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Frankfurter Fans in Gewahrsam: Strafanzeige gegen Einsatzleiter

Nach einer Polizeiaktion in Bremen schalten Frankfurter Ultras einen Rechtsanwalt ein. Kritik übt auch Stephan von Ploetz vom Fanprojekt. Von Georg Leppert und Jan Christian Müller

Die Bremer Polizei nimmt Frankfurter Fans in Gewahrsam.
Die Bremer Polizei nimmt Frankfurter Fans in Gewahrsam.
Foto: FR / Heiko Rhode

Der Frankfurter Rechtsanwalt Uli Hase stellt nach eigener Auskunft für drei seiner Mandanten aus der Frankfurter Ultraszene Strafanzeige gegen den Einsatzleiter der Bremer Polizei, die am Samstag 234 Eintracht-Fans über rund sieben Stunden in Zellen festgesetzt hatte. Die Polizei in Bremen sei "bar jeder Verhältnismäßigkeit vorgegangen". Die Eintracht Fußball-AG schrieb gestern einen Brief an das Bremer Polizeipräsidium, in dem es "in Anbetracht der unverhältnismäßig hohen Zahl an Gewahrsamnahmen" um eine Stellungnahme bittet.

Der Betreiber der Homepage SGE4ever.de, René Kirsten, war am Samstagmorgen im Bremer Steintorviertel dabei und wurde nur wegen der Vorlage seines Presseausweises nicht abgeführt. Sein Eindruck: Der Einsatzleiter Hans-Jürgen Pusch sei für sein Vorgehen von "untergebenen Dienstgraden scharf kritisiert" worden. Diese hätten "auf eine Eskorte zum Stadion und anschließender Einkesselung bis zum Einlass plädiert".

Unangenehm war den Eintracht-Fans zudem aufgefallen, dass ein Team von Sat1 bereits vor Ort und der Einsatzleiter gar vom TV-Sender verkabelt war. Der Vermutung, die Bremer Polizei habe den Sender vorab informiert, trat die Anstalt jedoch entgegen. Es habe sich um eine langfristig geplante Reportage über Polizeieinsätze bei Bundesligaspielen gehandelt.

Auch Stephan von Ploetz war vor Ort, der Leiter des Frankfurter Fanprojektes. Der Polizeieinsatz vor dem Spiel bei Werder Bremen lässt den gelernten Sozialarbeiter auch mit zwei Tagen Abstand noch fassungslos zurück. Mehr als 230 Fans vorwiegend aus den Reihen der Ultras für sieben Stunden in Polizeigewahrsam zu nehmen, sei "vollkommen überzogen" gewesen, sagt von Ploetz. Zumal er immer wieder versucht habe, mit dem Einsatzleiter, dem nun in die Kritik geratenen Pusch, zu verhandeln und dabei dem Polizeiführer Alternativen aufgezeigt habe. "Am liebsten wäre es uns natürlich gewesen, wir hätten wie geplant in die Kneipen gehen können", erklärt von Ploetz. Zumal auch angesichts des Großaufgebots der Polizei keinerlei Gefahr gedroht hätte.

Bremen: 234 Eintracht-Fans in Gewahrsam

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Aber auch andere Lösungen hätte von Ploetz akzeptiert: "Die Polizei hätte uns zum Beispiel direkt zum Stadion bringen können." Und letztlich hätten es die Fans sogar hingenommen, wenn sie von den Beamten sofort wieder nach Hause geschickt worden wären. "Das wäre uns lieber gewesen, als in Gewahrsam zu gehen." Der Einsatzleiter habe sich aber kein bisschen kompromissbereit gezeigt. Pusch habe "zehn andere Möglichkeiten gehabt, aber sein martialisches Konzept durchgezogen", kritisierte von Ploetz.

Diskutiert wird der Einsatz, den die Bremer Polizei wegen Gefahr in Verzug mit "Verhinderungsgewahrsam" erklärte, mittlerweile bundesweit. Bereits während des Spiels in Bremen hatten Werder-Anhänger ein Transparent mit der Aufschrift "Willkommen im Polizeistaat Bremen" enthüllt.

Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte, glaubt, dass der Einsatz für Verunsicherung in der Fanszene gesorgt habe. Das Verhältnis zwischen Fans und Polizei werde zusätzlich belastet. Grundsätzlich rät er den Sicherheitsbehörden zu einem "kommunikativen Konzept". Vorbildlich sei etwa die Polizei in Hannover, die bereits Wochen vor dem Spiel den Kontakt mit den Fans des Gegners suche.

Auch später im Stadion gab es Auseinandersetzungen. René Kirsten: "Nachdem die Polizei in der zweiten Hälfte die Eintracht-Fans am Verlassen des Stadions hinderten, kam es zu heftigen Zusammenstößen." Die Ultras Frankfurt 1997 kritisieren: "Hierbei ging die Polizei außerordentlich brutal, wahllos und ohne Rücksicht auf Frauen und Kinder vor."

Autor:  GEORG LEPPERT UND JAN CHRISTIAN MÜLLER
Datum:  1 | 12 | 2008
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1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
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