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Eintracht Frankfurt
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13. Februar 2015

Heribert Bruchhagen Eintracht Frankfurt: "Dann wird aus Zement noch Granit"

 Von 
Die Macht des Eintracht-Bosses: Heribert Bruchhagen im Eintracht-Museum.  Foto: Peter Hartenfelser

Warum Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen 2016 auf jeden Fall aufhört, den Geldregen aus der Champions League skeptisch sieht, von seiner Zurückhaltung gegen Investoren nicht abweicht und selten das Spielende im Stadion erlebt.

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Das Eingeständnis gönnt sich Heribert Bruchhagen: „Man wird im Alter nervenschwächer.“ Was dazu führt, dass der Vorstandsboss der Frankfurter Eintracht mittlerweile nur selten noch den Schlusspfiff wirklich im Stadion erlebt. Die meisten Bundesligaspiele würden ihn einfach zu sehr mitnehmen. „Wenn ein Spiel auf der Kippe steht, haue ich ab. Dann sitze ich beim Zeugwart Franco Lionti und höre nur noch die Kulisse.“ Nicht einmal auf den Fernseher würde der 66-Jährige schauen – anders ist es für ihn nicht zu ertragen.

Solche Einblicke gewährte eine der prägendsten Gestalten der Liga den Zuhörern im Eintracht-Museum im Rahmen der Vortragsreihe „Die Macht des Sports“. Dabei gab Bruchhagen zu verstehen: „Ich mache diesen Job ausgesprochen gerne. 108 Mitarbeiter führen, ein öffentlicher Mensch und im Fernsehen präsent zu sein – das gefällt einem. Jeder ist doch eitel.“ Für ihn sei „ein Traum in Erfüllung gegangen: aus der Schülermannschaft in Harsewinkel zum Manager in der Bundesliga.“

Rettig wird nicht Nachfolger

Dennoch soll nun niemand daraus ableiten, dass sich sein Abschied verzögere: „Trotzdem höre ich auf!“ Und zwar werde der Chefsessel bei den Hessen wie abgemacht zum 30. Juni 2016 neu besetzt. „Auch wenn unser Aufsichtsratschef Wilhelm Bender mal eine Bemerkung gemacht hat, bleibt es dabei. Der Aufsichtsrat wird meine Nachfolge regeln.“ Zudem erklärte Bruchhagen, dass ihm der scheidende DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig persönlich versichert habe, als sein Nachfolger nicht infrage zu kommen.

Deutlich wurde Bruchhagen bei seinem Lieblingsthema: dem ungleichen Wettbewerb in der Bundesliga. „Gäbe es keine TV-Gelder, wäre Eintracht Frankfurt ein ‚big player‘ und würde jedes Jahr um die Meisterschaft spielen.“ Als Mitglied des Ligavorstandes tritt Bruchhagen beileibe nicht dafür ein, die nationalen Fernseherlöse hierzulande herunterzureden, aber Unsummen wie in England machen ihm Angst: „Weil dann auch jeder Spieler bald bei uns nicht 1,1 Millionen, sondern zwei Millionen Euro verdienen will.“

Neuer Pressechef
Markus Jestaedt.
 Foto: imago/Martin Hoffmann

Die Eintracht hat zum 1. April dieses Jahres den Fernseh-Kommentator Markus Jestaedt als Bereichsleiter Medien und Kommunikation eingestellt. Der 54-Jährige, der auf eine fast 30-jährige journalistische Tätigkeit zurückblickt, wird neuer Pressechef und die Stelle innehaben, die vor zwei Jahren schon Oliver Forster übernehmen sollte. Das war seinerzeit aber am Veto von Ex-Trainer Armin Veh gescheitert. Carsten Knoop bleibt weiterhin Abteilungsleiter Presse. (kil)

Um das Ungleichgewicht nicht zu groß werden zu lassen, hat Bruchhagen schon vor mehr als einem halben Jahr den schriftlichen Antrag in den Ligavorstand hineingebracht, die nationalen TV-Erlöse künftig nicht nur nach sportlichen Maßstäben, nämlich der Platzierung in der Tabelle, zu verteilen. Bruchhagen schwebt ein ähnliches Modell wie in England vor, wo 50 Prozent der Einnahmen zu gleichen Teilen auf alle Vereine und 25 Prozent aufgrund der Einschaltquoten der Klubs im TV verteilt werden. Den öffentlichen Vorstoß seines Eintracht-Kollegen, Finanzvorstand Axel Hellmann, und von HSV-Marketingvorstand Joachim Hilke in diese Richtung goutiert Bruchhagen nicht. Er möchte lieber auf stille Diplomatie setzen.

Wie ein Damoklesschwert betrachtet der Eintracht-Boss jene Gelder, die seines Wissens in der übernächsten Saison in der Champions League zur Ausschüttung kommen sollen: angeblich 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro pro Saison. „Wenn das passiert, sprechen wir nicht von Zement, dann reden wir von Granit.“ Darin eingemeißelt sind dann auch Standorte wie Hamburg, Bremen oder Stuttgart, denn niemand käme gegen die regelmäßig in der Königsklasse gemästeten Klubs wie Bayern oder Schalke oder die Werksvereine wie Leverkusen und Wolfsburg noch an.

Mangelnde finanzielle Schlagkraft

Sebastian Jung (VfL Wolfsburg) und Sebastian Rode (FC Bayern) hat die Eintracht verloren, weil die finanzielle Schlagkraft hinten und vorne nicht reichte. Bruchhagen: „Bei Sebi Rode hat mir Karl-Heinz Rummenigge 18 Monate vorher gesagt, dass Matthias Sammer mit dem Spieler einig ist.“ Und überdies: „Dort erhält ein Spieler auch die volle Lohnfortzahlung, wenn er länger verletzt ist. Wir können uns das nicht leisten.“ Bruchhagen weiß, dass er sich oft zwischen den Fronten bewegt. „Wenn ich vor einem Spiel aus dem Büro gehe, rufen mir die Leute zu: ‚Bruchhagen, gib uns unseren Fußball zurück.“ Dabei ist er doch derjenige, der nicht jede Geldquelle anzapfen will. Weder Scheichs aus dem Fernen Osten noch Investoren aus Amerika dürften der Steigbügelhalter für die Eintracht sein.

Es seien nun einmal Fakten, so der Sparkommissar, „dass einige trojanische Pferde in meinem Garten standen, als ich hier angefangen habe.“ Sein Freund Martin Kind mache doch bei Hannover 96 die Erfahrung: „Sie geben seit drei Jahren einen Investitionszuschuss und stehen doch genau noch dort, wo sie vorher waren.“ Der prinzipientreue Ostwestfale („Man wird mit der Zeit ein bisschen konservativer“) will partout vermeiden, dass sich die Eintracht verschuldet – zumindest nicht bis zu seinem Abgang. „Man muss selbst wissen, was man will. Wenn meine Nachfolger in ein, zwei Jahren eine andere Strategie wählen, dann wollen sie das Beste“ – aber er sei dafür nicht zu haben.

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