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Eintracht Frankfurt
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27. Februar 2014

Europa League Eintracht - Porto 3:3: Großer Kampf und große Enttäuschung

 Von  und 
Kann das Ergebnis nicht fassen: Pirmin Schwegler.  Foto: rtr

Die Frankfurter Eintracht rafft sich zu ihrer mit Abstand besten Saisonleistung auf, liefert dem FC Porto einen großen Kampf,scheidet aber am Ende nach einem dramatischen 3:3 erhobenen Hauptes aus der Europa League aus.

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Frankfurt am Main –  

Ganz zum Schluss, nach 95 Minuten und einem finalen Pfiff, gingen die Frankfurter Spieler zu Boden. Einer nach dem anderen. Fielen einfach um wie Dominosteine. Da lagen sie dann auf dem Gras, Sebastian Jung, Johannes Flum, Carlos Zambrano, der gar nicht mehr aufstehen wollte, alle Viere von sich gestreckt, dampfend, wie paralysiert. „Unfassbar“, stammelte Johannes Flum, als er sich wieder etwas berappelt hatte. Eintracht Frankfurt in Schockstarre. Eintracht Frankfurt am Boden.

Es hat nicht sollen sein, am Ende eines denkwürdigen Abends starrten man in leere Augen und ungläubige Gesichter. Die Hessen haben das Achtelfinale der Europa League verpasst, nach einem hochklassigen, packenden und dramatischen Spiel schieden sie gegen die europäische Spitzenmannschaft FC Porto aus, nach dem 2:2 im Hinspiel trennten man sich am Abend in Frankfurt nach einem packenden, Nerven aufreibenden Spiel 3:3 (1:0).

Die Eintracht konnte dabei eine zweimalige Führung (2:0 und 3:2) nicht über die Zeit retten. Aufgrund der mehr geschossenen Auswärtstore setzten sich die Portugiesen letztlich denkbar knapp durch. Doch die Eintracht hat sich erhobenen Hauptes aus dem Wettbewerb verabschiedet. „Ich bin stolz auf diese Mannschaft“, sagte Finanzvorstand Axel Hellmann. „Und ich bin stolz darauf, wie sich Eintracht Frankfurt in diesem Wettbewerb präsentiert hat.“

Der zuschauerträchtigste Verein der Europa League hat in der Tat Werbung in eigener Sache gemacht. „Wir scheiden als Markenzeichen der Europa League aus“, sagte Hellmann. Es wird auf nicht absehbare Zeit der letzte europäische Auftritt gewesen sein. Es war ein Abgang mit Ausrufezeichen. „Wir haben das Spiel nicht verloren und sind doch ausgeschieden. Das macht uns traurig“, sagte Trainer Armin Veh. Das Ausscheiden der Hessen sei aber auch genauso traurig für die Euro League, die „die besten Fans verloren hat und eine Mannschaft, die den Wettbewerb ernstgenommen hat. Auch wenn wir ausgeschieden sind, haben wir den deutschen Fußball gut verkauft.“

Die Spieler konnten ihre Enttäuschung nach ihrer besten Saisonleistung nicht verbergen. Natürlich nicht. „Das ist eine riesengroße Enttäuschung, es ist richtig bitter und es schmerzt sehr“, presste Tranquillo Barnetta hervor. Und Kevin Trapp fand: „Es war eine überragende Leistung und nichts für schwache Nerven. Wir sind nicht ausgeschieden, weil wir schlecht waren. Wir brauchen uns vor großen Namen nicht zu verstecken.“ Das ist korrekt. „Wenn man so eine große Mannschaft am Rande einer Niederlage hat, wenn man deren finanzielle Möglichkeiten sieht und unsere, wenn man gegen sie fünf Tore erzielt und kein Spiel verliert und trotzdem ausscheidet, dann ist das einfach nur extrem bitter“, sagte Hellmann.

Schon vor dem Anpfiff herrschte eine Gänsehaut-Atmosphäre in der voll besetzten Arena, die Fans hatten mit viel Akribie und Detailversessenheit eine imposante Choreographie aus dem Boden gestampft, die die Hälfte des Stadions eingliederte. Und natürlich hallten die in Frankfurt fast schon legendären Europapokal-Songs durchs Oval.

Es war alles angerichtet für einen großen Abend in Frankfurt, den Spielern wurde, wenn man so will, der rote Teppich ausgerollt. Und die Eintracht-Fußballer zeigten, dass sie sich pudelwohl fühlen auf internationalem Parkett, wo sie in dieser Saison für mächtig Furore gesorgt haben: Nach dem Ausfall von Sebastian Rode (Knorpelschaden) und Marco Russ (Gelbsperre) musste Armin Veh seine Mannschaft umbauen, er machte das mutig, beorderte nicht etwa einen zusätzlichen defensiven Mittelfeldspieler auf den Platz, sondern die eher offensiv ausgerichteten Flügelspieler Stefan Aigner und Tranquillo Barnetta. Es sollte sich lohnen.

Die Eintracht begann munter, ging die Portugiesen früh an, ließ ihnen keine Ruhe, schon nach vier Minuten schickte Bastian Oczipka den Mittelfeldstürmer Alexander Meier auf die Reise, dessen Hereingabe zur Ecke geklärt wurde. Das ging schon mal gut los. Aber nicht so weiter.


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Denn der FC Porto zeigte alsbald, wer Chef im Ring ist, die Mannschaft von Trainer Paulo Fonseca zog ein hübsches Kombinationsspiel auf, spielerisch war sie dem aufopferungsvoll kämpfenden Eintracht-Team überlegen, doch die Portugiesen labten sich an ihrer technischen Qualität und vergaßen dabei, dass sie ein Tor schießen mussten.

Die Platzherren mussten Ball und Gegner dennoch die meiste Zeit hinterherlaufen, das kostet Kraft und ist für gewöhnlich auch für die Psyche nicht besonders gut. Doch in diesem K.o.-Duell spielte das keine Rolle, die Frankfurter witterten ihre Chance, wann immer es ging, spielten sie mutig und mit Traute nach vorne, und Mitte der ersten Hälfte befreiten sie sich aus dem Klammergriff des FC Porto und schwangen sich zu ihrer besten Leistung in dieser Saison auf.

Große Leidenschaft

Es war beeindruckend, mit welchem Behauptungswillen und Leidenschaft die Eintracht zu Werke ging. Und sie zeigte auch urplötzlich spielerisches Potenzial, das so lange Zeit irgendwo vergraben war. Das demonstrierten die Gastgeber in Perfektion nach genau 37 Spielminuten, da entwarfen sie einen Spielzug, der schon lange nicht mehr in Frankfurt zu sehen war: Pirmin Schwegler chippte den Ball auf Tranquillo Barnetta, der die Kugel mit der Hacke in den Lauf von Sebastian Jung ablegte: Die perfekte Flanke des Rechtsverteidigers legte Alex Meier in der Mitte ab auf Aigner, der den Ball mit der Sohle sehr clever ins Netz spitzelte. Es war ein herausragendes Tor – und sicherlich der beste Spielzug in dieser Saison.

Nun war der Weg für die Eintracht geebnet, sie spielte auch im zweiten Abschnitt mutig, couragiert und mit Ideen – sie konterte zudem schnell und gefährlich, auch das hatte man lange nicht mehr gesehen im Stadtwald. Und die Hessen legten nach, nach einem langen Pass von Carlos Zambrano standen zwar drei Eintracht-Spieler im Abseits, aber nicht Barnetta, der aus dem Rückraum durchgestartet war.

Der Schweizer nahm den Ball geschickt mit der Brust an, passte ihn weiter zu Alex Meier, der zum 2:0 vollstreckte (52.). Die Arena glich einem Tollhaus, die Zuschauer standen auf ihren Sitzen. „Turin, Turin, wir fahren nach Turin“, hallte durchs Rund. Dort wird im Mai das Finale der Europa League ausgetragen.

Doch da waren die Fans etwas zu voreilig. Denn der FC Porto kam, das Aus vor Augen, noch einmal zurück – auch wenn es nicht danach aussah. Es war Eliaquim Mangala, der Millionen-Mann aus Portos Abwehr, der die Eintracht gleich zweimal schockte: Nach 58 und 71 Minuten war der Verteidiger in der Mitte unterwegs und köpfte die Portugiesen mit zwei blitzsauberen Kopfballtoren zurück ins Rennen. 2:2.

Auch weil Sebastian Jung zwischenzeitlich mit der Hacke vergab und dann auch noch einen Schuss von Johannes Flum blockte (60.). Dies und der Anschlusstreffer waren nach Ansicht Veh die entscheidenden Szenen. „Vor dem 1:2 müssen wir schneller schalten. Das hat mich geärgert“, sagte Veh, der ansonsten voll des Lobs über sein Team war: „Großes Kompliment.“

Doch an diesem Abend, das war zu spüren, war alles möglich. Auch nach der verspielten Führung glaubten die Frankfurter an sich und ihre Möglichkeiten, das war an der Körpersprache zu sehen. Und dann war Alexander Meier tatsächlich zur Stelle und brachte die Eintracht nach Flanke von Bastian Oczipka in Führung.

Doch am Ende sanken die tapferen Frankfurter doch zu Boden, am Ende hätten sie sich am liebsten unterm Rasen verkrochen: Denn Nabil Ghilas zerstörte die Frankfurter Träume aufs Achtelfinale in der 86. Minute, jener ominösen Minute, die der Eintracht schon in der Hinserie so unheimlich viele Punkte gekostet hatte. Natürlich war es nur Zufall, aber irgendwie ist es auch bezeichnend, dass die Eintracht ausgerechnet wegen jener 86. Minute ihr vorerst letztes Europapokalspiel bestritten hat.

Die Auftritte auf Europas Bühnen haben der Eintracht allemal einen „enormen Imagegewinn“ verschafft, sagte Klubchef Heribert Bruchhagen. „Und alle, die das heute gesehen haben, gehen ein bisschen stolz nach Hause.“ Doch all dies nutzt nichts: „Künftig werde ich donnerstags zu Hause sitzen“, sagte der überragende Mann auf dem Platz, der Kapitän Pirmin Schwegler, „und gucke Germanys next Topmodell.“

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