Die Frustration ist Michael Skibbe auch am Morgen danach noch deutlich anzusehen. Stundenlang hatte er mit dem Brasilianer Lincoln und dessen Berater Christian Rapp in einem Frankfurter Hotel zusammengesessen und als Verbindungsmann zwischen seinem Wunschspieler und Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen auf der Geschäftsstelle vermittelt. Am Ende allerdings ohne Erfolg. "Wir haben am Montagabend bis elf Uhr alles versucht", erzählte Skibbe: "Es ist an der wirtschaftlichen Situation der Eintracht gescheitert. Die ist zwar nicht schlecht, aber auch nicht wirklich prickelnd."
Nicht wirklich prickelnd dürfte sich der achtstündige Verhandlungsmarathon aber auch für Bruchhagen entwickelt haben. Es soll über mehrere kleinere Details keine Einigung erzielt worden sein; "entscheidend", so Bruchhagen, "war aber die Vertragsdauer. Lincoln wollte nur für ein Jahr unterschreiben." Inakzeptabel für Bruchhagen. "Wenn wir schon für ein Leihgeschäft eine Abstandszahlung an Galatasaray zahlen, wollen wir nicht, dass der Spieler schon nach einem Jahr die Möglichkeit besitzt, uns wieder zu verlassen." Skibbe ergriff hingegen Partei für seinen ehemaligen Star: "Das ist alles richtig. Auf der anderen Seite kann ich aber auch Lincoln verstehen."
Lincoln, der noch bis 2011 an den türkischen Spitzenklub Galatasaray Istanbul gebunden ist und dort jährlich drei Millionen Euro netto verdienen soll, sollte dem Vernehmen nach für 750.000 Euro ausgeliehen werden. Darüber hinaus soll sich die Eintracht mit Galatasaray über eine Kaufoption nach einem Jahr über 2,5 Millionen Euro verständigt haben. Wie weit die Verhandlungen fortgeschritten waren, zeigt auch, das Lincoln am Montagvormittag den medizinischen Check in Frankfurt absolviert hatte.
Nur das braungebrannte Gesicht des notorisch unrasierten Trainers von Eintracht Frankfurt täuschte gestern über seine Gemütslage hinweg. "Ich bin enttäuscht, sehr enttäuscht", sagte Skibbe nach dem Vormittagstraining. "Heute ist ein trauriger Tag für die Eintracht und ein trauriger Tag für Lincoln." Skibbe hatte den Deal vor knapp einer Woche selbst eingefädelt. Am Samstag saß der 30 Jahre alte Spielmacher beim Kick der Eintracht gegen Dortmund (1:1) als interessierter Zuschauer auf der Tribüne. "Mit ihm hätten wir das Tor nach oben aufstoßen können", sagte Skibbe, der mit Lincoln während seines kurzen Gastspiels in Istanbul zusammenarbeitete. "Sicherlich ist er einer der besten Spieler, die ich in den elf Jahren als Profitrainer je gehabt habe."
Für Skibbe ist Lincoln nicht nur ein exzellenter Fußballer, er sei auch ein guter Mensch. Einer, mit dem aber nicht nur Galatasaray so seine Probleme hat. Sommer für Sommer weigert er sich trotz laufenden Vertrags in die Türkei zurückzukehren. In der Bundesliga schied er ebenfalls in Unfrieden. Erst beim 1. FC Kaiserslautern, später bei FC Schalke 04. "Er wurde in eine Schublade gesteckt, so ist er nicht", erwiderte Skibbe. "Er wollte in erster Linie bei Eintracht Frankfurt spielen weil ich hier Trainer bin."
Allerdings zu finanziellen Bedingungen, die das Gehaltsgefüge bei Eintracht Frankfurt vermutlich ins Ungleichgewicht gebracht hätten. "Wir kennen unseren Rahmen", sagte Bruchhagen, der die Forderungen des Brasilianers zu drücken versuchte. Wohl mit Erfolg. "Für Lincoln war eine weitere Bewegung nach unten aber nicht möglich. Ich weiß, was er auf Schalke verdient hat und was er in Galatasaray verdient, da wäre er hier gewaltig am Boden gelandet", sagte Skibbe und legte nach: "Die Eintracht hat eine große Chance verpasst. So oft wird ein Spieler dieser Qualität in der momentan Lage des Vereins nicht mehr angeboten. "
Caio auf den rechten Flügel
Das intensive Buhlen um Lincoln verdeutlicht, wie es um die derzeitige Wertschätzung von Caio bestellt ist. Für Skibbe wäre der Brasilianer aber eher einer der Profiteure gewesen: "Er wäre positiv betroffen gewesen. Bernd Hölzenbein hat ihn beim Scouting ja selten auf der Zehn gesehen, sondern auf dem rechten Flügel. Das hätte zusammen gehen können."
Nun muss Lincoln in Brasilien überwintern, "das Tischtuch zu Galatasaray ist zerschnitten" (Skibbe). Auf der Suche nach einem neuen Klub könnte er nun nur noch in Russland fündig werden. "Ich hoffe, er hat dort mehr Glück", sagte Skibbe und wiederholte: "Wir haben uns im Rahmen unserer Möglichkeiten bewegt, aber es war nicht mehr drin."
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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