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Funkel und Caio: Kein Stoff, aus dem die Träume sind

Warum ein bizarrer Grabenkampf zwischen denen da oben und denen da unten Eintracht Frankfurt fast zu spalten droht. Von Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz

Caio durfte nicht mit nach Stuttgart. Dieses Bild zeigt ihn beim Spiel gegen Energie Cottbus Anfang April.
Caio durfte nicht mit nach Stuttgart. Dieses Bild zeigt ihn beim Spiel gegen Energie Cottbus Anfang April.
Foto: ddp

Und wieder hat Friedhelm Funkel Caio nicht aufgestellt. Nicht mal eingewechselt. Wieder hat er ihn gedemütigt. Mit Caio, dem Brasilianer, hätte die Eintracht in Stuttgart gewonnen. Ganz bestimmt. Ach ja: Caio konnte ja nicht, war unpässlich, ein Abszess im Oberschenkel legte ihn auf Eis.

Die Reise nach Stuttgart trat der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte erst gar nicht an. Und Funkel hatte ein Problem weniger. Aber das ändert nichts daran: Ein lautstarker Teil der Fans hat ein Problem mit Funkel.

Ob an der Raststätte beim Bierkauf, in der Straßenbahn oder im Stadion vor dem Anpfiff, die Anti-Funkel-Stimmung ist mit Händen greifbar. Die Mailbox der FR schwappt über von Leserbriefen, in Foren tobt ein exzessiver Richtungsstreit. Die Homepage der Eintracht brach in der vergangenen Woche unter einem gezielten Angriff sogar zusammen und wurde vom Netz genommen. Die Eintracht stellt Strafanzeige.

Durch den Verein Eintracht Frankfurt geht ein Riss, die Gräben werden immer tiefer - und keiner weiß, wie sie wieder zugeschüttet werden sollen. Es läuft in diesen unruhigen Tagen alles aus dem Ruder, das ganze sorgsam und akribisch aufgebaute Gebilde ist ins Wanken geraten. Der Kern der Auseinandersetzung ist der: Die konservativ und seriös ausgerichtete Vereinspolitik von Vorstandschef Heribert Bruchhagen und seinem ersten Angestellten Friedhelm Funkel, sich ausschließlich an dem Machbaren und der Bundesligarealität zu orientieren, scheint nicht kompatibel mit der teils überbordenden Erwartungshaltung der Fans.

Sie halten Eintracht Frankfurt noch immer für eine große Nummer und eine überregionale Marke im Fußball. Das ist sie aber schon lange nicht mehr. Und doch: Die Zeit Anfang der 90-er Jahre war für die heutigen Stimmungsmacher offenbar prägend, es war eine Zeit, in der die Eintracht auf Augenhöhe mit Bayern München war, einen herrlichen Fußball spielte - und doch keinen Titel holte.

Im Grunde ist Funkel nur ein Sündenbock, das Ventil für die Schar der Unzufriedenen, genauso wie Caio für ihre unerfüllten Träume herhalten muss. Funkel verkörpert das Mittelmaß, die Stagnation, der Brasilianer irreale Hoffnung auf glorreiche Zeiten.

Funkel macht es den Fans indes auch nicht leicht, er gibt ihnen keinen Stoff zum Träumen. Fans wollen attraktiveren Fußball sehen mit vielen Toren, Fans wünschen sich, ins Risiko zu gehen, Fans wollen lieber mit fliegenden Fahnen untergehen als ein langweiliges Null-Null. Fans wollen keine Anhänger einer grauen Maus sein. Funkel will lieber den einen Punkt mitnehmen und dafür nimmt er ein mieses Spiel allemal in Kauf. Da treffen Welten aufeinander.

Die Eintracht steckt in einem Dilemma, denn wahrscheinlich ist: In der nächsten Saison geht es genauso weiter, wenn es nicht gar schlimmer wird. Denn der Klub muss den Gürtel enger schnallen, große Sprünge sind nicht zu erwarten. Neuer Ärger ist programmiert. Und das Dilemma ist auch ein Vermittlungsproblem: Rational betrachtet haben die Realos die klar besseren Argumente auf ihrer Seite. Aber Fußball ist ein Geschäft mit Emotionen, Leidenschaften und Gefühlen. Und da bietet Eintracht Frankfurt vielen keine richtige Heimstatt mehr.

Ist es nur ein Zufall, dass den kopfgesteuerten Bruchhagen und Funkel die Phantasie ausgegangen ist? Wie kommt man aus dieser Zwickmühle heraus? Zu erwarten, mit einem anderen Trainer würde die Eintracht die Bundesliga aufmischen, wäre naiv. Selbst Guus Hiddink, der derzeit erfolgreichste Trainer, würde wahrscheinlich nicht viel mehr aus dieser Mannschaft herausholen. Die Qualität der Fink, Steinhöfer, Korkmaz, Köhler, Inamoto, Spycher, Russ ist eben limitiert, und Qualität entscheidet. Diese Fakten kann man nicht einfach ignorieren.

Aber: Es ist fürwahr nicht verboten, den Fans mal ein Leckerli zu geben, ein paar Visionen zu entwerfen und womöglich mal Platz acht als Ziel auszugeben. Auch wenn es auf den ersten Blick unmöglich scheint. Doch das ist mit Bruchhagen und Funkel nicht zu machen. Sie sähen sich dann auch gleich als Opfer ihrer eigenen (falschen) Prognosen. Vermutlich liegen sie damit sogar richtig, denn die Bundesliga ist eine Zweiklassengesellschaft und der Zugang zur besseren Hälfte ist nur mit hoher Investition oder dem richtigen Riecher auf dem Transfermarkt zu erlangen - und da griff die Eintracht zuletzt immer häufiger daneben. Wenn ein 33-jähriger Notnagel wie Nikos Liberopoulos, der nur geholt wurde, weil sich Ümit Korkmaz im ersten Training den Fuß brach, der überragende Topeinkauf der Saison ist, lässt das tief blicken.

Und nichts spricht dagegen, den Verein innovativ voranzubringen und mal eine aggressivere Marketingkampagne aus dem Boden zu stampfen. Die Eintracht muss strategische Entscheidungen treffen und eine Idee entwickeln, wie sie mehr Geld generieren und aus dem Teufelskreis des Mittelmaßes ausbrechen kann.

Dass am Ende der Ball sowieso macht, was er will, weiß doch jeder. Nur Caio trifft die Kugel immer richtig. Aber den stellt Funkel ja nicht auf.

Autor:  THOMAS KILCHENSTEIN UND INGO DURSTEWITZ
Datum:  26 | 4 | 2009
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Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
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