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Frankfurt - München: Der Mythos

Die Begegnungen der Eintracht gegen die Bayern waren früher immer Festspiele: 18 Jahre lang verloren die Hessen nie gegen die Münchner.

Früher ein gewohntes Bild: Sepp Maier holt den Ball aus dem Tor, Bernd Höllzenbein freut sich.
Früher ein gewohntes Bild: Sepp Maier holt den Ball aus dem Tor, Bernd Höllzenbein freut sich.
Foto: Imago

Bernd Hölzenbein stört sich so ein bisschen an der Einstellung zu diesem Spiel der Spiele. Nach dem Geschmack des einstigen Fußball-Weltmeisters mache sich die Eintracht nämlich kleiner als sie eigentlich ist. Hölzenbein, heute als Scout für den Frankfurter Klub tätig, empfiehlt da eine Anleihe an die Herangehensweise von damals, als er und die vielen anderen Eintracht-Stars den bayerischen Großkopferten das Fürchten lehrten. "Damals haben wir uns gesagt: ,Die Bayern, die kriegen hier sowieso eine Klatsche´´´, sagt er. Nun sei das genau andersherum. "Heute heißt es doch nur: ,Gegen die Bayern kriegen wir sowieso eine Klatsche."

Hölzenbein weiß natürlich, dass die Zeit damals eine andere war, der FC Bayern war der Eintracht nicht so weit enteilt wie heute, "jetzt liegen ja Welten zwischen beiden Klubs", sagt der 64-Jährige. Früher hatte die Eintracht auch noch eine andere Mannschaft, da spielten Jürgen Grabowski, Bernd Nickel, Bernd Hölzenbein, das waren große, divenhafte Spieler, die immer dann, wenn es gegen die Bayern ging, beweisen wollten, dass sie es genauso gut können wie die Stars aus München. Da fühlten sich die Eintracht-Spieler an ihrer Ehre gepackt. Und nicht selten wuchsen sie über sich hinaus.

Die Bayern wussten um den schweren Gang an den Main. "Die hatten schon die Hosen voll, wenn sie wussten, sie müssen nach Frankfurt. Hier gab es für die nix zu holen", sagt Rekordbundesligaspieler Karl-Heinz Körbel, der sein erstes von 602 Spielen natürlich gegen die Bayern und einen gewissen Gerd Müller machte. Franz Beckenbauer, seine Hoheit, grantelte damals: "Die Fahrt hoch nach Frankfurt können wir uns eigentlich schenken." Schlimmer noch, Körbel behauptet sogar: "Die Bayern haben hier nicht nur verloren, sie sind auseinandergenommen worden. Das waren richtige Klatschen."

Natürlich denkt jeder an die Festspiele im Stadtwald, an dieses legendäre 6:0 im November 1975, als es zur Pause schon 5:0 stand und Jürgen Grabowski beim Gang in die Kabine Bayern-Torwart Sepp Maier fragte, ob er den Ball denn schon einmal vor der Linie in der Hand gehabt hätte. Im zweiten Abschnitt drehte Bernd Nickel dann noch einen Eckstoß direkt ins Tor. Die Demontage war perfekt. Oder es sei erinnert an das 5:1 im Halbfinale des Uefa-Pokals 1980.

"Das waren einmalige Geschichten, das fällt einem immer wieder ein", sagt Hölzenbein, der gerne an die Duelle gegen die Münchner zurückdenkt, auch wenn harte Kämpfe dabei waren, vor allem mit Manndecker Hans-Georg "Katsche" Schwarzenbeck. "Ein ganz unangenehmer Gegner", erinnert sich "Holz". "Immer hautnah am Mann, eisenhart." Wenn er aber Schwarzenbeck habe abschütteln können, "dann war der Beckenbauer auch kein Problem mehr", erzählt Schlitzohr Hölzenbein verschmitzt lächelnd. "Denn das Abwehrverhalten vom Franz, das war, na ja, sagen wir mal, nicht ganz so gut."

Die Partien gegen die Bayern waren die Highlights für die Eintracht-Profis, und natürlich waren es gerade diese Spiele, die die Eintracht bundesweit und jahrzehntelang zur launischen Diva machten. Denn es war ja so: Gegen die Bayern gewonnen und dann beim Letzten kläglich verloren. Das war keine Seltenheit. So fing schon Körbels Karriere an: "Sieg gegen die Bayern, dann eine Niederlage in Oberhausen." Die Eintracht von damals brauchte den Kitzel, die Herausforderung, um Magie zu entfachen. Es musste die Ruhmreichen sein, die gedemütigt werden sollten. Wenn das geschafft war, fiel doch so ziemlich die Spannung ab von den Eintracht-Zauberern. Und so kam es, dass der Eintracht eine wundersame Serie gegen die Bayern gelang. 18 Jahre lang verlor sie nicht einmal gegen die Münchner - von November 1971 (3:2, Tore: Parits, Hölzenbein, Lutz) bis August 1989, als Klaus Augenthaler einen Ball von der Mittellinie über Uli Stein im Tor versenkte.

In den vergangenen Jahren flackerte der Mythos eigentlich nur noch einmal wirklich auf. Es war am 17. März 2007, die Eintracht brauchte die Punkte im Abstiegskampf. Dann flankte Patrick Ochs - und auf einmal lag Christoph Preuß quer in der Luft und hämmerte den Ball per Fallrückzieher am verdutzten Oliver Kahn in die Maschen. 1:0. Es war ein sagenhafter Treffer, natürlich das Tor des Monats und beinahe das Tor des Jahres. Christoph Preuß, der seine Laufbahn kürzlich beenden musste, wird diesen Treffer " niemals in meinem Leben vergessen". Dieses Tor hat Preuß unvergessen gemacht. (dur)

Datum:  19 | 3 | 2010
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2. Bundesliga
Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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