Vor dem ersten deftigen Rückschlag dieser noch jungen Bundesliga-Spielzeit haben sich die Aufsichtsratsmitglieder der Eintracht Frankfurt Fußball AG gemeinsam mit dem Vorstand in einem Wirtshaus im Spessart getroffen. Während der Klausurtagung berichtete AG-Chef Heribert Bruchhagen über die Großwetterlage in Frankfurt, die wirtschaftliche Situation der Eintracht, die sich auch durch den DFB-Pokal leicht verbessert habe.
Bruchhagen verteidigte überdies seine in die Kritik geratenen Transferabschlüsse der jüngeren Vergangenheit, und er schwor die Eintracht auf eine Zukunft ein, in der die Jugendarbeit eine große Rolle spielen soll. "Werte schafft man nur über die Jugend", sagt ein Teilnehmer. "Das haben alle erkannt." Ansonsten hat sich Bruchhagen erwartungsgemäß nicht dazu entschließen können, seine seriöse Vereinspolitik zu verlassen und ein wenig mehr ins finanzielle Risiko zu gehen. Stattdessen malte er für einige andere Klubs düsteren Szenarien, Schalke 04 oder Hertha BSC Berlin etwa. Die Eintracht hegt die Hoffnung, dass ihr mancher risikoreich wirtschaftende Klub von oben entgegenkommt.
Ein paar Stunden später mussten die Hessen auf dem Rasen ihren ersten Dämpfer hinnehmen. Im dritten Heimspiel binnen einer Woche kassierten sie die erste Niederlage in dieser Saison. Das 0:3 gegen den VfB Stuttgart war ein Schlag ins Kontor, eine Pleite, die selbst die beinharten Fans nur mit Galgenhumor ertragen konnten. Zum schlechten Schluss konnten sie das Treiben dort unten auf dem Feld nicht mehr ernst nehmen. Sie feierten sich selbst, lautstark und vehement, und ein bisschen nahmen sie dabei auch ihre Lieblinge auf den Arm. "Oh, wie ist das schön", sangen sie. Oder auch: "Und schon wieder ungeschlagen, SGE."
Man konnte sie gut verstehen, denn was die Eintracht am Samstag vor fast 50000 Zuschauern im Stadtwald vollführte, spottete jeder Beschreibung. Nichts lief zusammen, von Beginn an wirkten die Frankfurter Spieler ängstlich und gehemmt, sie spielten nur quer und zurück. "Es kam kein sauberer Pass ins Mittelfeld", kritisierte Trainer Michael Skibbe, "wir haben immer nur hinten rum gespielt." Von dem von Skibbe versprochenen Offensivfußball mit Pressing und Aggressivität war nichts, aber auch gar nichts zu sehen.
"Von der ersten Minuten an waren wir wie paralysiert", sagte Klubchef Heribert Bruchhagen. "Wir haben eine deprimierende Niederlage nach einem enttäuschenden Spiel einstecken müssen." Schon früh hätte die Eintracht zurückliegen müssen, nach 17 Minuten war es dann so weit. Unter gütiger Mitarbeit des Frankfurter Torwarts Oka Nikolov gingen die Stuttgarter durch Julian Schieber in Führung. Nikolov sah in dieser Szene wie ein Kreisligatorwart aus (siehe nebenstehenden Bericht).
Ohne Gegenwehr
Aber auch ohne Nikolovs Patzer wäre diese ungleiche Partie in Frankfurt niemals zugunsten der Hausherren gekippt. Dafür war die Eintracht einfach zu schwach, dafür hatte sie zu viele Totalausfälle zu verkraften. Chris etwa verlor stets die entscheidenden Zweikämpfe in der Abwehr, vor dem 0:2 wiederum durch Schieber (31.) klärte er den Ball nicht, vor dem 0:3 durch einen satten Schuss von Thomas Hitzlsperger unterlief er eine Ecke (54.).
Auch Zlatan Bajramovic reihte ein schlechtes Abspiel an das nächste. Caio zuckelte ohne Bindung, ohne Ideen, ohne Feuer und völlig planlos übers Feld, so ist er nicht bundesligatauglich. Dauerläufer Selim Teber spielte die Bälle beharrlich zum Gegner.
Schließlich noch Marco Russ, der sich schon zu Beginn mehrfach übertölpeln ließ und dann nach 33 Minuten frühzeitig duschen gehen konnte. Er holte den durchgebrochenen Sami Khedira als letzter Mann von den Beinen, Schiedsrichter Manuel Gräfe zeigte ihm die Rote Karte. Eine vertretbare Entscheidung, auch wenn man das bei der Eintracht natürlich anders sah. "Da ist der Schiri übers Ziel hinausgeschossen", monierte Skibbe. 0:2 und ein Mann weniger - nach einer guten halben Stunde war die Begegnung im Grunde entschieden.
Der zuvor arg in der Krise steckende VfB Stuttgart war die zielstrebigere, ballsicherere Mannschaft, auch in Sachen Handlungsschnelligkeit war sie um Längen voraus. "Wir sind nur hinterher gerannt", sagte Kapitän Christoph Spycher. "Fast alles haben wir falsch gemacht."
Die Eintracht ist nach der schwächsten Saisonleistung wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet, und auch tabellarisch ist sie mittlerweile dort zu finden, wo sie sich auskennt: im Mittelfeld. Von "oben festbeißen", wie Skibbe noch jüngst geträumt hatte, kann keine Rede sein. Jetzt sagt der Trainer: "Wir müssen am Limit spielen, wenn wir gegen die Großen mithalten wollen." Er ist dann gefragt worden, ob der Anfangsschwung abgeebbt sei? Skibbe musste ein paar Sekunden lang überlegen. "Nein", antwortete er. "Wir haben gegen eine bessere Mannschaft verloren."
Gegen eine Mannschaft, die an diesem Tag aber auf einen Gegner ohne Gegenwehr traf.
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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