ Dem Coach geht alles zu langsam, er vermisst die Begeisterung, auch den Mut, zumindest ein bisschen ins Risiko zu gehen. „Das plätschert hier alles so dahin.“

Dieser Vorstoß ist nicht der erste seiner Art. Vor exakt einem Jahr monierte Veh das fehlende Aufstiegsfieber in der Stadt und im Klub, vor einem halben Jahr mahnte er − mit fast identischen Worten − die Verpflichtung eines Verteidigers an. „Das war ja auch von entscheidender Bedeutung damals“, sagt er. Veh stört sich an der aus seiner Sicht zu zögerlichen Haltung des Vorstandes. Auch am Dienstag hat er erneut betont, es ginge nicht um astronomische Summen: „Ich fordere ja nur ein, was machbar ist.“

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